Fernsehkritiker Fritz Wolf gestorben

12.09.2021 •

Der Fernsehkritiker Fritz Wolf ist am 29. August nach schwerer Krankheit in Düsseldorf im Alter von 74 Jahren gestorben. Kein anderer Journalist hierzulande hat sich so intensiv und systematisch wie er mit dem Dokumentarfilm und anderen dokumentarischen Formaten befasst – als Kritiker unter anderem für „epd medien“, als Autor verschiedener Studien und in den Gremien des Grimme-Preises.

Was den Dokumentarfilm angeht, war Fritz Wolf aber noch mehr als der Experte, der mehr gesehen hat als andere, er hat sich auch immer wieder exponiert engagiert für das Genre. Ausdruck dessen war auch das Blog „Wolf sieht fern“, das er seit den 2010er Jahren betrieb und sich an „Freunde des dokumentarischen Films“ richtete. Alle Dokumentarfilmer, die in Deutschland von Bedeutung sind, kennen seinen Namen und fast alle von ihnen kannte er persönlich. Fritz Wolf, der am 8. Juni 1947 in Wien geboren wurde, war ein Netzwerker avant la lettre, aber diese Nähe beeinträchtigte nie sein Urteilsvermögen als unabhängiger Kritiker und Juror. Im Bereich der dokumentarischen Formate hatte er noch einmal ein besonderes Augenmerk auf Filme zu zeitgeschichtlichen Themen – und in diesem Subgenre wiederum waren Filme über die NS-Zeit für ihn noch einmal ein besonderes Spezialgebiet.

Für seine Expertise im Bereich dokumentarischen Fernsehens stehen Studien wie „Alles Doku – oder was?“ (2003) und „Trends und Perspektiven für die dokumentarische Form im Fernsehen“ (2005). Der Titel „Alles Doku – oder was?“ ist, obwohl ja nun schon fast zwei Jahrzehnte alt, unvermindert aktuell – zum Beispiel weil, was Wolf sehr ärgerte, immer noch viele Journalisten den Unterschied zwischen einem Dokumentarfilm und einer TV-Dokumentation nicht zu kennen scheinen. Zuletzt erschien 2019 im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) die von Fritz Wolf erstellte Untersuchung „Deutschland – Doku-Land“. Eine Studie, die deutlich machte, in welchem Ausmaß das öffentlich-rechtliche Fernsehen den langen Dokumentarfilm vernachlässigt und was auf dem sehr weiten Feld der TV-Dokumentationen im Argen liegt.

Ein Faible hatte Fritz Wolf auch für Kulturfernsehen und in Diskussionen darüber merkte man, dass er jenseits der Medienkritik noch andere Spezialgebiete hatte. Von 1979 bis 1989 war er Kulturredakteur bei der „Deutschen Volkszeitung“, einem Vorgängerblatt der Wochenzeitung „Der Freitag“. Von 2000 bis 2002 war er Literaturredakteur bei „Galerie“, einer Wochenendbeilage der Wirtschaftstageszeitung „Handelsblatt“. Fritz Wolf bedauerte es sehr, dass es auf dem Feld der Kulturdokumentationen zu viel schablonenhafte Filme gibt, und Filme über Künstler oder ein kulturelles Phänomen, denen man anmerkte, dass die Autoren kein allzu großes Interesse an ihrem Gegenstand hatten, verstimmten ihn, der von seinem Wesen her ein zugeneigter Mensch war, dessen Wiener Witz und Esprit allseits geschätzt wurden. Eine Studie zum Thema Kulturfernsehen, die die Otto-Brenner-Stiftung bei ihm in Auftrag gegeben hatte, hat er nicht mehr vollenden können. Wie wichtig sie ihm war, machte er wenige Wochen vor seinem Tod deutlich. Er hoffe stark, sagte er, dass nun andere seine Vorarbeiten umsetzen.

12.09.2021 – René Martens/MK

Fritz Wolf (1947-2021)

Foto: Franziska Senkel


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