BR-Intendantenwahl: Valerie Weber, Katja Wildermuth und Christine Strobl im Gespräch

13.09.2020 •

Der Bayerische Rundfunk (BR) in München dürfte künftig – so sieht es jedenfalls aktuell aus – erstmals von einer Intendantin geleitet werden. Bei den Namen, die bislang für die neu zu besetzende Leitungsposition genannt wurden, handelt es sich überwiegend um Frauen. Gegenüber der Tageszeitung „Augsburger Allgemeine“ sagte der BR-Rundfunkratsvorsitzende Lorenz Wolf im Juli mit Blick auf die Intendantenwahl, er habe keinen Favoriten: „Ich würde mich über eine Intendantin freuen.“

Das Intendantenamt beim BR muss zum 1. Februar 2021 für die nächste fünfjährige Amtszeit neu besetzt werden. Der 59-jährige Ulrich Wilhelm, der seit Anfang Februar 2011 den Sender leitet, erklärte am 10. Juli, nicht für eine dritte Amtsperiode zu kandidieren (vgl. MK-Meldung). In der Nachfolge von Wilhelm eine Frau zur Chefin des Bayerischen Rundfunks zu wählen, dazu hatte Mitte Juli das BR-Frauennetzwerk „Female for Future“ die Rundfunkratsmitglieder aufgefordert. Es sei nun Zeit für eine Intendantin, um den BR „zukunftsfähig und divers“ aufzustellen, hieß es in einem offenen Brief des Frauennetzwerks.

In der Nachfolge von Ulrich Wilhelm

Für das Intendantenamt beim Bayerischen Rundfunk sind derzeit Valerie Weber, Katja Wildermuth und Christine Strobl im Gespräch. Weber, 54, war ab 2004 Programmdirektorin und ab 2006 zusätzlich Geschäftsführerin von Antenne Bayern in München, bevor sie 2014 zum Westdeutschen Rundfunk (WDR) wechselte. Dort wurde sie Hörfunkdirektorin. Seit einem organisatorischen Umbau, durch den beim WDR 2019 die zwei Programmdirektionen crossmedial nach Themenbereichen ausgerichtet wurden, ist Weber Programmdirektorin ‘NRW, Wissen und Kultur’.

Katja Wildermuth, Jg. 1965, ist beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) seit 2019 Programmdirektorin mit Sitz in Halle. Sie verantwortet beim MDR die crossmedial aufgestellten Bereiche ‘Kultur’ und ‘Wissen’. Außerdem ist sie für die ‘Jungen Angebote’ des MDR, für die Radiosender MDR Jump und MDR Klassik und für die Klangkörper der Rundfunkanstalt zuständig. Beim MDR begann die promovierte Historikerin 1994 ihre journalistische Laufbahn, zunächst als Autorin und ab 2001 als Redakteurin. 2004 wurde sie Chefin der Redaktion ‘Geschichte und Dokumentarfilm’. Ende 2016 wechselte sie zum Norddeutschen Rundfunk (NDR) und übernahm dort die Leitung des Programmbereichs ‘Kultur und Dokumentation’. Anfang April 2019 kehrte sie als Direktorin zum MDR zurück.

Christine Strobl, 49, ist seit 2012 Geschäftsführerin der ARD-Filmproduktionsgesellschaft Degeto, die beim Hessischen Rundfunk (HR) in Frankfurt angesiedelt ist. Bevor sie zur Degeto kam, leitete sie beim Südwestrundfunk (SWR) die Hauptabteilung Film- und Familienprogramm. Strobl ist ausgebildete Juristin. Sie gehört der CDU an, sagt aber von sich, „überhaupt kein aktives Mitglied“ zu sein. Christine Strobl ist die älteste Tochter von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Verheiratet ist sie mit dem CDU-Politiker Thomas Strobl, der seit 2016 baden-württembergischer Innenminister in der Regierung von Grünen und CDU unter Ministerpräsident Wilfried Kretschmann (Grüne) ist. Thomas Strobl ist auch stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

Strobl wird auch als ARD-Programmdirektorin gehandelt

Dem Vernehmen nach wird Christine Strobl auch für das ARD-Programmdirektorenamt gehandelt, das ebenfalls im kommenden Jahr neu besetzt werden muss. Der Vertrag von ARD-Programmdirektor Volker Herres, 63, läuft Ende Oktober 2021 aus. In der Branche wird davon ausgegangen, dass Herres dann in den Ruhestand tritt. Im Herbst 2017 war sein Vertrag von den ARD-Intendanten noch um drei Jahre verlängert worden (vgl. MK-Meldung). Herres ist seit November 2008 Programmdirektor der ARD. Er übernahm diese Position damals in der Nachfolge von Günter Struve.

Für das Intendantenamt beim Bayerischen Rundfunk brachte die „Augsburger Allgemeine“ als weiteren Namen noch Thomas Hinrichs ins Spiel. Der 52-Jährige leitet beim BR seit 2014 die Programmdirektion Information. Zuvor war der BR-Journalist ab 2006 Zweiter Chefredakteur der beim NDR in Hamburg angesiedelten ARD-Gemeinschaftseinrichtung ARD-aktuell (u.a. „Tagesschau“, „Tagesthemen“).

Bis zum 15. September läuft nun noch die Frist, bis zu der die Mitglieder des 50-köpfigen BR-Rundfunkrats aufgefordert sind, Personen für die Intendantenposition vorzuschlagen. Nach Ablauf der Vorschlagsfrist werden die Rundfunkratsmitglieder über die endgültigen Wahlvorschläge informiert und der Termin für die Intendantenwahl wird festgelegt. Voraussichtlich in der nächsten Sitzung des Rundfunkrats, die für den 22. Oktober angesetzt ist, findet die Intendantenwahl statt.

13.09.2020 – Volker Nünning/MK

` `