Von „Golem“ zu „Her“

Thema Medienevolution: Künstliche Intelligenz und Robotik in der Filmgeschichte

Von Rüdiger Suchsland

23.10.2018 • Zum sechsten Mal hat die MK am 5. Oktober 2018 anlässlich der „Cologne Futures“, der jährlichen Tagung zum Thema „Medien- und Technikevolution“, ein Sonderheft veröffentlicht, in dem die Tagungsvorträge des Vorjahres abgedruckt sind. Im Folgenden veröffentlichen wir dazu auch online den filmgeschichtlichen Vortrag von Rüdiger Suchsland, den er am 6. Oktober bei den „Cologne Futures 2017“ gehalten hat. (Weiteres zum MK-Sonderheft siehe am Ende dieses Artikels.) • MK

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Ich möchte gerne mit einem Lob der Science-Fiction beginnen, das auch ein bisschen erklären wird, warum das Thema hier bei einer Veranstaltung, die eigentlich der ernsten und der tatsächlichen Künstlichen Intelligenz (KI) gilt, etwas zu suchen hat. Wer die heutige Cyber-Kultur verstehen möchte, wer die heutige globale Netzkultur, vielleicht auch das, was digitale Modernisierung genannt werden kann, wer das verstehen möchte, muss kennen, wovon die Leute, die das machen, sich anregen lassen.

Ich habe den dringenden Verdacht, dass die das nicht zuletzt auch aus der Science-Fiction-Literatur und aus Science-Fiction-Filmen beziehen. Das heißt: Die Visionen, die die Macher haben, die müssen irgendwo herkommen und die kommen natürlich aus der Poesie. Es gibt keine Realität, an der man das abgleichen kann. Die Träume, also die Vorstellung im guten Sinn – utopisch – oder dystopisch. Das ist sehr wichtig. Für die Erfinder sind Science-Fiction-Filme und Science-Fiction-Literatur eine Inspirationsquelle – ähnlich wie das auch wissenschaftliche und technische Publikationen sind. Außerdem ist ein ausgeprägtes ästhetisches Empfinden auch bei diesen Machern, bei diesen Kreativen wichtig.

Wir stellen uns den Menschen als Maschine vor

Insofern muss man sagen, dass es auch um die Wechselwirkungen geht – zwischen den Träumen der Erfinder, ihren Ängsten vielleicht, den Problemen, die sie lösen wollen, und den Träumen, Ängsten, Problemen der Menschen, die als Publikum der Filme zur Gesellschaft gehören, die als Konsumenten von Waren, als Käufer von Kinokarten, dann auch als Wähler eine Rolle spielen.

Wir müssen hier zunächst von Hollywood reden. Denn es gibt natürlich historisch ein paar deutsche Filme zum Thema, aber so richtig viel Neues ist mir da nicht eingefallen, jedenfalls nichts, was nicht einfach nur irgendwas nachmacht. Es gibt schon andere Science-Fiction-Filme, die sind auch interessant aus Deutschland und aus Europa; aber jetzt zum Thema Roboter, Androiden, Künstliche Intelligenz gibt es vor allem Filme aus Hollywood. Da finden wir wirklich das, was Peter Sloterdijk eine mythopoetische Produktion nennt. Die Bilder und die Phantasien unserer eigenen Zukunft werden in diesen Filmen vorformuliert. So wird auch erprobt, wie die Leute darauf reagieren.

Trotzdem müssten wir kurz in die Geschichte zurückgehen. Es gibt zumindest einen Einfall, der immer noch ziemlich wichtig ist dafür, wie wir über diese Roboter bzw. Androiden denken. Der Franzose Julien Offray de La Mettrie hat das Buch geschrieben „L’Homme Machine“ (1748), also „Der Maschinenmann“ oder „Der Maschinenmensch“. Diese Idee, dass man den Menschen als Maschine sieht, das ist nicht die Idee, dass man eine Maschine konstruiert – die hat es dann auch gegeben –, sondern es ist die Idee: Wir stellen uns den Menschen als Maschine vor. Die ist ganz wichtig für diese ganze Diskussion, denn was wir erleben werden, das ist in den Filmen, dass wir eine Wechselwirkung haben, zwischen dem Menschlichen und dem Maschinellen. So wie sich vielleicht die Maschinen in einigen dieser Filme wünschen, Menschen zu sein oder etwas Menschliches zu haben – so Maschinen etwas wünschen können –, so wünschen sich vielleicht manche Menschen auch, wie Maschinen zu sein, nämlich diese Perfektion, diese Härte auch, diese Unverwundbarkeit zu haben, diese permanente Verbesserung.

Auch die Idee einer unendlichen Selbstverbesserung ist aus dem 18. Jahrhundert zur Zeit von La Mettrie, zur Zeit der Aufklärung. La Mettrie hat sich davon eine Befreiung des Menschen versprochen, der bürgerlich als Individuum von Standesschranken und diversen anderen Schranken eingegrenzt war, eine Befreiung, eine Emanzipation vom Naturzusammenhang und seinen gesellschaftlichen Entsprechungen. Das heißt, diese Idee der Emanzipation vom Naturzusammenhang, die ist, glaube ich, eine, die in diesen Roboterbildern, diesen Maschinenmenschenbildern sehr wichtig ist.

Ähnlich ist es auch in unserer Zeit formuliert worden – oder auch schon wieder vor 30 Jahren, nämlich in dem berühmten „Cyborg-Manifest“ von Donna Haraway, wo sie geschrieben hat: „Die entscheidenden Werkzeuge, die unsere Körper auf neue Weise herstellen, sind die Kommunikations- und Biotechnologie.“ Sie hat sich davon eine Befreiung des Menschen, eine neue Definition des Menschen zum Nichtidentitären und gegen essentialistische Identitätsvorstellungen versprochen. Das ist etwas, worüber wir nachher dann und überhaupt heute reden sollten.

Der typisch verrückte Wissenschaftler

Zum Kino selbst kann man sagen, dass, seit es das Kino gibt, die Idee des künstlichen Lebens immer dazugehört. Das Kino selbst ist eine Art künstliches Leben und versucht immer, die Variablen des tatsächlich Existierenden auf der Leinwand auszubreiten. Das geschah dann schon ziemlich früh. Und man kann von La Mettries „Maschinenmenschen“ dann zum „Frankenstein“-Film kommen. Sie wissen sicherlich, dass Frankenstein der Arzt ist und nicht das Monster, wie viele Leute glauben. Ursprünglich war dieser Frankenstein ja eine literarische Figur aus der Romantik, aus dem mit diesem Namen betitelten Roman, der interessanterweise von einer Frau geschrieben wurde, Mary Shelley. Man kann eine Linie ziehen von diesem „Frankenstein“-Stoff hin zum Golem. Der Golem ist ein mittelalterlicher jüdischer Mythos. Es ist eigentlich kein Roboter, kein Maschinenmensch; vielleicht ist es aber eine künstliche Intelligenz, in dem Sinn, dass es ein aus Lehm geformtes Wesen ist, das dann beseelt wird. Der Begriff der Seele – ich weiß nicht, ob er bei der künstlichen Intelligenz auftaucht, aber bei der Philosophie kommt er immer wieder zurück, um vielleicht das zu beschreiben, was den Menschen dann wirklich von den Maschinen unterscheidet.

Der Golem ist jedenfalls jemand, der zum Leben erweckt wird, ein künstlicher Mensch aus Lehm, der Unheil abwendet, der sich aber dann verselbständigt und von einem kleinen unschuldigen Kind gestoppt werden kann. Ich spreche von Paul Wegeners Film „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920). Ich weiß nicht, ob den irgendjemand hier kennt. Paul Wegener war auch Schauspieler. Er hat jedenfalls drei eigene Golem-Filme gemacht und dann gab es noch mehr andere. Dies ist der Berühmteste, aber es ist kein richtiger Maschinenmensch.

Der richtige Maschinenmensch, der bis heute das Muster für sehr viele Figuren, die wir von der Leinwand her kennen, bietet, das ist natürlich die Frau aus „Metropolis“, aus Fritz Langs Film von 1927. Sie wird von einem mad scientist gebaut, einem typischen verrückten Wissenschaftler, der damit aber auch gleich etwas erreichen will. Er liefert diese Maschine sofort einem industriellen Fürsten, und zwar um die Arbeiter zum Maschinensturm aufzuhetzen. Das ist die Idee einer Maschine, die besser ist als die Maschinen und die sich dann gegen sie richtet, die sie in einer gewissen Weise selber auch in Maschinen verwandelt – nämlich in einen somnambulen Taumel versetzt. An dieser „Metropolis“-Figur, einer Frau mit einem metallischen Körper, dieser falschen Maria, an dieser Figur und überhaupt dem Film „Metropolis“ mit seinen Zukunftsentwürfen haben sich Generationen von Filmemachern bedient, insbesondere auch Ridley Scott mit „Blade Runner“ (1982). Und auch da spielt bereits die Frage eine wichtige Rolle, ob Roboter eigentlich eine Seele haben.

„Hal 9000“, der vielleicht unübertroffene Computer aller Filme

Wir müssen jetzt einen großen Sprung machen, denn ich glaube, dass eigentlich in den letzten 40 Jahren die entscheidenden Beiträge zum Thema kommen. Ganz klar „2001: A Space Odyssey“ aus dem Jahr 1968 – das ist bis heute in der Zeichnung einer künstlichen Intelligenz, die sich mit Menschen streitet, die den Menschen auch ebenbürtig ist, vielleicht ein unübertroffener Film. Der Computer Hal 9000 in Stanley Kubricks „2001: A Space Odyssey“. Und hier können wir den ersten Filmausschnitt zeigen.

[Rüdiger Suchsland zeigt einen entscheidenden Mensch-Maschine-Dialog aus „2001: A Space Odyssey“. Der Astronaut Dave Bowman verlangt nach einem Raumspaziergang vom Bordcomputer, wieder auf das Schiff gelassen zu werden. Hal 9000 lehnt das mit den Worten ab: „This mission is too important for me to allow you to jeopardize it.“ Der Computer hatte bereits zuvor mittels Lippenlesens erfahren, dass die Menschen an Bord des Raumschiffs planen, ihn abzuschalten.]

Vielleicht ist das der unübertroffene Computer aller Filme, die unübertroffene künstliche Intelligenz. Sie ist eine harte, lakonische und No-Nonsense-Intelligenz. Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass Hal gefühllos ist, aber er wirkt zumindest auf die Menschen im Raumschiff gefühllos. Was dann in dem Film passiert, ist, dass sie es dann doch irgendwie schaffen, diesen Computer schachmatt zu setzen. Interessanterweise, indem eine sogenannte Lobotomie durchgeführt wird. Es gibt ein Elektronengehirn, in das man eindringen kann, und dann jedenfalls hat Hal Gefühle. Er will nämlich nicht sterben. Er fleht um Gnade und er stimmt, um das Mitleid der Menschen zu erregen, ein Kinderlied an. In der deutschen Version wurde „Hänschen klein“ gewählt. Im englischsprachigen Original ist es ein Kinderlied, das „Daisy“ heißt, das, glaube ich, ähnlich bekannt ist wie „Hänschen klein“.

Jedenfalls ist dies der Computer, der alle Ängste, die Menschen vielleicht gegenüber der künstlichen Intelligenz hatten, zusammengefasst hat, nämlich ein Computer, der sich selbständig macht, der eigene Entscheidungen trifft und der diese Entscheidungen gegen die Menschen richtet. Später in den „Terminator“-Filmen hieß das dann „Der Aufstand der Maschinen – The Rise of the Machines“. In „2001: A Space Odyssey“ erleben wir das eigentlich schon und Stanley Kubrick hat damit genau das gemacht, was er machen wollte. Gleichzeitig wissen wir, dass er mit dieser Figur insofern unzufrieden war, als dies nur die eine Seite war, die er von der künstlichen Intelligenz erzählen wollte. Er hat eigentlich seit der Fertigstellung dieses Films an einem anderen Projekt gearbeitet. Nach seinem Tod – Kubrick hat dieses Projekt bis dahin nicht filmisch realisiert, weil er dachte, es funktioniert technisch nicht –, hat Steven Spielberg es fertiggestellt: „A.I. – Artificial Intelligence“ (2001).

Nach „2001: A Space Odyssey“ gab es in den 1970er Jahren einige Filme, die dieses Thema variiert haben. Was ihnen im Gedächtnis bleiben muss, ist in jedem Fall „Westworld“ – diesen Film kennen hoffentlich auch einige – von Michael Crichton. Der Film, der aus dem Jahr 1973 stammt, spielt in einem Vergnügungspark, wo Androiden, also menschliche Roboter, menschenähnliche Roboter, menschengleiche fast schon, die Menschen unterhalten. Man kann dann in einer Western-Stadt Cowboy spielen und theoretisch die Androiden erschießen. Was dann passiert, ist, dass sie sich selbständig machen und zurückschießen. Sie sind also die radikalere, gröbere Variante von Hal.

Ungefähr zur gleichen Zeit wie „2001“ gibt es interessanterweise diesen Film, den ich nur unter dem deutschen Titel „Spion in Spitzenhöschen“ kenne, wo Doris Day es mit so einem Hausmeister- oder Putzmann-Computer, das ist ein männlicher Roboter, zu tun hat, der aber allen möglichen Quatsch macht und der nicht richtig funktioniert und der Müll läuft aus und das ist eigentlich genau das, was Vincent C. Müller vorhin in seinem Vortrag skizziert hat [vgl. den Text in diesem Heft]. Die Arbeit im Haushalt ist also so derart komplex. Vielleicht kann man ein Raumschiff steuern, aber man kann in der Wohnung nicht saubermachen. Das ist im Grunde eine Popularisierung dieser Angst vor dem Computer oder auch das schmunzelnde Einverständnis: Wir brauchen solche Roboter nicht zu Hause bei uns.

Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Nach „2001“ ist der nächste wirklich bahnbrechende Film „Blade Runner“. Es geht in „Blade Runner“ um Replikanten. Replikant ist ein anderes Wort für Android, für menschenähnliche oder vom Menschen kaum unterscheidbare Maschinen. Sie sind den Menschen so ähnlich, dass sie selber beginnen, sich mit ihnen zu verwechseln, und dass sie selber manchmal nicht genau wissen, was sie denn sind. Denn Replikanten haben künstliche Erinnerungen, sie haben Träume, sie haben Sex, sie haben auch mit Menschen Sex. Sie sind gleichzeitig perfekte Arbeitssklaven, also genau dieses Traum- und für manchen auch Albtraumbild seit den ersten Ideen zu Maschinenmenschen.

Jetzt wissen wir, dass es die Vorlage dafür von dem Science-Fiction-Autor Philip K. Dick gibt – der gestorben ist, bevor der erste „Blade-Runner“-Film veröffentlicht wurde, und diese Vorlage, sie heißt „Do Androids Dream of Electric Sheep?“, also: Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Natürlich kann man an diesen Titel einige Fragen stellen und dazu inspiriert „Blade Runner“. Man kann fragen: Soll man eigentlich das Wort „elektrisch“ betonen? Hierbei geht es eher darum, dass sie vielleicht von echten Schafen träumen sollten. Oder sollte man die Schafe betonen? Ich glaube, man müsste eigentlich die Frage stellen: Träumen sie überhaupt? Träumen solche Maschinenmenschen, solche Replikanten überhaupt? Warum sollten sie das tun? Sie müssen so programmiert worden sein. Das heißt, der Film setzt unter anderem voraus, dass wenn man Androiden programmieren möchte, die dem Menschen möglichst ähnlich werden, dass wir ihnen dann noch eine Psyche geben müssen und ein Unterbewusstes und dass man das in irgendeiner Form programmieren kann, denn nur dann kann es zu Träumen kommen.

Und dann ist die Frage, ob sie überhaupt menschenähnlich funktionieren, wenn sie wissen, dass sie ja keine Menschen sind. Das Problem bei der Figur Deckard, der Harrison-Ford-Figur im ersten „Blade Runner“, ist, dass sie genau das nicht weiß. Und dann hat Regisseur Ridley Scott noch für zusätzliche Verwirrung gesorgt, indem er mehrere Versionen gemacht hat: einen Director’s Cut, einen Final Cut – und vor allem im Director’s Cut wird nahegelegt, dass Deckard eigentlich selber eine Maschine ist, während er sonst wohl ein Mensch sein könnte.

Dann muss man auch wissen, dass dieser Name nicht unwichtig ist. Deckard erinnert an Descartes, den Philosophen des modernen Subjektbewusstseins – „Cogito ergo sum“. Und in diesem Zusammenhang ist es interessant, wenn wir auf den neuen Film „Blade Runner 2049“ (aus dem Jahr 2017) blicken, dass die Figur da nämlich auch einen Namen hat, da gibt es wieder einen Detektiv. Im Grunde schließt der neue Film von Denis Villeneuve 30 Jahre später an Ridley Scotts Film an. Dieser neue „Blade Runner“ muss aus verschiedenen Gründen den alten „Blade Runner“ finden. Er bekommt raus, dass der noch existiert, der Deckard. Dieser neue „Blade Runner“ ist in jedem Fall eine Maschine, das wird von Anfang an klar gesagt. Der neue Film ist ziemlich gut, aber er ist dann doch schlechter – scheint mir – als der erste „Blade Runner“, weil er einige Sachen vereindeutigt, die der ursprüngliche Film von Ridley Scott zuvor noch ganz offen gehalten hatte. Hier wissen wir also: Wir haben es mit einer Maschine zu tun, die aber weint.

Das gehört schon zu dem neueren, wenn man so will postmodernen Kitsch der Maschinen, dass Maschinen nämlich weinen können, also dass sie wirkliche Gefühle haben und dass wir entsprechend auch, wenn jemand weint, Mitleid mit der Maschine haben müssen. Der Name dieser Maschine ist ebenfalls interessant. Es ist nämlich K. Er sagt sogar einmal: „My name is Joe.“ Und dann kann man schon an Josef K. denken, Kafka, „Der Prozess“. Die Frage ist, was das eigentlich genau sagt. Allemal wird dieser Figur hier der Prozess gemacht. Allemal ist sie zunehmend unsicher, fragt sich nach der eigenen Identität, will eigentlich etwas haben, was Menschen haben – nämlich Erinnerungen. Nun hat dieser perfekte Android Erinnerung.

Wie weit bestimmt das Maschinesein das Bewusstsein?

Er bekommt jedoch mit, dass die Erinnerungen nicht stimmen, sondern dass die künstlich eingepflanzt wurden. Das heißt: beide „Blade-Runner“-Filme stellen die Frage danach, was eigentlich den Menschen ausmacht, indem sie diese Frage anhand einer Maschine thematisieren, und sie beantworten die Frage ein bisschen damit, dass sie sagen: Die Erinnerungen machen einen Menschen aus. Es stellt sich auch die Frage, ob Fortpflanzung das ist, was den Menschen ausmacht. Man würde spontan sagen: Ja. Aber eine weitere Pointe in dem neuen Film ist, dass offenbar Maschinen sich auch fortpflanzen können, jedenfalls wird diese Möglichkeit in den Raum gestellt. Und das darf man sich nicht biologisch vorstellen, sondern maschinell. Ich würde zum Beispiel gerne von den realen KI-Experten erfahren, ob das nur eine Spinnerei von Science-Fiction-Autoren ist oder ob es denkbar ist, dass Maschinen neue Maschinen bauen und dass sie neue Maschinen programmieren. Es hat ja neulich auf Facebook diese Nachricht gegeben, dass offenbar künstliche Facebook-Identitäten miteinander gechattet und dann eine eigene Programmiersprache entwickelt haben, die nicht mehr geknackt werden konnte – diese Identitäten haben sich also gewissermaßen autonom gemacht von den Programmierern. Das wäre dann vielleicht einer der entscheidenden Schritte zum immer in der Science-Fiction befürchteten Aufstand der Maschinen.

Die Frage ist, wie weit das Maschinesein das Bewusstsein bestimmt oder woher es eigentlich kommt, dass Science-Fiction immer glaubt: Maschinen wollen wie Menschen sein. Die möchten eigentlich Gefühle haben, die möchten eigentlich träumen können, sie möchten lieben können. Es ist eine Ironie bei „Blade Runner“ und auch beim neuen „Blade Runner 2049“, dass die Filme jeweils eine Zukunft vorhersagen, in der die Menschen sich selber abhandenkommen und gar nicht mehr so menschlich sind, sondern ziemlich automatisiert und maschinenähnlich wirken. Sie verlieren ihren Glauben, den Glauben an sich selbst, den Glauben an eine eigene Zukunft und an Utopien, sie leben nur noch so dahin, in ziemlich bedauernswerten Verhältnissen, und stellen sich selber in Frage. Sie verlieren auch den religiösen oder philosophischen Glauben oder den politisch-ideologischen Glauben, während neue und immer weiter verbesserte Maschinen sehr genau wissen, was sie eigentlich wollen: Sie wollen Menschen sein und sie wollen menschlich sein. Also werden die Maschinen, die Replikanten zu einer Art moralischem Vorbild für die Menschen in diesen Filmen.

Wenn wir in der Geschichte dieser verschiedenen Figuren, der Androiden, der Roboter, der künstlichen Intelligenz, weitergehen, dann kommen wir auf eine weitere Variante: den klassischen Cyborg. Das ist die Vermischung von Mensch und Maschine, wo man sagen kann, da sind die Maschinen immer nur Prothesen, aber sie übernehmen die Macht. Der Film schlechthin dafür ist „RoboCop“ (1987). Es gab davon mehrere Fortsetzungen und Remakes, aber ich rede jetzt einmal nur vom ersten, der von Paul Verhoeven stammt.

Roboter, die die Arbeit der Polizei ergänzen

Die Geschichte ist, dass in Amerika über eine Roboterpolizei diskutiert wird, also dass man Roboter baut, die die Arbeit der Polizei zunächst ergänzen, dann aber vor allem ersetzen sollen, möglicherweise auch ersetzen können. Die Hauptfigur ist sehr dagegen, aber ausgerechnet ihr geschieht es als perverse moralische Lektion, dass sie so schwer verletzt wird oder eigentlich klinisch tot ist, dass sie verstümmelt wird und im Krankenhaus nur noch mit Automaten am Leben erhalten werden kann. Und dann führt man an diesem Menschen ein Experiment durch: Man baut ihn um, mittels Megaprothesen, es bleibt fast nichts mehr übrig von seinem Körper außer seinem Gehirn, aber der ganze Leib ist metallen und eben robotisch.

Wir haben also insofern das reine Über-Ich erhalten und alles andere, der Körper, das Subjektive, auch die Erfahrung fehlen – es werden ihm seine Erinnerungen geraubt. Er weiß nicht mehr, wer ist. Er weiß nur noch, er ist „RoboCop“ und er ist insofern der idealtypische perfekte amerikanische Cop mit entsprechend faschistoiden Zügen, weil er überhaupt keine Subjektivität, überhaupt kein Gefühl, keine Empathie mehr hat. Allerdings passiert es dann, weil er halt so ein perfekter Computer ist, dass sich schließlich das Maschinelle gegen das Maschinelle wendet. Er forscht nämlich in einer Polizeidatenbank und dort erfährt er, wer er einmal war. Er findet seine eigene Akte und fährt daraufhin zu seinem eigenen Haus, seinem alten Haus, und sieht seine Familie und dann tauchen Erinnerungen an das Familienleben auf.

Man kann nun sagen, wenn man Technikoptimist ist: Diese Technik funktioniert noch nicht gut genug. Die muss man besser machen. Wenn man Technikpessimist ist, dann muss man wiederum sagen: Das kann gar nicht funktionieren. Solche Fehler werden immer wieder vorkommen und dementsprechend ist diese ganze Idee des „RoboCops“ ohnehin eine idiotische Idee. Sie ist es natürlich auch in anderer Hinsicht, weil das ein brutaler Cop ist, der lange Zeit zwar die Gesetze korrekt anwendet, das aber in einer Weise, die dem tieferen Sinn dieser Gesetze zuwiderlaufen. Insofern zeigt „RoboCop“ eine Pervertierung der Idee staatlicher Gewalt – von Paul Verhoeven kritisch gemeint.

Abgesehen davon gibt’s auch noch viel Kapitalismuskritik in dem Film. Ich hoffe mal, dass einige von ihnen den Film kennen, man kann ihn in jedem Fall empfehlen – ebenso wie „Terminator“ (erstmals 1984). Wir haben in den verschiedenen „Terminator“-Filmen diese grundsätzliche Idee, dass es den Aufstand der Maschinen gibt, die dann einen Weltkrieg entfesseln, einen atomaren Krieg und entsprechend die Erde zerstören. Und dann werden Maschinen – wie der „Terminator“ – gegen Maschinen eingesetzt. Wir haben hier eigentlich zum ersten Mal diese Idee vorweggenommen, dass man einen Krieg nicht mehr mit realen Soldaten, sondern mit Maschinensoldaten führt.

Telefonsex mit Scarlett Johansson

Wir haben in „Terminator 2“ (1991), dem besten Film dieser Reihe, aber auch die Vorstellung, dass hier ein Roboter, der Terminator, den Schwarzenegger spielt, eingesetzt wird, um das Menschliche zu schützen, um das Fortbestehen der Menschheit zu sichern. Er ist eine Art übermenschlicher Sklave, der viel stärker ist, viel mehr Fähigkeiten hat als jeder Mensch, der aber gleichzeitig gerade deswegen der perfekte Sklave und Diener ist, der auch noch ein Kind schützt – eine Art Messias –, und weil der, der da geschützt wird, John Connor, derjenige ist, der die Menschheit in der Zukunft retten wird.

Wir kommen also immer wieder auf die Kinder, die zu schützen sind, auf das Kind und auf vermeintlich sozial schwächere Figuren als diejenigen, die in irgendeiner Form mit Computern oder mit Robotern agieren. In „A.I. – Artificial Intelligence“, also in dem von Steven Spielberg verfilmten Drehbuch von Stanley Kubrick, geht es auch vor allem um ein Kind; dieses Kind allerdings, ist dann eben die Maschine. Das heißt, wir haben hier eine Maschine, die unschuldig ist, die verletzlich ist, die unter anderem von Menschen geschützt werden muss. Und wir haben eine Maschine, die auch sieht, wie brutal die Menschen mit Maschinen umgehen.

Es gibt in dem Film eine Szene in einem Vergnügungspark, wo allerlei Roboter verschrottet werden, die nichts zählen, und wo es – sozusagen – zu einer Art Massaker an Maschinen kommt. Der kleine Junge, der David heißt und die Hauptfigur des Films ist, sieht das und ist entsprechend erschrocken. Er ist am Anfang neugierig und naiv und offen der Welt gegenüber, stellt sich dann mehr und mehr in Frage, kommt mehr und mehr in Selbstzweifel. Der Film zeigt ein, wenn man so will, denkendes Selbstverhältnis des Computers zu sich selbst. Er zeigt eine Maschine, die die ganze Zeit mit sich selber kommuniziert, die die Mutter sucht und die Mutter nicht finden kann, weil es sie nicht gibt, der dann Erinnerungen vorgespielt werden und die im Grunde diese falschen Erinnerungen, auch wenn die Maschine sie als falsche erkannt hat, wählt, annimmt und sich entscheidet, noch einmal den schönsten Tag im Leben mit der Mutter zu erleben, obwohl klar ist, dass diese Erinnerung gar nicht existiert, sondern dass sie eine Illusion ist, die implantiert wurde. Dann stirbt dieser Android, dieser Roboter. Im aktuellen Kino werden diese Roboter-, diese Maschinenmenschenfiguren dann mehr und mehr wieder weiblicher. Es gibt dafür zumindest zwei ganz gute Beispiele. Das eine ist „Her“ von Spike Jonze, das andere ist „Ex Machina“ von Alex Garland.

In „Her“ (2013) spielt Joaquin Phoenix einen Menschen, der gerade in Scheidung lebt und der ein perfektes Betriebssystem bekommt, das mit ihm mit einer weiblichen Stimme kommuniziert. Im Kino ist es im amerikanischen Original die Stimme von Scarlett Johansson und es gibt dann Telefonsex – oder wie soll man das nennen? –, Computersex, Wortsex. Sie ist sowieso schon von Anfang an ziemlich übergriffig, aber dabei sehr sympathisch – und dann ist es noch die Stimme von Scarlett Johansson. Eine der ersten Fragen, die sie ihm stellt, als sie auf seinen Computer geladen wird, ist: „You mind, if I look through your harddrive?“ Sie macht eigentlich genau das, was wir normalerweise den Konzernen unterstellen. Sie ist, wenn man so will, eine sympathische und sexy Variante dieses Spionage- und Überwachungswillens, den wir wahlweise Konzernen oder Regierungen zuordnen. Das heißt, sie geht durch die E-Mails, sie liest ganz schnell seine Bücher, um zu wissen, wie er denkt, um sich perfekt auf ihn einstellen zu können und um sozusagen eine perfekte Freundin sein zu können.

[Rüdiger Suchsland zeigt eine Szene aus „Her“. Theodore, gespielt von Joaquin Phoenix, spricht mit seiner Ex-Frau. Während des Gesprächs schwärmt er von seiner neuen Partnerin – seinem Betriebssystem Samantha. Seine Ex-Frau wirft ihm vor, mit menschlichen Emotionen, mit der Realität nicht umgehen zu können.]

Wir haben hier einen Computer als privates Wohlfühlinstrument, als perfekten Partner, der nicht stört. Solche Figuren gibt es auch im neuen „Blade Runner“ – in dem alten waren sie noch nicht so perfekt. Auch das sind Träume, die immer schon zur Entwicklung künstlicher Intelligenz gehörten, dass man eigentlich nicht künstliche Intelligenz hat, sondern künstliche Emotionalität, perfekte Emotionalität. Oder auch künstliche Körper, die dann perfekte Sexspielzeuge werden. Interessant ist, dass dieser Computer namens Samantha in dem Film selber Gefühle entwickelt. Es gibt Beziehungsprobleme zwischen ihr und Theodore. In einem ganz bestimmten Sinn ist vielleicht die Pointe des Films, dass man in der Alltäglichkeit landet, dass also auch der perfekte Computer nicht so perfekt ist und dass sich das, was man in wahrscheinlich jeder normalen Beziehung als Ernüchterung kennt, dass sich das auch in der Beziehung zum Computerwesen einstellen kann.

Und schließlich wendet sich der Roboter gegen seinen Schöpfer

Ein anderes Beispiel ist der Film „Ex Machina“ (2015) – fast ein Kammerspiel, aber ein sehr interessanter, intelligenter Film. Da wird ein junger Computer-Nerd in das Haus eines Millionärs gerufen, der an Robotern arbeitet, und zwar an möglichst perfekten. Der Nerd soll eigentlich Tests durchführen – angefangen mit einem Turing-Test. Er stellt der Roboterfrau, gespielt von Alicia Vikander, allerlei Fragen und sie soll auf diese Fragen antworten. Dabei wird der fragende Computerexperte von dem Millionär beobachtet. Und soweit ist das scheinbar ein ganz normaler Forschungsauftrag.

Irgendwann gibt es einen Stromausfall und dann spricht der Roboter den Interviewer an und sagt: „Du darfst ihm nicht trauen“. Und sät so Misstrauen. Die Maschine sät Misstrauen in die Beziehung zwischen Menschen. Dann wachsen die Zweifel und man fragt sich: Wer ist hier verrückt? Ist die Maschine verrückt? Das wäre ein unangemessener Ausdruck, aber vielleicht muss man es so nennen. Ist der Millionär verrückt, der irgendwelche sonderbaren Experimente macht? Sind vielleicht der Stromausfall und dieses Angebot auch Teil des ganzen Experiments? Auch das weiß man nicht – ob das überhaupt echt oder simuliert ist. Und schließlich könnte es auch sein, dass der, aus dessen Perspektive das geschildert wird, hier eigentlich verrückt wird.

Wir haben dieses Androiden-Modell, das eben nicht nur eine hübsche junge Frau ist, sondern auch noch Ava heißt, also wie Ava Gardner, aber vor allem fast wie Eva, und auch eine Art neue Eva werden soll. Das Ganze eskaliert dann bis zu einem Showdown. Hier werden nicht nur die alten Sehnsüchte nach einem Alleskönner im Haus entfaltet, der zugleich auch willig ist, alles zu tun, sondern hier wird auch gesteigert gezeigt, wofür wir solche Maschinen, solche Roboter und solche künstlichen Intelligenzen haben wollen. Wir wollen sie zum Arbeiten haben, als Sklaven, wir wollen sie zum Spielen haben, um uns zu unterhalten, und wir wollen sie zu diesem speziellen Spiel namens Sex haben. Natürlich wollen wir sie auch manchmal zum Kämpfen haben, auch in diesem Fall kämpft der Roboter schließlich und wendet sich gegen seinen Schöpfer. Diese Maschinenfrau tötet jedenfalls am Schluss den Millionär und rettet damit auch den Interviewer. Sie ist also eine gute, moralisch positiv konnotierte Figur.

Können Roboter Gefühle haben?

Man kann das als Emanzipationsprozess beschreiben, dass hier auf eine andere Weise der Aufstand der Maschinen vollendet wird. Interessanterweise gibt es solche Filme vor allem immer wieder aus Amerika. Auch dieser Film ist am Ende ein Hollywood-Film. Mir ist nur ein ganz interessanter Film eingefallen, der nicht aus Hollywood kommt. Das ist „Valerian“ von Luc Besson, 2017 in die Kinos gekommen. „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“, so der komplette Titel“, ist die Verfilmung eines Comics, der auch das Vorbild für „Star Wars“ war. Das Interessante ist, dass wir hier viele Computer und Roboter haben, aber einen speziellen. Sie heißt Alex, ein genderneutraler Name, der gleichzeitig an den Voice-Service gleichen Namens erinnert – was er vielleicht auch soll – und auch an Cortana und solche Wesen mit Frauenstimme. Alex steuert im Film das Raumschiff. Sie erledigt im Grunde alle Aufgaben. Sie greift aber auch in die Psyche der Hauptfiguren ein und in deren Kopf. Es gibt einen sogenannten Gedächtnischeck. Man kann seine Träume analysieren lassen. Man kann auch Träume reinigen lassen, damit es keine schlechten Träume mehr sind und solche Dinge. Ich glaube, das ist ein sehr guter Film. Ich versuche abschließend noch ein paar Überlegungen zusammenzubringen, über die wir dann diskutieren können.

In fast allen dieser Filme sehen wir den Menschen im 21. Jahrhundert als gefangen und getrieben – einerseits von übermächtigen Maschinen, andererseits von der Gier bestimmter Konzerne, die nichts Gutes im Schilde führen, und schließlich einem Staat, der zumindest eine Art harter Staat ist, der alles Individuelle kontrolliert bis erstickt – ein harter Sicherheitsstaat. Das, was hier also eigentlich prekär ist, das sind natürlich die Menschen, die einzelnen Menschen und die Idee der Freiheit. Gleichzeitig zeigt uns das Kino mindestens zwei Dinge, die es noch nicht gibt – meines Wissens. Zum einen sind das Roboter mit Gefühlen. Dabei muss man immer fragen: Was heißt eigentlich genau Gefühl? Woher wissen wir, dass Roboter keine Gefühle haben? Und was wäre die Konsequenz, wenn sie welche hätten?

Das andere, was das Kino auch zeigt, das ist ein Aufstand der Maschinen und die Selbstermächtigung der Maschinen gegen den Menschen. Wir erleben Roboter, die auf der Suche nach ihrer eigenen Identität sind. Teilweise ist sie verloren gegangen, aber vor allem ist sie scheinbar so schlecht konstruiert oder gar nicht konstruiert, dass sie gesucht wird. Dann sind diese Roboterfiguren, da kann man zum Beispiel an „Ex Machina“ denken („Her“ ist da noch viel besser). Die Roboterfigur in „Ex Machina“ ist ein fast traditionelles Subjekt, also eine Figur, die analog zu einer Heldenreisenidee einen bestimmten Emanzipations- und Bewusstwerdungsprozess vollzieht, die Identitätskrisen durchläuft, die sich selber befreien will, die einen Coming-of-Age-Prozess durchmacht. Das Ganze hat zum einen den Sinn, dass die Geschichte vorangebracht wird. Zum anderen aber hat das noch einen ganz anderen Sinn: Uns im Publikum wird immer wieder nahegelegt, dass wir uns mit diesen Robotern identifizieren – genauso natürlich in „A.I.“, genauso natürlich in „Blade Runner“.

Bei „Blade Runner“ sind das in beiden Fällen jüngere Männer. Da fällt wahrscheinlich das Identifizieren, das Mitleidhaben viel schwerer als etwa mit der David-Figur in „A.I.“. Da wird uns ein Kind – entsprechend: ein Kindchenschema – vorgeführt, ein Kind, das wir intuitiv beschützen wollen. Und wir vergessen immer wieder, dass wir hier eine Maschine beschützen wollen und mit einer Maschine Mitleid haben. Wir wissen auch, dass das ein Schauspieler ist. Also diese ganzen Grenzen werden für uns im Publikum aufgelöst. Die Frage ist: Was wollen uns die Filmemacher damit eigentlich erzählen? Wollen Sie uns erzählen, dass wir uns eigentlich mit Maschinen identifizieren sollen, dass wir eigentlich mit Maschinen Mitleid oder irgendwelche Gefühle für sie haben sollten? Das ist ein Fragenkomplex, über den man sehr lange sprechen kann.

Die Frage nach dem Menschsein

Und dann ist es so, dass diese Roboterfiguren immer wieder einen Kampf kämpfen, den wir alle auch kämpfen, nämlich den Kampf gegen den eigenen Tod. Auch diese Roboter wollen nicht sterben. Sie wollen sich am Leben erhalten. Sie könnten so programmiert sein, dass sie ihren eigenen Tod billigend in Kauf nehmen und für richtig halten, um einer höheren Sache willen, so wie früher auch Menschen dafür gestorben sind. Außerdem sind diese Roboter darin menschenähnlich, dass sie Mängelwesen sind, ähnlich wie auch der Mensch von Arnold Gehlen beschrieben wurde. Der Wunsch, Mensch zu sein, der kommt aus einem Mangel an Gefühlen, der dann in irgendeiner Weise kompensiert werden muss.

Mir scheint, dass sehr viele dieser Filme, die sich mit Künstlicher Intelligenz und mit Robotern befassen, sich eigentlich mit der Frage nach dem Menschsein befassen. Also: Was heißt es eigentlich, ein Mensch zu sein? Ist es, Erinnerungen zu haben, ist es, Gefühle zu haben? Ist es, Sex zu haben, sich fortpflanzen zu können? Ist es, frei zu sein? Und was hieße, frei zu sein, in diesem Fall? Wie würde sich die Freiheit des Menschen gegenüber dem Computer, dem Roboter beweisen? Gibt es irgendein Kriterium, an dem man das festmachen kann. Die Filme spielen jedenfalls immer wieder durch, dass es solche Kriterien nicht gibt.

 

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Das MK-Sonderheft 2018 zum Thema Medienevolution kann zum Preis von 10 Euro (Porto inbegriffen) bestellt werden unter dieser E-Mail-Adresse: leserservice.spam@medienkorrespondenz.de. Das Heft enthält die Texte der auf den Cologne Futures 2017 gehaltenen Vorträge von Vincent C. Müller („In 30 Schritten zum Mond? Zukünftiger Fortschritt in der KI“), Raju Pookottil („How Species Direct Their Evolution“), Elisabeth André („Lässt sich Empathie simulieren?“) und den hier publizierten Vortrag von Rüdiger Suchsland. Außerdem enthält das Heft eine Einleitung von Lutz Hachmeister zum Thema „Wie künstlich ist die künstliche Intelligenz?“. Die „Cologne Futures“ werden vom in Köln ansässigen Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) veranstaltet, dessen Direktor Lutz Hachmeister ist.

23.10.2018/MK

Print-Ausgabe 24/2018

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