Ulrich Kienzle // ARD, ZDF

18.04.2020 •

Ulrich Kienzle, ZDF-Journalist und früherer Chefredakteur von Radio Bremen, ist am 16. April im Alter von 83 Jahren in Wiesbaden gestorben. Kienzle, der unter anderem beim ZDF arbeitete und dort die Hauptredaktion Außenpolitik leitete, war ein profunder Kenner des Nahen Ostens, aus dem er früher als Fernsehkorrespondent für die ARD berichtet hatte. Bevor Kienzle im Jahr 1990 zum ZDF kam und dort später zusammen mit dem Journalisten Bodo H. Hauser (1946-2004) die Moderation des Politmagazins „Frontal“ übernahm, arbeitete er für drei ARD-Landesrundfunkanstalten, neben Radio Bremen auch noch für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) und den damaligen Süddeutschen Rundfunk (SDR), einer der beiden Vorläuferanstalten des Südwestrundfunks (SWR).

ZDF-Chefredakteur Peter Frey würdigte die Verdienste des Verstorbenen: „Ulrich Kienzle war ein Top-Journalist. Er hat die Welt vor Ort in Augenschein genommen, um die Konflikte wirklich zu verstehen, über die er dann berichtet hat. Mit seiner Lust, Kante zu zeigen und mit seinem verschmitzten Humor hat er an der Seite von Bodo Hauser ZDF- und Fernsehgeschichte geschrieben.“ Radio-Bremen-Intendantin Yvette Gerner erklärte, Ulrich Kienzle sei „ein Journalist mit Herzblut“ gewesen: Er habe „nicht nur Radio Bremen durch die Entwicklung des Regionalprogramms ‘Buten und binnen‘ geprägt. Seine bissigen Kommentare werden in der deutschen Medienlandschaft fehlen“, so Gerner.

Der ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Tom Buhrow verwies darauf, dass Ulrich Kienzle als Journalist und Mensch ein Vorbild war: Er sei „geradlinig, unparteiisch, unerschrocken“ gewesen. Kienzle „wollte das ganze Bild verstehen, stellte besonders in seinen vielen Jahren als Auslandskorrespondent immer wieder die einfachen Freund-Feind-Bilder in Frage“. SWR-Intendant Kai Gniffke würdigte Ulrich Kienzle als eine Persönlichkeit, die „zu den markanten journalistischen Gesichtern im deutschen Fernsehen“ gehört habe. In den späten 1960er Jahren habe Kienzle den Magazincharakter der „Abendschau“ beim damaligen SDR „mit seiner unverwechselbaren Handschrift maßgeblich geprägt, die eine Leichtigkeit mit fundiertem Journalismus verband“, sagte Gniffke: „Ulrich Kienzles sehr gute Kenntnisse der arabischen Welt und sein stetes Bekenntnis zur schwäbischen Heimat zeichnen ihn bis heute als einen der großen Köpfe des Südwestens aus.“

Ulrich Kienzle, geboren am 9.5.1936 in Neckargröningen (Kreis Ludwigsburg), studierte Politische Wissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte in München und Tübingen. Seine journalistische Karriere begann er 1963 beim SDR in Stuttgart, wo er zunächst als Reporter das Fernsehregionalmagazin „Abendschau Baden-Württemberg“ mit aufbaute. Im Jahr 1967 war er beim Fernsehen des WDR Mitarbeiter der täglichen Magazinsendung „Zum Tage“, bevor er zum SDR zurückkehrte und dort von 1968 bis 1972 Redaktionsleiter der „Abendschau Baden-Württemberg“ war. Anschließend wurde Kienzle Redakteur und Moderator des Auslandsmagazins „Kompass“, das der SDR und der Bayerische Rundfunk (BR) seinerzeit gemeinsam für das Erste Programm der ARD produzierten.

Im Jahr 1974 ging Ulrich Kienzle für den SDR als ARD-Auslandskorrespondent für Arabien nach Beirut. Drei Jahre später wurde er für die ARD Südafrika-Korrespondent mit Sitz in Pretoria. Zum 1. August 1980 wechselte Kienzle zu Radio Bremen und übernahm dort in der Nachfolge von Gert von Paczensky (1925-2014) die Position als Fernsehchefredakteur. Dabei gestaltete er unter anderem das Regionalprogramm neu und entwickelte die Sendung „Buten un binnen“. Anfang 1990 wechselte Kienzle zum ZDF nach Mainz und wurde dort Leiter der Hauptredaktion Außenpolitik. Bei dem Sender moderierte er unter anderem das „Auslandsjournal“.

Im März 1993 übernahm Kienzle beim ZDF dann zusammen mit Bodo H. Hauser die Leitung und Moderation des wöchentlich ausgestrahlten ZDF-Politmagazins „Frontal“, bei dem Kienzle linksgerichtete Positionen vertrat, während Hauser für das politisch konservative Lager stand. Mit Kienzles Eintritt in den Ruhestand Ende 2000 wurde das Magazin eingestellt. Im April 2001 ging beim ZDF das Nachfolgeformat „Frontal 21“ auf Sendung. Ulrich Kienzle, der auch Vizepräsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft war, veröffentlichte auch mehrere Bücher, darunter „Noch Fragen Kienzle? Ja Hauser! Der offizielle deutsche Meinungsführer“ (1995) und „Küchenkabinett. Essen und Trinken bei Rechten und Linken“ (1999).

18.04.2020 – MK

Die ARD-„Tagesschau“ und auch die Nachrichtensendungen des ZDF berichteten vom Tod von Ulrich Kienzle

Foto: Screenshot


Print-Ausgabe 15/2020

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