ARD prüft Beibehaltung der Satellitenausstrahlung in SD

19.06.2020 •

Die ARD prüft derzeit, ob sie ihre Fernsehprogramme über Satellit doch noch länger in der digitalen Standardauflösung (SD) ausstrahlt und damit das zuletzt verkündete Abschaltdatum für die SD-Ausstrahlung – Januar 2021 – zurücknimmt. Das erklärte auf Nachfrage die ARD-Pressestelle, die derzeit beim WDR angesiedelt ist, der in den Jahren 2020 und 2021 den ARD-Vorsitz innehat. „Die ARD ist sich bewusst, dass eine solide und gesicherte Informationsversorgung der Bevölkerung gerade in diesen Zeiten essentiell ist“, so die ARD in ihrer Stellungnahme gegenüber der MK mit Blick auf „die aktuelle Situation rund um das Thema Corona“. Bei der ARD kläre man „zur Zeit, ob die Programme in SD weiterverbreitet werden können“.

Im Februar 2020 hatte der Senderverbund mitgeteilt, die vier gemeinschaftlich betriebenen Fernsehprogramme Das Erste, Tagesschau 24, One und ARD-alpha würden im Januar 2021 via Satellit (Astra) nicht mehr in SD verbreitet, sondern dann nur noch in hochauflösender Bildqualität (HD). Durch die SD-Abschaltung spare die ARD „erhebliche Kosten“. In den vergangenen Jahren hätten „immer mehr Haushalte auf die bessere HD-Qualität umgestellt“, hieß es weiter. Im von den Landesmedienanstalten herausgegebenen „Digitalisierungsbericht Video 2019“ heißt es, dass 13,8 Mio der insgesamt 17,3 Mio Haushalte, die hierzulande Fernsehen über Satellit empfangen, bereits über HD-Fernseher verfügten. In den übrigen 3,5 Mio Haushalten sei technisch noch kein HD-Empfang über Satellit möglich.

ZDF setzt weiter auf SD-Verbreitung

Im März 2020 wurde darüber hinaus bekannt, dass auch alle ARD-Landesrundfunkanstalten außer dem MDR die SD-Ausstrahlung ihrer Dritten Programme via Satellit im Januar 2021 einstellen wollen. Auch der deutsch-französische Kulturkanal Arte, den ARD und ZDF gemeinschaftlich mit Arte France betreiben, kündigte an, die SD-Verbreitung via Satellit im Januar 2021 zu beenden. Zur SD-Ausstrahlung der Programme Phoenix, Kinderkanal und 3sat, die ARD und ZDF gemeinsam veranstalten (bei 3sat auch noch mit ORF und SRG), gab es im Februar bzw. März noch keine näheren Informationen.

Während sich die ARD für den Zeitpunkt Januar 2021 auf eine Abschaltung der SD-Satellitenausstrahlung festlegte, erklärte dann im Mai das ZDF, die SD-Ausstrahlung beizubehalten. Das ZDF-Hauptprogramm sowie ZDFneo und ZDFinfo würden über 2020 hinaus bis auf weiteres über Astra auch in SD verbreitet, hieß es aus Mainz. Der Sender verwies zur Begründung auf die Zuschauer, die Fernsehprogramme über Satellit noch nicht in HD-Qualität empfangen können, sondern weiterhin nur in der Standardauflösung. Die Frage, bis zu welchem Zeitpunkt die SD-Ausstrahlung über Astra verlängert wurde, beantwortete das ZDF nicht.

Dass die ARD beschloss, im Satellitenbereich die SD-Ausstrahlung bei ihren Programmen zu beenden, ging letztlich auf eine Entscheidung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) zurück. Die KEF hält die Parallelausstrahlung von öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen in SD- und HD-Qualität nicht mehr für angemessen. Das ist in dem im Februar veröffentlichten 22. KEF-Bericht nachzulesen, mit dem die Kommission das Budget der Sender für die neue Rundfunkbeitragsperiode 2021 bis 2024 festlegte. Die KEF ist der Auffassung, dass angesichts der derzeitigen Verbreitungszahlen des HD-Empfangs ab 2021 eine zusätzliche SD-Ausstrahlung wirtschaftlich nicht mehr gerechtfertigt sei. Sie entschied, dass den Sendern die Kosten für die SD-Ausstrahlung via Satellit ab diesem Zeitpunkt nicht mehr genehmigt werden.

KEF reduziert Budget für Satellitenausstrahlung

Die ARD hatte der KEF 2019 mitgeteilt, die Satellitenverbreitung ihrer Programme in SD-Qualität sei noch für die Jahre 2021 und 2022 vorgesehen. Die Kosten dafür sollen sich der KEF zufolge auf insgesamt 32,7 Mio Euro belaufen. Diesen Betrag hat die Kommission der ARD gestrichen, so dass der Senderverbund beschloss, die SD-Verbreitung via Satellit einzustellen. Das ZDF hatte 2019 bei der KEF keine Kosten für die SD-Satellitenausstrahlung seiner Programme ab 2021 mehr angemeldet, so dass die KEF hier keine Streichungen vornehmen musste. Die Ausgaben, die dem ZDF durch die weitere SD-Programmverbreitung über Astra entstehen, will der Sender, wie er der MK mitteilte, „durch interne Umschichtungen“ finanzieren.

Die ARD prüft derzeit, wie aus anderen Bereichen Gelder umgeschichtet werden können, um die SD-Ausstrahlung via Satellit ab 2021 gegenzufinanzieren. Mit dem Satellitenbetreiber Astra könnte die ARD außerdem über kostengünstigere Verträge für die SD-Verbreitung ihrer Programme verhandeln. Die KEF sieht hier bei der ARD im Vergleich mit dem ZDF jedenfalls „Effizienzreserven“. So habe das ZDF in der Periode 2017 bis 2020 die Satellitenverbreitungskosten um 13 Prozent senken können, heißt es im 22. KEF-Bericht. Bei der ARD seien diese Ausgaben dagegen um 7,9 Prozent gestiegen, was nahezu ausschließlich auf höhere Aufwendungen für die TV-Ausstrahlung zurückzuführen sei (bei der ARD fallen auch noch Kosten für die Satellitenverbreitung der Hörfunkprogramme an).

Es ist nun offen, bis wann geklärt ist, ob ab Januar 2021 alle öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme über Satellit weiterhin in der digitalen Standardauflösung zu empfangen sind. Merkwürdig erscheint es auf den ersten Blick, dass sich ARD und ZDF hier nicht im vorhinein über ein einheitliches Vorgehen abgesprochen haben, um ein Durcheinander in der Öffentlichkeit zu verhindern. Doch die Anstalten haben auch wettbewerbsrechtliche Gründe zu beachten. Im Jahr 2015 hatte der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Grundsatzurteil entschieden, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender bezüglich der Kabeleinspeisung ihrer Programme über die Kündigung ihrer Verträge nicht untereinander absprechen dürfen (vgl. hierzu diese MK-Meldung).

Keine Ausstiegspläne bei Privatsendern

Von kommerziellen Fernsehsendern ist bisher nicht bekannt, dass sie in näherer Zukunft ihre SD-Verbreitung über Satellit beenden wollen. Die beiden großen Sendergruppen, die RTL-Gruppe und der Pro-Sieben-Sat-1-Konzern, haben sich Ende 2012 gegenüber dem Bundeskartellamt im Übrigen dazu verpflichtet, bis 2022 bestimmte Programme unter anderem über Satellit in SD-Qualität unverschlüsselt auszustrahlen (vgl. hierzu FK-Heft Nr. 3/13). Dabei handelt es sich um die Programme RTL, RTL 2, Vox und ntv sowie Pro Sieben, Sat 1, und Kabel 1.

Doch die beiden TV-Gruppen wie auch die meisten anderen Privatsender dürften bis auf weiteres generell kein Interesse an einer Abschaltung ihrer SD-Sendesignale haben, weder über Satellit noch im Kabelnetz. Schließlich strahlen sie ihre Programme in hochauflösender Qualität – im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Sendern – ganz überwiegend verschlüsselt aus. Der HD-Empfang von RTL, Pro Sieben & Co. ist für die Fernsehzuschauer mit Zusatzkosten verbunden, die aber ein großer Teil von ihnen bislang nicht zu bezahlen bereit ist. Insofern würde eine Abschaltung der SD-Ausstrahlung die Reichweite der kommerziellen Fernsehanbieter signifikant reduzieren und damit zu niedrigeren Einschaltquoten führen, was auch auf die Werbepreise durchschlagen dürfte.

19.06.2020 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 13-14/2020

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