Jürgen Engert // SFB

23.08.2021 •

Jürgen Engert, früherer Fernsehchefredakteur des damaligen Senders Freies Berlin (SFB), ist am 22. August im Alter von 85 Jahren gestorben. Patricia Schlesinger, Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), der 2003 aus der Fusion von SFB und Ostdeutschem Rundfunk (ORB) entstanden war, würdigte die Verdienste des Verstorbenen: „Jürgen Engert gehörte zu den prägenden Fernsehjournalisten der Bundesrepublik. Seine Arbeit bei ‘Kontraste’ und vor allem seine Beiträge rund um den Mauerfall und zur Wiedervereinigung Deutschlands sind im Gedächtnis des Landes verankert. Seine journalistische Arbeit ging Hand in Hand mit seinem redaktionellen Gestaltungswillen und seinen Fähigkeiten als Teamspieler. Von seiner Arbeit etwa im ARD-Hauptstadtstudio profitieren wir bis heute.“ Jürgen Engert habe sich selbst nie wichtiger als die Themen genommen, über die er berichtet habe, sagte Schlesinger: „Sein kritisches Bewusstsein und seine klaren Analysen waren uns oft Vorbild und bleiben uns Ansporn.“

Jürgen Engert wurde am 17. Januar 1936 in Dresden geboren, wo er auch aufwuchs. Weil er in der DDR nicht studieren durfte, zog er Mitte der 1950er Jahre als 19-Jähriger zu Verwandten nach München und begann dort ein Studium. Er wechselte aber bereits ein Jahr später nach West-Berlin an die Freie Universität, wo er von 1956 bis 1961 Geschichte, Germanistik und Philosophie studierte, und zwar mit Ziel, Journalist zu werden. Nach seinem Studienabschluss begann er seine berufliche Laufbahn als politischer Redakteur bei der damaligen West-Berliner Boulevardzeitung „Der Abend“.

Im Jahr 1974 wurde er Chefredakteur des Blatts; zwei Jahre später wurde er ausgezeichnet mit dem Theodor-Wolff-Preis für ein im „Abend“ veröffentlichtes Porträt über den damaligen DDR-Unterhändler Jürgen Vogel, der ein Vertrauter des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker war. Als es 1980 beim „Abend“ zu einem Eigentümerwechsel kam, verließ Engert die Zeitung, die kurze Zeit später, im Januar 1981, aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt wurde.

Nach seinem Abschied vom „Abend“ schrieb Jürgen Engert freiberuflich als Journalist über Themen der Innen- und Außenpolitik, bevor er 1983 zum Fernsehen des Senders Freies Berlin kam, um dort Hauptabteilungsleiter Politik und stellvertretender Chefredakteur zu werden. Beim SFB wurde er dann 1987 Fernsehchefredakteur. Im Jahr 1984 hatte er auch die Moderation des vom SFB produzierten ARD-Politikmagazins „Kontraste“ übernommen (das heute vom RBB verantwortet wird). Moderator von „Kontraste“ war Engert bis 1998. Er präsentierte darüber hinaus zahlreiche vom SFB verantwortete ARD-„Brennpunkte“ zu innenpolitischen Themen, insbesondere zum Mauerfall und zur deutschen Wiedervereinigung.

Beim SFB blieb Jürgen Engert bis 1997 Fernsehchefredakteur. Anfang September 1997 wurde er Gründungsdirektor für das neue ARD-Hauptstadtstudio in Berlin, das dann im Mai 1999 seinen Betrieb aufnahm. Nach knapp zwei Jahren an der Spitze des Hauptstadtstudios trat er Ende Januar 2001 in den Ruhestand. Für seine journalistische Arbeit wurde Jürgen Engert im Jahr 2002 mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet.

23.08.2021 – MK

Jürgen Engert (1936-2021)

Foto: RBB


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