Arte-Vorstand ab 2022 paritätisch mit Frauen und Männern besetzt

25.06.2021 •

Beim deutsch-französischen Kulturfernsehkanal Arte wird der Vorstand, das oberste Führungsgremium des Senders, ab Januar 2022 paritätisch mit Frauen und Männern besetzt sein. Neue Programmdirektorin von Arte wird dann Emelie de Jong, neue Verwaltungsdirektorin Marysabelle Cote. Das gab Arte am 9. Juni in einer Pressemitteilung bekannt.

Die zwölfköpfige Mitgliederversammlung von Arte billigte die Personalentscheidungen, die zuvor Arte-Präsident Bruno Patino – in Absprache mit Vizepräsident Peter Weber – vorgeschlagen hatte. Patino und Weber haben sich bei Übernahme ihrer Ämter bei Arte laut der Pressestelle des Senders insbesondere für eine paritätische Besetzung der Führungspositionen mit Frauen und Männern ausgesprochen. Seit dem Sendestart von Arte im Jahr 1992 wurde bisher weder die Programm- noch die Verwaltungsdirektion von einer Frau geleitet.

Ende Dezember 2021 gibt Bernd Mütter die Leitung der Programmdirektion nach vier Jahren ab. Zuvor war Mütter bei Arte ab Juni 2015 stellvertretender Programmdirektor. Bevor er zu dem Kulturkanal wechselte, hatte er beim ZDF gearbeitet. Was Mütter ab 2022 beruflich machen wird, ist noch offen; möglicherweise kehrt er auch zum ZDF nach Mainz zurück. Emmanuel Suard scheidet Ende 2021 nach fünf Jahren aus dem Amt als Arte-Verwaltungsdirektor aus; was er künftig beruflich machen wird, ist unklar. Bruno Patino ist seit Januar 2021 Präsident von Arte; er steht auch an der Spitze von Arte France. Vizepräsident des Kulturkanals ist seit demselben Zeitpunkt ZDF-Justiziar Peter Weber. Der vierköpfige Vorstand des Senders besteht aus dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten sowie den beiden hauptamtlichen Arte-Direktoren.

Außer Kraft gesetzte Personalregularien

Die beiden Mitgliedsorganisationen der in Straßburg angesiedelten Arte-Dachgesellschaft (Arte G.E.I.E.) sind die in Baden-Baden ansässige Arte Deutschland TV GmbH und Arte France mit Sitz in Paris. Hinter der Arte Deutschland TV GmbH stehen wiederum ARD und ZDF. Laut Arte-Satzung wechselt die Besetzung der Programmdirektoren- und der Verwaltungsdirektorenstelle regelmäßig zwischen der deutschen und der französischen Seite. Gleiches gilt für das Präsidentenamt und das Vizepräsidentenamt. Präsident von Arte war bis Ende 2020 der frühere SWR-Intendant Peter Boudgoust. Vizepräsident war zuletzt Bruno Patino, der dann im Herbst 2020 für die neue Periode ab Januar 2021 zum Arte-Präsidenten berufen wurde (vgl. MK-Meldung).

Von deutscher Seite wurde nun überraschend mit Marysabelle Cote erstmals eine Französin für eine hauptamtliche Arte-Direktorenstelle vorgeschlagen und dann auch von der Mitgliederversammlung für das Verwaltungsdirektorenamt berufen. Die bisherigen Personalregularien wurden damit praktisch außer Kraft gesetzt, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass bei ARD und ZDF keine Frau zu finden war, die als Verwaltungsdirektorin zu Arte wechseln wollte. Cote, Jg. 1984, kam 2009 zu Arte; sie war zuvor bei Arte France in Paris tätig. Bei Arte in Straßburg war Cote zunächst Vorstandsreferentin und ab 2013 Leiterin der Abteilung ‘Präsidium und Koordinierung’, bevor sie 2017 die Hauptabteilung ‘Generalsekretariat und europäische Entwicklung’ übernahm. Emelie de Jong arbeitet seit 2008 bei Arte France, zuerst als stellvertretende Leiterin der Hauptabteilung ‘Kunst, Musik, Theater, Tanz’, deren Chefin sie 2011 wurde. De Jong wechselt also Anfang 2022 von Arte France zu Arte nach Straßburg, um dort dann Programmdirektorin zu werden.

Neue stellvertretende Programmdirektorin von Arte wird am 1. Januar 2022 Sylvie Stephan vom Bayerischen Rundfunk (BR). Stephan übernimmt zugleich – in der Nachfolge von Emmanuel Tourpe – die Leitung der Arte-Hauptabteilung ‘Programmplanung lineare und nicht-lineare Angebote’. Stephan, 53, leitet beim BR seit 2020 den crossmedialen Programmbereich Kultur. Zuvor war die Deutsch-Französin ab 2014 Chefin der BR-Presse­stelle; davor war sie ab 2005 Leiterin der Presseabteilung der Internationalen Energie-Agentur in Paris und ab 2010 Frankreich-Korrespondentin für mehrere deutsche Tageszeitungen.

Mehr Geschlechtergerechtigkeit gefordert

Durch die Berufungen von drei Frauen auf Führungspositionen bei Arte erhöht sich zum Beginn des kommenden Jahres der Frauenanteil in der Senderhierarchie. Ende Februar 2021 hatten 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Arte in einem offenen Brief für Geschlechtergerechtigkeit in den Gremien und Führungspositionen des Senders plädiert. Seit Oktober 2020 besteht der vierköpfige Arte-Vorstand ausschließlich aus Männern, was sich nun Anfang 2022 ändern wird.

Der zwölfköpfigen Arte-Mitgliederversammlung, die für die Berufung der Arte-Vorstandsmitglieder zuständig ist, gehörte in den vergangenen Jahren höchstens eine Frau an; im Jahr 2020 gab es eine Phase, in der nur Männer in dem Gremium vertreten waren, das sich aus sechs deutschen und sechs französischen Abgesandten zusammensetzt. Im Dezember 2020 zog dann auf französischer Seite Anne Durupty neu in die Arte-Mitgliederversammlung ein (sie war von 2016 bis 2018 Arte-Vizepräsidentin und davor Generaldirektorin von Arte France). Seit März 2021 gibt es auch auf deutscher Seite eine Frau in der Arte-Mitgliederversammlung: Es ist Heike Hempel, die stellvertretende ZDF-Programmdirektorin.

Die weiteren deutschen Vertreter in der Arte-Mitgliederversammlung sind zur Zeit neben Heike Hempel noch WDR-Intendant Tom Buhrow (auch ARD-Vorsitzender), SWR-Intendant Kai Gniffke, Intendant Martin Grasmück vom Saarländischen Rundfunk (SR), ZDF-Intendant Thomas Bellut und Frank Freiling, Chef der ZDF-Hauptabteilung ‘Internationale Angelegenheiten’. Die französischen Vertreter in dem Gremium sind neben Anne Durupty noch Nicolas Seydoux (Vorsitzender des Aufsichtsrats des Filmkonzerns Gaumont), Jean-Baptiste Gourdin (Generaldirektor für Medien und Kulturwirtschaft im französischen Kulturministerium), Charles Sarrazin (Leiter Portfoliomanagement bei APE, der französischen Agentur für Staatsbeteiligungen), Thomas Serval (Internet-Unternehmer) und Jean-Dominique Giuliani (Präsident der Robert-Schuman-Stiftung und Präsident der Hochschule ILERI). Präsident der Arte-Mitgliederversammlung ist seit Januar 2021 Tom Buhrow, Vizepräsident Nicolas Seydoux.

25.06.2021 – vn/MK

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