ARD verlängert nun doch die Satellitenausstrahlung in SD

10.08.2020 •

Die ARD wird ihre Fernsehprogramme über Satellit nun doch noch länger in der digitalen Standardauflösung (SD) ausstrahlen. Das teilte die ARD am 14. Juli mit, nachdem die Intendanten der Landesrundfunkanstalten einen entsprechenden Beschluss gefasst hatten. Damit revidierten die Intendanten ihre Entscheidung vom Februar 2020, aus Kostengründen die SD-Ausstrahlung der ARD-Programme über das Astra-Satellitensystem im Januar 2021 zu beenden und ab dann die Programme ausschließlich in hochauflösender Bildqualität (High Definition/HD) zu verbreiten.

Dass die ARD ihre Programme über Januar 2021 hinaus über Astra in SD und in HD senden wird, zeichnete sich bereits ab (vgl. MK-Meldung). Im Mai hatte das ZDF erklärt, seine Programme über Ende 2020 hinaus bis auf weiteres über Astra auch noch in SD auszustrahlen. Die ARD begründete ihre Kehrtwende nun mit den „veränderten Rahmen­bedingungen während der Corona-Pandemie“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Offensichtlich wollte die ARD zu Coronazeiten nicht, dass sich Bürger auch noch darum kümmern müssen, wie sie ab Januar 2021 die ARD-Programme weiter über Satellit empfangen können.

Auch Arte bleibt in SD empfangbar

Laut dem von den Landesmedienanstalten herausgegebenen „Digitalisierungsbericht Video 2019“ gibt es in Deutschland insgesamt 17,3 Mio Haushalte, die Fernsehen über Satellit empfangen. In 13,8 Mio Haushalten sind HDTV-Geräte bereits verfügbar. In den übrigen 3,5 Mio Haushalten ist technisch bisher kein HD-Empfang über Satellit möglich. Diese Haushalte hätten sich, wenn die ARD bei der Abschaltung der SD-Sendesignale geblieben wäre, bis Januar 2021 HD-fähige Fernseher oder entsprechende Receiver kaufen müssen, um auch künftig die ARD-Programme via Astra sehen zu können.

Die ARD wird über Januar 2021 hinaus ihre vier gemeinschaftlich betriebenen Fernsehprogramme Das Erste, Tagesschau 24, One und ARD-alpha über Astra in SD verbreiten. Gleiches gilt für die Dritten Programme. Die ARD plant derzeit, wie sie gegenüber der MK erklärte, „die Fortführung der SD-Ausstrahlung ohne Frequenzwechsel zu gestalten und so die Notwendigkeit eines Sendersuchlaufs an den Satelliten-Empfangsgeräten zu vermeiden“.

Vorgesehen ist darüber hinaus, dass auch die von ARD und ZDF gemeinsamen veranstalteten Programme weiterhin in SD über Astra zu empfangen sein werden. Dabei handelt es sich um Phoenix, den Kinderkanal und 3sat (bei 3sat sind auch noch ORF und SRG dabei). Außerdem werden die drei Programme des ZDF (das Hauptprogramm, ZDFneo und ZDFinfo) und auch der deutsch-französische Kulturkanal Arte, den auf deutscher Seite ARD und ZDF mitbetreiben, über Januar 2021 hinaus via Astra in SD zu sehen sein.

Finanzierung durch Etatumschichtungen

Arte verwies auf MK-Nachfrage darauf, dass der Vertrag mit dem Satellitenbetreiber SES Astra eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2022 habe. Die ARD wollte die Frage, bis zu welchem Zeitpunkt die SD-Satellitenverbreitung ihrer Programme nun verlängert worden sei, nicht beantworten: Zu „vertraglichen Details“ äußere man sich nicht, hieß es auf eine entsprechende Nachfrage. Auch das ZDF lehnte es ab, den Zeitpunkt zu nennen, bis zu dem die SD-Satellitenausstrahlung prolongiert wurde.

Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen die künftige Ausstrahlung ihrer Fernsehprogramme über Satellit in der digitalen Standardauflösung im Übrigen durch Etatumschichtungen finanzieren. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hat im Februar 2020 entschieden, dass ARD und ZDF dafür ab 2021, dem Beginn der neuen vierjährigen Beitragsperiode, kein Budget mehr erhalten. Die KEF hält die Parallelausstrahlung in SD- und HD-Qualität angesichts der derzeitigen Verbreitungszahlen des HD-Empfangs für wirtschaftlich nicht mehr gerechtfertigt.

Das ZDF hatte für die neue Beitragsperiode bei der KEF für die SD-Satellitenausstrahlung keine Kosten mehr angemeldet. Die ARD hingegen hatte der KEF 2019 dargelegt, die Satellitenverbreitung ihrer Programme in SD-Qualität noch für die Jahre 2021 und 2022 fortsetzen zu wollen. Die Kosten dafür veranschlagte die ARD der KEF zufolge auf insgesamt 32,7 Mio Euro. Diesen Betrag hat die Kommission der ARD gestrichen, weshalb der Senderverbund dann im Februar 2020 entschied, die SD-Verbreitung via Satellit im Januar 2021 einzustellen. Jetzt beschloss die ARD, diese Entscheidung zurückzunehmen, wobei unklar ist, ob die ARD im Zuge ihrer Verhandlungen mit SES Astra eventuell günstigere finanzielle Konditionen erzielen konnte. Weder die ARD noch das ZDF noch Arte wollten mitteilen, welche jährlichen Kosten ihnen ab 2021 für die fortgesetzte SD-Ausstrahlung ihrer Programme über Astra entstehen.

10.08.2020 – vn/MK