Ehemaliger BR-Intendant Albert Scharf gestorben

02.10.2021 •

Albert Scharf, ehemaliger Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR) in München, ist am 25. September im Alter von 86 Jahren gestorben. Scharf war von März 1990 bis  Dezember 2001 Intendant des Bayerischen Rundfunks, bei dem er zuvor Juristischer Direktor gewesen war. Von 1983 bis 2000 und damit 18 Jahre lang war der Jurist außerdem Präsident der europäischen Rundfunkunion EBU.

In den Jahren 1995 und 1996 war Albert Scharf zusätzlich ARD-Vorsitzender und musste sich in dieser Zeit mit Plänen der Ministerpräsidenten von Bayern und Sachsen, Edmund Stoiber (CSU) und Kurt Biedenkopf (CDU), auseinandersetzen, die damals eine grundlegende Strukturreform bei der ARD einforderten und dabei auch einen Verzicht auf das Gemeinschaftsprogramm Erstes Deutsches Fernsehen ins Spiel brachten.

Scharfs Devise als BR-Intendant lautete: „Man muss uns unterscheiden können. Wir machen ein Programm, das man anderswo nicht findet.“ In seine Amtszeit als Intendant fielen im Mai 1991 der Start von B5 aktuell, damals der erste öffentlich-rechtliche Hörfunk-Nachrichtenkanal, der heute BR 24 heißt, und im Januar 1998 die Inbetriebnahme des Fernsehbildungsprogramms BR-alpha (heute: ARD-alpha). In Scharfs Intendantenzeit wurde beim Bayerischen Rundfunk 1995 mit br-online.de auch ein eigenes Internet-Angebot des öffentlich-rechtlichen Senders eingeführt.

BR-Intendantin Katja Wildermuth würdigte die Verdienste des Verstorbenen: „Albert Scharf war ein Visionär. Er hat in seiner Zeit als Intendant Weitsicht und Mut bewiesen und führte den Bayerischen Rundfunk auf einen neuen Weg. Sein Ziel war es immer, dem BR ein unverwechselbares Profil zu verschaffen und dabei für eine breite Öffentlichkeit attraktiv und wichtig zu sein – ein Ziel, das unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag entspricht und das wir mit aller Kraft weiterverfolgen.“

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nannte Albert Scharf einen „echten Medienfachmann und Antreiber des modernen Rundfunks“. Unter Scharfs Leitung habe der Bayerische Rundfunk neue Informations- und Bildungsangebote in Hörfunk und Fernsehen sowie die ersten Internet-Seiten gestartet, sagte Söder: „Heute gehören all diese Angebote zur DNA des Senders. Auch auf europäischer Ebene engagierte sich Albert Scharf mit großer Leidenschaft für den Rundfunk. Er handelte visionär, regional und weltoffen. Das macht Bayern aus. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“

Albert Scharf wurde am 26. Dezember 1934 in München geboren. Er studierte Rechtswissenschaften, Geschichte und Philosophie in München und begann anschließend seine berufliche Laufbahn im bayerischen Finanzministerium. Dort arbeitete er vier Jahre lang, bevor er 1966 zum Bayerischen Rundfunks kam. Der damalige BR-Intendant Christian Wallenreiter berief den 32-jährigen Scharf seinerzeit zum Juristischen Direktor der Rundfunkanstalt. Von 1973 bis 1990 war Scharf zusätzlich Stellvertreter des BR-Intendanten Reinhold Vöth. Im Jahr 1990 übernahm Scharf dann in der Nachfolge von Vöth das Intendantenamt beim Bayerischen Rundfunk.

Albert Scharf war darüber hinaus von 1996 bis 2003 auch Präsident der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München. Im Jahr 2006 ernannte Papst Benedikt XVI. den bekennenden Christen und engagierten Katholiken zum Berater des Vatikanischen Medienrats. Von Papst Johannes Paul II. war Albert Scharf für seine Verdienste um die römisch-katholische Kirche mit dem Komturkreuz mit Stern des Gregoriusordens ausgezeichnet worden. Scharf erhielt 1978 den Bayerischen Verdienstorden und 2005 das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

02.10.2021 – MK

Albert Scharf (1934-2021)

Foto: Screenshot


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