Gunther Witte // WDR

20.08.2018 • Gunther Witte, früherer Dramaturg und Fernsehspielchef des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln, ist am 16. August im Alter von 82 Jahren unerwartet in Berlin gestorben. Das habe der WDR, so teilte es der öffentlich-rechtliche Sender am 20. August mit, aus dem Kreis der Familie Witte erfahren. Gunther Witte galt als Erfinder der ARD-Krimireihe „Tatort“.

WDR-Intendant Tom Buhrow wird in der Sendermitteilung zum Tod von Gunther Witte mit den Worten zitiert: „Gunther Witte war eine der herausragenden Persönlichkeiten des Fernsehspiels. Mit seiner einzigartigen Erfindung der ‘Tatort’-Reihe hat er den WDR und das deutsche Fernsehen so nachhaltig geprägt wie kaum ein anderer: Sonntag, 20.15 Uhr, ist nach wie vor ‘Tatort’-Zeit im Ersten. Das, was er geschaffen hat, bleibt und wird unsere Zuschauer weiterhin bereichern.“

Gunther Witte wurde am 26. September 1935 in der lettischen Hauptstadt Riga geboren. Bis 1961 lebte Witte in der damaligen DDR, die er dann aus politischen Gründen verließ. Ab 1962 war er als freier Mitarbeiter der Bavaria Atelier GmbH in München tätig. Im Mai 1963 ging er zum WDR nach Köln. Zunächst arbeitete er als Redakteur und Dramaturg in der Hauptabteilung Fernsehspiel, ab 1972 leitete er die Redaktionsgruppe I der WDR-Programmgruppe Fernsehspiel. Von 1979 bis 1998 war er dann verantwortlicher Leiter der Fernsehspielabteilung der größten ARD-Landesrundfunkanstalt und prägte umfassend das Filmschaffen des WDR. Das Konzept für die regional geprägte „Tatort“-Reihe im Ersten Programm entwickelte er 1969. Ein Jahr später ging mit „Taxi nach Leipzig“, produziert vom Norddeutschen Rundfunk (NDR), die erste „Tatort“-Folge auf Sendung.

In den Jahren danach war Gunther Witte, der an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin Germanistik und Theaterwissenschaft studiert hatte, an vielen weiteren wichtigen Fernsehfilmproduktionen des WDR beteiligt, als Produzent etwa an Volker Schlöndorffs Kinofilm „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ nach Heinrich Bölls Buch und an der 14-teiligen Verfilmung von Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“. Witte arbeitete mit Regisseuren wie Wolfgang Petersen („Die Konsequenz“), Peter Beauvais („Die Ratten“) und Bernhard Wicki zusammen, mit dem er auch das Drehbuch zu dessen Film „Die Eroberung der Zitadelle“ schrieb. Weitere Beispiele für von Witte verantwortete Produktionen sind „Rote Erde“, „Heimat“, „Kir Royal“ und „Wehner – Die unerzählte Geschichte“.

Verdient machte Witte sich zudem als Förderer des Doku-Dramas. In seine Zeit als Fernsehspielchef des WDR fiel auch der Start eines weiteren Dauerbrenners im Sonntagsprogramm des Ersten, der wöchentlichen Dauerserie „Lindenstraße“ (erdacht und entwickelt von Hans W. Geißendörfer). 1998 war Gunther Witte in den Ruhestand gegangen (vgl. hierzu dieses Porträt aus der FK). Im Jahr 2001 wurde er für sein Lebenswerk mit der „Besonderen Ehrung“ des Grimme-Preises ausgezeichnet. Seit 2007 war Witte Ehrenmitglied der Deutschen Filmakademie.

20.08.2018 – MK