Aus für Medienforum NRW besiegelt – kein neues Konzept

12.11.2018 • Als Ende Juni 2017 die Landesregierung von CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen ihre Arbeit aufnahm, hatte sie sich für den Medienbereich unter anderem vorgenommen, das Medienforum NRW neu auszurichten. In ihrem Koalitionsvertrag verankerten die beiden Parteien, sie wollten „das Medienforum NRW durch ein neues Konzept ersetzen“ und so den „Medien- und Digitalstandort Nordrhein-Westfalen wieder wirksamer präsentieren“. Diese Ankündigung der von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) angeführten Landesregierung überraschte nicht, sondern war vielmehr folgerichtig, nachdem zu Zeiten der rot-grünen Vorgängerregierung der Branchenkongress stetig geschrumpft worden war, was auch dazu führte, dass dessen inhaltliche Relevanz rapide sank. Zuletzt fand Ende Mai 2017 ein nur noch eintägiges Medienforum NRW statt – als Teil der Anga.com, der in Köln vom Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber (Anga) veranstalteten Fachmesse für Breitband, zu deren Anhängsel das Medienforum inzwischen mutiert war (vgl. MK-Artikel).

Doch Ministerpräsident Laschet und sein Staatskanzleichef Nathanael Liminski (CDU), der operativ für die NRW-Medienpolitik zuständig ist, präsentierten in den Monaten nach der Regierungsübernahme kein neues Konzept für das Medienforum NRW. Im Oktober 2017 bekräftigte Liminski im Kultur- und Medienausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags in Düsseldorf zwar noch einmal, man wolle dem Medienforum „ein neues Gewand geben“, damit es wieder „von sich reden macht und Debatten auslöst“. Ein halbes Jahr später, im April 2018, als Ministerpräsident Laschet in dem Ausschuss zu Gast war, gab es aber weiterhin keine Neuigkeiten. Laschet sagte, man überlege, wie sich „in den nächsten Jahren die Neukonzeptionierung des Medienforums“ erreichen lasse (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung).

Kooperation mit Global Media Forum

Relativ schnell stand für die Landesregierung lediglich fest, im Jahr 2018 kein Medienforum nach alter Prägung zu veranstalten und mit der Branche in Kontakt zu treten, um Ideen für ein neues Veranstaltungskonzept zu sammeln. Die zwischenzeitliche Aussage Liminskis (vom März 2018), anstelle des Medienforums im Jahr 2018 eine Ersatzveranstaltung mit Fokus auf sogenannte „High Levels“ aus der Medienbranche zu organisieren, um aus diesem Kreis auch Anregungen für eine neue Medienveranstaltung zu erhalten, wird nicht mehr eingelöst werden. Ein solches Event, das Liminski im März 2018 ankündigte (vgl. MK-Meldung), wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. Angedacht war dafür dem Vernehmen nach zunächst ein Termin im September (im Umfeld der in Köln angesiedelten Digitalmesse DMECXO), dann ein Termin im November. Doch diese Veranstaltungspläne zerschlugen sich letztlich.

Inzwischen geht es bei den Beratungen in der Düsseldorfer Staatskanzlei über das Medienforum NRW auch gar nicht mehr um dessen Neukonzeption. Nach MK-Informationen hat sich die Landesregierung davon verabschiedet, ein neues Konzept zu entwickeln – damit ist das Aus für das im Jahr 1989 erstmals veranstaltete Medienforum NRW endgültig besiegelt. Das Land will sich nun stattdessen beim jährlich in Bonn stattfindenden Global Media Forum der Auslandsrundfunkanstalt Deutsche Welle (DW) verstärkt engagieren.

Das Global Media Forum gibt es seit dem Jahr 2008 und fand bisher an drei Tagen im Juni statt; im kommenden Jahr wird der Termin Ende Mai sein. Der international ausgerichtete Kongress wird bislang von der Deutschen Welle und der ‘Stiftung Internationale Begegnung der Sparkasse in Bonn’ veranstaltet. Finanziell gefördert wird die Großveranstaltung, die zuletzt rund 2000 Teilnehmer aus 100 Ländern besuchten, unter anderem vom Auswärtigen Amt, vom Bundesentwicklungshilfeministerium, der Behörde der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Stadt Bonn. Zu den finanziellen Unterstützern gehörte in diesem Jahr erstmals auch die NRW-Landesregierung; Ministerpräsident Laschet sprach beim diesjährigen Global Media Forum (11. bis 13. Juni 2018) das Grußwort.

„Eine Perlenkette attraktiver Medienveranstaltungen“

Offenbar plant das Land Nordrhein-Westfalen für das Global Media Forum künftig deutlich mehr Geld als in diesem Jahr bereitzustellen. Am 8. November beschlossen die Regierungsfraktionen von CDU und FDP in der Sitzung des Kultur- und Medienausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag, den Medienetat für 2019 unter anderem um 500.000 Euro aufstocken, um bestimmte Veranstaltungen finanziell zu unterstützen. Andrea Stullich, medienpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, erklärte dazu in einer Pressemitteilung: Mit den zusätzlichen 500.000 Euro „sollen überregional bedeutsame Medienveranstaltungen ausgebaut werden, wie das Global Media Forum, der Gamescom Congress, der Deutsche Entwicklerpreis oder auch Matchmaking-Veranstaltungen. Sie sollen zu einer Perlenkette attraktiver Medienveranstaltungen in unserem Land werden.“ Ähnlich äußerte sich auch Thomas Nückel, der medienpolitische Sprecher der FDP-Fraktion.

Anstelle eines neuen Medienforums will die Regierungskoalition von CDU und FDP offensichtlich insbesondere bestehende Veranstaltungen stärker unterstützen, darunter vor allem das Global Media Forum. Wie sich eine deutlich ausgeweitete Beteiligung dann auf die inhaltliche Ausrichtung dieses Kongresses auswirken wird, bleibt abzuwarten. Gespräche über ein vergrößertes Engagement des Landes Nordrhein-Westfalen beim Global Media Forum gibt es jedenfalls bereits seit einiger Zeit.

Die Staatskanzlei äußerte sich am 7. November auf MK-Nachfrage zu einer Kooperation mit dem Global Media Forum nicht, sondern verwies auf noch laufende Beratungen im ‘Beirat Medien-Digital-Land NRW’. Die Mitglieder dieses Beirats – insgesamt 35 Branchenvertreter – hatte Nathanael Liminski im Juni berufen; zu den Mitgliedern hier zählt auch Guido Baumhauer, der bei der Deutschen Welle Direktor für Distribution und Technik ist. „Der Beirat Medien-Digital-Land NRW hat das Thema Medienveranstaltungen intensiv beraten und eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Über das weitere Vorgehen wird die Landesregierung nach Abschluss des Prozesses informieren“, teilte die nordrhein-westfälische Staatskanzlei der MK weiter mit.

12.11.2018 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 24/2018

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