Andreas Meyer-Lauber hört auf: Beim WDR‑Rundfunkrat steht ein Wechsel im Vorsitzamt bevor

05.11.2021 •

Beim WDR-Rundfunkrat wird es mit dem Beginn der neuen Amtsperiode des Gremiums Anfang Dezember einen Wechsel im Vorsitzamt geben. Der WDR-Rundfunkratsvorsitzende Andreas Meyer-Lauber scheidet Ende November mit Ablauf der aktuellen Amtsperiode aus dem Gremium aus, dem Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und dem Kirchenbereich angehören.

Meyer-Lauber, 69, wurde im Oktober 2010 Rundfunkratsmitglied, und zwar als Vertreter des Landesbezirks Nordrhein-Westfalen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Im Dezember 2016 übernahm er den Rundfunkratsvorsitz (vgl. MK-Meldung). Von Oktober 2010 bis Dezember 2017 war Andreas Meyer-Lauber Vorsitzender des DGB-Landesbezirks NRW. Dem Vernehmen nach hatte er im Jahr 2016 erklärt, den Rundfunkratsvorsitz auch nur für eine Amtsperiode zu übernehmen. Neue Vertreterin der Gewerkschaft im WDR-Rundfunkrat wird dann ab Anfang Dezember Anja Weber sein. Weber, Jg. 1961, folgte Meyer-Lauber Anfang 2018 als neue Vorsitzende des DGB-Landesbezirks NRW nach.

Wer übernimmt die Leitung des Gremiums?

Wer künftig den WDR-Rundfunkrat leiten wird, dazu gibt es bisher noch keine Vorentscheidung. Die Wahl ist für den 1. Dezember angesetzt, wenn sich der Rundfunkrat in seiner geänderten personellen Zusammensetzung für die neue fünfjährige Amtsperiode in Köln konstituiert. Für das Vorsitzamt könnte der derzeitige stellvertretende Rundfunkratsvorsitzende Rolf Zurbrüggen in Frage kommen. Diese Position hat er seit Februar 2020 inne (vgl. MK-Meldung). Mitglied des Gremiums ist er als Vertreter des Landesverbands der Volkshochschulen von Nordrhein-Westfalen seit Dezember 2016; zuvor war er ab 2009 stellvertretendes Rundfunkratsmitglied. Rolf Zurbrüggen, Jg. 1958, arbeitet seit 1991 bei der Volkshochschule Warendorf, deren Direktor er seit 1998 ist.

Aus dem WDR-Rundfunkrat wird Ende November ein großer Anteil der Mitglieder ausscheiden. Dazu gehört auch die weitere stellvertretende Rundfunkratsvorsitzende Dagmar Gaßdorf. Die Kommunikationsberaterin war Ende 2009 als Vertreterin der nordrhein-westfälischen Industrie- und Handelskammern in das Gremium eingezogen. Vom aktuellen neunköpfigen erweiterten Rundfunkratspräsidium – bestehend aus den drei Vorsitzenden des Gremiums sowie den Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der drei Rundfunkratsausschüsse – gehören dem Rundfunkrat in der neuen Amtsperiode nur noch zwei Personen an. Neben Rolf Zurbrüggen handelt es sich dabei noch um die EU-Parlamentsabgeordnete Petra Kammerevert (SPD), die seit 2010 den Programmausschuss des WDR-Rundfunkrats leitet.

Mit Beginn der neuen Amtsperiode wird der WDR-Rundfunkrat personell verkleinert, und zwar von bisher 60 auf dann 55 Sitze. Diese geringfügige Reduktion hatte Ende April die nordrhein-westfälische CDU/FDP-Regierungskoalition im Rahmen einer Novelle des WDR-Gesetzes beschlossen (vgl. MK-Meldung). Im neuen Rundfunkrat der größten ARD-Landesrundfunkanstalt werden dann erstmals mehr Frauen als Männer vertreten sein. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge werden dem Gremium ab Dezember mindestens 32 Frauen und mindestens 15 Männer angehören. Acht Verbände haben bisher noch nicht entschieden, ob sie eine Frau oder einen Mann entsenden. Aktuell setzt sich der Rundfunkrat aus 39 Männern und 20 Frauen zusammen (ein Platz ist vakant).

Frauen übernehmen Mehrheit im Rundfunkrat

Dass künftig im WDR-Rundfunkrat deutlich mehr Frauen vertreten sind, hängt mit einer Novelle des WDR-Gesetzes aus dem Jahr 2016 zusammen, die von der damals regierenden Koalition aus SPD und Grünen verabschiedet worden war. SPD und Grüne verankerten seinerzeit unter anderem in dem Gesetz, dass die Verbände spätestens nach zwei Amtsperioden ein neues Rundfunkratsmitglied berufen müssen. Wurde der jeweilige Verband bis dahin von einem Mann im Rundfunkrat vertreten, muss für die neue Amtsperiode eine Frau benannt werden; war eine Frau entsandt, muss ihr ein Mann folgen.

Diese Vorschrift kommt nun zum Tragen, nachdem im Gesetz damals auch festgelegt wurde, dass mit der bis Ende 2016 laufenden Rundfunkratsperiode die Neuregelung beginnt. Als zweite Amtsperiode gilt somit die aktuelle, die nun Ende November ausläuft. Für die vom Landtag in den WDR-Rundfunkrat entsandten 13 Politikvertreter gibt es im Übrigen eine solch dezidierte Regelung nicht. Gleichwohl ist auch hier eine geschlechterparitätische Besetzung zu beachten: Mindestens sechs Frauen und sechs Männer müssen vom Landtag benannt werden.

Beim WDR-Rundfunkrat ist es ein Novum, wenn ab Dezember die Frauen eine (deutliche) Mehrheit in dem Gremium haben. Bei anderen ARD-Rundfunkräten war dies schon früher der Fall: Dem 29-köpfigen RBB-Rundfunkrat gehörten zum Beispiel in der Zeit von 2015 bis 2019 mehr Frauen als Männer an (15 Frauen, 14 Männer); in der aktuellen Amtsperiode sind es dagegen nur neun Frauen. Dem NDR-Rundfunkrat (58 Mitglieder) gehören seit der 2017 laufenden Amtsperiode mehr Frauen als Männer an (32 Frauen, 26 Männer). Gleiches gilt für den 32-köpfigen HR-Rundfunkrat, in den zur Zeit 17 Frauen und 15 Männer entsandt sind. Bei den Rundfunkräten von MDR, BR und SR sind jeweils deutlich mehr Männer als Frauen vertreten. Dem Rundfunkrat von Radio Bremen gehören derzeit 16 Männer und 15 Frauen an. Auch im 74-köpfigen SWR-Rundfunkrat haben – zumindest aktuell – die Männer insgesamt einen Platz mehr als die Frauen; in dem Gremium sind zur Zeit aber drei Plätze nicht besetzt.

05.11.2021 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 23-24/2021

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