ARD-Hauptversammlung: WDR übernimmt 2020 den Sendervorsitz, Beratungen über künftige ARD-Digitalstrategie

27.09.2019 •

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) wird ab dem 1. Januar 2020 den Vorsitz innerhalb der ARD übernehmen. Nach zwei Jahren gibt der Bayerische Rundfunk (BR) zum Jahresende 2019 turnusgemäß die ARD-Geschäftsführung ab. Dann wird BR-Intendant Ulrich Wilhelm, der seit Anfang 2018 ARD-Vorsitzender ist, dieses Amt an WDR-Intendant Tom Buhrow übergeben. Buhrow, der am 29. September 61 Jahre alt wird, steht seit Juli 2013 an der Spitze der größten ARD-Landesrundfunkanstalt. Der WDR hatte zuletzt in den Jahren 2011/12 den ARD-Vorsitz inne. Dass der Westdeutsche Rundfunk innerhalb des Senderverbunds ab Januar 2020 den Vorsitz übernimmt, war intern bereits vor einiger Zeit vereinbart worden (vgl. MK-Meldung).

Der offizielle Beschluss dazu wurde nun im Rahmen der ARD-Hauptversammlung am 16./17. September in Stuttgart gefasst, an der neben den Intendanten der neun ARD-Landesrundfunkanstalten auch die Vorsitzenden der jeweiligen Aufsichtsgremien der Sender teilnahmen. Am 1. Januar 2020 übernimmt der WDR-Rundfunkratsvorsitzende Andreas Meyer-Lauber den Vorsitz der ARD-Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK). Meyer-Lauber, der vom Deutschen Gewerkschaftsbund (Landesbezirk NRW) in den WDR-Rundfunkrat entsandt ist, folgt Prälat Lorenz Wolf nach, der den BR-Rundfunkrat leitet. Wolf ist seit 2014 Vorsitzender des Aufsichtsgremiums, in dem er die katholische Kirche vertritt.

Tina Hassel, Eva Lindenau

Im Rahmen der ARD-Hauptversammlung in Stuttgart haben die Intendanten beschlossen, den Vertrag von Tina Hassel als Leiterin und Fernsehchefredakteurin des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin turnusgemäß um zwei Jahre zu verlängern. Beide Positionen hat die 55-jährige Hassel (WDR) seit dem 1. Juli 2015 inne. Ihre neue Amtszeit beginnt am 1. Juli 2020 und endet am 30. Juni 2022. Der Vertragsverlängerung muss noch der Verwaltungsrat des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) zustimmen, dem das ARD-Hauptstadtstudio zugeordnet ist. Das gilt aber nur noch als Formsache. Laut der ARD-Verwaltungsvereinbarung über das Hauptstadtstudio wird dessen Leiter für fünf Jahre berufen. Der Vertrag kann dann zweimal für jeweils zwei Jahre verlängert werden.

Noch nicht entschieden haben die Intendanten in Stuttgart über die Nachbesetzung der ARD-Geschäftsführerposition beim Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix, den die ARD gemeinsam mit dem ZDF betreibt. Die ARD und das ZDF benennen jeweils einen Programmgeschäftsführer. Für Phoenix (Sitz: Bonn) ist innerhalb der ARD der Westdeutsche Rundfunk federführend zuständig. Der bisherige, vom WDR stammende Phoenix-Programmgeschäftsführer Helge Fuhst wechselt Anfang Oktober als Zweiter Chefredakteur zu ARD-aktuell (u.a. „Tagesschau“, „Tagesthemen“).

WDR-Intendant Buhrow hat seinen Intendantenkollegen in Stuttgart vorgeschlagen, die Journalistin Eva Lindenau zur neuen Co-Geschäftsführerin von Phoenix zu berufen. Über diesen Personalvorschlag wollen die Intendanten in ihrer Oktober-Sitzung entscheiden. Lindenau, 1975 in Düsseldorf geboren, ist Juristin und arbeitet seit 2010 in der WDR-Wirtschaftsredaktion, deren stellvertretende Leiterin sie 2017 wurde. Für das ZDF ist seit November 2012 Michaela Kolster Programmgeschäftsführerin von Phoenix. Der Vertrag der 55-jährigen Journalistin war im April 2019 um weitere drei Jahre bis Ende Oktober 2022 verlängert worden.

Kräfte bei „Big-Five“-Plattformen bündeln

Die ARD-Intendanten haben sich in Stuttgart außerdem mit der künftigen Digitalstrategie des Senderverbunds befasst. Beschlüsse dazu wurden allerdings noch nicht gefasst. Es sei noch „eine ganze Reihe von Zwischenschritten“ nötig, erklärte der ARD-Vorsitzende Wilhelm in Stuttgart am 18. September bei einer Pressekonferenz nach der Hauptversammlung. Sein Ziel sei es, so Wilhelm weiter, in Sachen Digitalstrategie in der letzten Sitzung der ARD-Intendanten unter dem BR-Vorsitz Ende November in München „einige Entscheidungen auf den Weg zu bringen“.

Die ARD-Intendanten beraten seit längerem darüber, fünf Online-Angebote des Senderverbunds deutlich auszubauen und dort Kräfte zu bündeln. Dabei geht es um die ARD-Mediathek, die ARD-Audiothek, die Portale tagesschau.de und sportschau.de sowie die Online-Angebote für Kinder (Kika-Player). Wilhelm nannte diese Plattformen die „Big Five“, wozu aber als sechste auch noch das Online-Jugendangebot Funk hinzuzählen sei. Funk wurde im Oktober 2016 von ARD und ZDF gemeinsam gestartet, um 14- bis 29-Jährige mit spezifischen Internet-Angeboten zu erreichen.

Angesichts anhaltender Digitalisierung und verändertem Mediennutzungsverhalten, gerade bei jüngeren Menschen, plädierte Wilhelm dafür, Strukturen innerhalb der ARD zu verändern: „Wir müssen es erreichen, dass Redaktionen nicht nur wie bisher mit gutem Erfolg für die linearen Angebote, sondern auch mehr und mehr für unsere digitalen Angebote adäquate Inhalte erstellen.“ Reformen hält Wilhelm daher gerade bei der ARD-Fernsehprogrammkonferenz (FPK) und den Koordinationen für notwendig. Aufgabe der FPK ist es, das Erste Programm zu gestalten. Unterstützt wird die FPK dabei von mehreren Koordinatoren, die für bestimmte Bereiche zuständig sind, etwa das Vorabendprogramm oder den Fernsehfilm im Ersten.

Die Fernsehprogrammkonferenz und die Koordinationen müssen Wilhelm zufolge so umgebaut werden, dass über diese Gremien künftig auch „gute Internet-Inhalte“ für die „Big-Five“-Plattformen entstehen könnten. Außerdem müssten die einzelnen Landesrundfunkanstalten mehr Kompetenzen dafür aufbauen, um entsprechende Online-Inhalte produzieren zu können. In diesem Veränderungsprozess gehe es auch darum, aus Budgets, die für Produktionen im Fernsehen oder Hörfunk verwendet würden, Gelder zugunsten dieser fünf gemeinschaftlich betriebenen Online-Plattformen umzuschichten, sagte Wilhelm weiter. ARD-Programmdirektor Volker Herres verwies in diesem Zusammenhang auf eine im September beschlossene Etatverschiebung bei der Degeto, der Filmtochter der ARD. Erstmals sei bei der Degeto nun ein Budgetposten geschaffen worden, aus dem Serien produziert werden könnten, die exklusiv über die ARD-Mediathek verbreitet werden sollen, so Herres.

27.09.2019 – vn/MK