Media Convention Berlin 2018: Weniger Hemd und Krawatte, mehr Hoodie

30.05.2018 • Bloß nicht so sein wie die anderen. Das war das Ziel, als im Mai 2014 die „Media Convention Berlin“ (MCB) zum ersten Mal veranstaltet wurde (vgl. FK-Artikel). Man wollte nicht so sein wie die Medienkongresse in München, Köln oder Leipzig, wo „die gleichen Runden und die gleichen Gesichter die gleichen Themen diskutieren“, wie Elmar Giglinger, der damalige Geschäftsführer des Medienboards Berlin-Brandenburg, es seinerzeit ausdrückte. Und so wurde aus dem vorherigen Internationalen Medienkongress am Rande der Internationalen Funkausstellung (IFA) die Media Convention Berlin. Dabei schlüpfte die neu formierte Veranstaltung wiederum unter das Dach des netzpolitischen Kongresses „Republica“, den es seit 2007 in Berlin gibt.

Als Teil der Republica wurde die Media Convention anfangs allerdings noch sehr am Rande wahrgenommen. Doch das hat sich inzwischen geändert. Der vom Medienboard und der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) organisierte und orchestrierte Kongress ist mehr in die Mitte gerückt. Inhaltlich wie räumlich. Das drückt sich schon allein in dem Tagungszeitraum aus, den die Medienmesse mittlerweile bestreitet: Waren es anfangs noch eineinhalb der drei Republica-Tage, an denen auch die Media Convention ein Programm bot, spielt sie mittlerweile die kompletten drei Tage mit, in diesem Jahr von Mittwoch bis Freitag in der ersten Mai-Woche.

Man kann nicht überall sein

Es zeigt sich auch an den Bühnen, auf denen die Media Convention präsent ist. War sie anfangs noch separiert, da oben im ersten Stock, abseits des großen Geschehens, wo niemand hinfand, der nicht bewusst danach gesucht hat, nimmt die MCB mittlerweile unten links, gleich wenn man den Veranstaltungsort, die „Station“ in Kreuzberg, betritt, eine große Bühne ein. Während dort am diesjährigen Auftakttag auf dem unteren Podium Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zum Thema „Der neue Alltag in Medienunternehmen: Unsicherheit managen“ redete, sprach ZDF-Intendant Thomas Bellut oben – auf der zweiten Media-Convention-Bühne – zum Thema „Journalismus in der digitalen Zukunft: Brauchen wir das ZDF noch?“ Tja, berechtigte Frage, vielleicht sollte Bellut lieber unten sitzen und sich darüber informieren, wie man Unsicherheit managt. Aber man kann halt nicht überall sein. Was in diesem Jahr bei Media Convention und Republica wieder mal sehr deutlich wurde.

Eigentlich kam nur Patricia Schlesinger, die Intendanten des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), dem Status der ‘Überall-Präsenz’ sehr nah: Sie saß bei dem Berliner Doppelkongress auf immerhin drei Podien, stritt auf der Media Convention (und das sehr leidenschaftlich) mit Pro-Sieben-Sat-1-Interimschef Conrad Albert bei einer Diskussion unter dem Überschrift „Medienmarkt vor der Zerreißprobe – von Public Value und Monopolen“, unterhielt sich mit Kolleginnen von öffentlich-rechtlichen Sendern aus Dänemark und der Schweiz über das Thema „Kritik und Reformen – Reboot des öffentlich-rechtlichen Systems?“ und war auf der Republica bei einer Diskussionsrunde dabei, die sich fragte: „Investigativer Journalismus: Wer kann sich das noch leisten?“

Die RBB-Intendantin ist sehr präsent

Die starke Präsenz seiner Intendantin zeigte erstens, wie sehr der Rundfunk Berlin-Brandenburg die Media Convention angenommen hat, zweitens, wie gern sich Patricia Schlesinger auf Podien streitet, und drittens, wie sehr Media Convention und Republica verschmolzen sind. Ist es wirklich noch so, dass das eine Panel dort nicht auch unter dem Dach der anderen Veranstaltung hätte stattfinden können? Hätte Jan Böhmermann, der per Video zur Republica zugeschaltet wurde, nicht genauso gut auf der Media Convention über sein Projekt „Reconquista Internet“ sprechen können?

Natürlich hätte er das. Niemand hätte sich darüber beschwert. Niemand hätte es als unlogisch oder unpassend empfunden. In Zeiten von Intermediären wie Facebook, in denen tatsächlich jeder ein Medium sein kann, gibt es keine Trennung mehr zwischen alten „Holzmedien“ und neuen, digitalen Medien. Das ist vorbei. Punkt. Oder wie Helge Jürgens, beim Medienboard Berlin-Brandenburg Geschäftsführer Standortentwicklung, es ausdrückte: „Zum fünfjährigen Bestehen ist die MCB mit ihren Themen ein äquivalenter Bestandteil der Republica geworden.“

Bestandteil des Republica-Kongresses

Dabei gibt es allerdings auch noch einiges zu tun: Zwei Bühnen, die jeweils für ein Publikum von 400 Personen Platz bieten, sind nicht leicht zu bespielen. Während bei einigen Panels die Kapazität bei weitem nicht ausreichte, wurde anderswo vor maximal halbvollen bis zweidrittelleeren Stuhlreihen diskutiert, auch bei doch eigentlich aktuell virulenten Themen wie dem Podium zum Thema „#MeToo als Weckruf: Mehr Frauen hinter die Kamera“. Und während das Format „Meet the Speakers“, das jetzt erstmals stattfand und die Möglichkeit bot, einzelne Podiumsteilnehmer im Anschluss an eine Veranstaltung noch im kleineren Kreis zu befragen, häufig kaum angenommen wurde, war der kleine „Media Cube“ noch häufiger deutlich zu klein.

Dennoch muss man heute, da die Media Convention gar nicht mehr so neu ist, sondern schon zum fünften Mal in der „Station“ stattfand, konstatieren, dass Elmar Giglingers Plan von 2014 aufgegangen ist. Alte und neue Medien sind tatsächlich in Berlin-Kreuzberg enger zusammengerückt. Weniger Hemd und Krawatte, mehr Hoodie – um’s mal plakativ auszudrücken. Die Republica hat auf die Media Convention abgefärbt. Und das tut der Media Convention gut.

30.05.2018 – jük/MK

Print-Ausgabe 16/2018

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