Wilfried F. Schoeller // HR

09.01.2020 •

Wilfried F. Schoeller, früherer Leiter der Abteilung „Kultur und Musik“ beim Fernsehen des Hessischen Rundfunks (HR) und Mitbegründer des ARD-Kulturmagazins „ttt – Titel, Thesen, Temperamente“, ist am 6. Januar im Alter von 78 Jahren in Berlin gestorben. Das teilte die Rundfunkanstalt am 7. Januar in Frankfurt am Main mit. Schoeller war auch Autor zahlreicher Bücher und arbeitete unter anderem als Literatur-Professor an der Universität Bremen.

HR-Intendant Manfred Krupp würdigte den Journalisten, Literaturkritiker und Autor: „Wilfried F. Schoeller war ein hochgeschätzter Kollege, der nicht nur mit seiner Erfolgssendung ‘Bücher, Bücher’ Maßstäbe setzte. Sein breites Wissen über Fachgrenzen hinaus, seine Neugier, sein tiefgründiger Humor und sein stets zugewandter Austausch mit dem Publikum waren beispielhaft.“

Der 1941 in Illertissen (Landkreis Neu-Ulm) geborene Wilfried F. Schoeller studierte in München Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie. Anschließend arbeitete er zunächst als Verlagslektor und freier Autor, bevor er 1972 als Literaturredakteur zum Hessischen Rundfunk nach Frankfurt ging. Hier wurde der promovierte Literaturwissenschaftler schnell zu einer prägenden Persönlichkeit in der Fernsehkultur, die Interviews mit allen wichtigen Zeitgenossen führte. Neben der Gesprächssendung „Wechselrede“ gehörten anspruchsvolle mehrteilige Dokumentationen über Heinrich Mann, Alfred Döblin, B. Traven, Uwe Johnson und andere zu seinen Markenzeichen.

Als Buchautor veröffentlichte Schoeller mehrere Monografien, wie zum Beispiel über Michail Bulgakow, Christian Friedrich Daniel Schubart, Franz Marc oder Ernst Litfaß. Zudem gab er das Gesamtwerk von Oskar Maria Graf heraus. Schoeller war auch Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland. An der Bremer Universität war er Honorarprofessor für die Literatur des 20. Jahrhunderts, Literaturkritik und Medien. Für seine Arbeit wurde der Vater des Fotografen Martin Schoeller und der Regisseurin Bettina Schoeller-Bouju unter anderem mit dem Grimme-Preis (Ehrende Anerkennung) und dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet.

09.01.2020 – MK

Wilfried F. Schoeller (1941-2020)

Foto: HR/Heinz J. Schlüter


Print-Ausgabe 6-7/2020

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