Kottan ermittelte

Zum Tod des österreichischen Film- und Fernsehregisseurs Peter Patzak

Von Karl-Otto Saur
17.03.2021 •

Wenn es nach dem Willen des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer gegangen wäre, hätten die Deutschen bereits 1960 ein zweites Fernsehprogramm bekommen. Seine Idee war allerdings nicht ganz selbstlos: Dem CDU-Politiker war das unter dem Namen „Deutsches Fernsehen“ ausgestrahlte Gemeinschaftsprogramm der ARD-Landesrundfunkanstalten zu links. Und er baute darauf, dass auch die Zuschauer sich mehr Abwechslung wünschten.

Doch Adenauers Rechnung ging nicht auf. Zur großen Überraschung der Regierungsparteien CDU und CSU erklärte das Bundesverfassungsgericht am 28. Februar 1961 das Vorhaben für unzulässig. Der Richterspruch ging als „1. Rundfunkurteil“ in die deutsche Mediengeschichte ein. In mühsamen Verhandlungen einigte die Politik sich in den folgenden Jahren darauf, dass ein zweites öffentlich-rechtliches Programm etabliert wurde. So kam es im April 1963 zur Geburtsstunde des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF). Es war nicht unbedingt das Programm, das der Regierung unter Adenauer vorgeschwebt hatte. Aber vom Intendanten an abwärts fanden zahlreiche Mitarbeiter, die auch für das „Adenauer-Fernsehen“ im Gespräch gewesen waren, ihren neuen Arbeitsplatz beim ZDF in Mainz.

Der Wunsch nach einer Verbreiterung der Programmauswahl war aber schon vorhanden. Einige deutsche Zuschauer hatten bereits zuvor Möglichkeiten genutzt, über die Grenzen des deutschen Fernseh-Hoheitsgebietes zu schauen. Von 1955 an gab es zum Beispiel das Fernsehen des öffentlich-rechtlichen Österreichischen Rundfunks (ORF), das die Bayern zunächst im Südteil ihres Bundeslandes empfangen konnten. Und diese Zuschauer merkten bald, dass dieses Programm ihnen nicht nur Skirennen frei Haus lieferte, sondern ihnen auch neue Ansätze bei Unterhaltungssendungen oder im Fernsehspielbereich brachte.

Eine Serie mit Kultcharakter

Eine dieser ORF-Produktionen war eine Krimiserie. Sie lief ab 1976 im Fernsehen des ORF unter dem eher phantasielosen Titel „Kottan ermittelt“. Doch die Serie selbst war so ungewöhnlich, dass nicht nur die südbayerischen Zuschauer daran teilhaben konnten, sondern mit einer gewissen Zeitverzögerung (ab 1980) alle deutschen Zuschauer, nämlich via ZDF. Der Mainzer Sender hatte die Rechte an der Serie erworben. Das war vor allem auch deshalb außergewöhnlich, weil diese satirische Krimiserie um den Polizeimajor Adolf Kottan sich weniger den sonst so gern genutzten Österreich-Klischees widmete, sondern sich hinter den Kulissen des Halbseidenen der Sprücheklopfer und der Halbwelt unseres Nachbarlandes zuwandte. Kottan ermittelte von 1976 bis 1983, es wurden in diesem Zeitraum sechs Staffeln produziert, im ZDF wurde die letzte Folge im Dezember 1985 ausgestrahlt.

Hinter dieser Serie, die bald Kultcharakter hatte, stand Peter Patzak, ein bis dahin nur wenig bekannter Künstler, der nach einem zweijährigen Volontariat in den USA zwei Fernsehfilme für den ORF gedreht hatte. Doch die von ihm geschaffene Serie „Kottan ermittelt“ sorgte dafür, dass aus ihm ein begehrter Regisseur wurde. Er war und blieb ein Hausautor des ORF-Fernsehens. Im Auftrag des Bayerischen Rundfunks (BR) drehte er zwei Münchner Folgen der ARD-Krimireihe „Polizeiruf 110“, die jeweils zu Jahresbeginn 2001 und 2002 ausgestrahlt wurden. Zuvor hatte er für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) 1998 eine in Erfurt spielende „Polizeiruf“-Episode inszeniert. Gemeinsam mit Martin Walser war Patzak an der Filmadaption von dessen Roman „Das Einhorn“ beteiligt.

Nebenher inszenierte er am Theater, wobei er auch für das Bühnenbild verantwortlich war, denn er war auch Maler; 1962 hatte er eine Ausstellung in New York, 1970 in der Wiener „Sezession“. Neben mehreren anderen Auszeichnungen für seine Film -und Fernsehproduktionen erhielt er den Grimme-Preis, den österreichischen Romy-Preis und den Max-Ophüls-Preis. Peter Patzak, 1945 in Wien geboren, starb am 11. März in Krems an der Donau nach einer Herzoperation. Er wurde 76 Jahre alt.

17.03.2021/MK

Peter Patzak (1945-2021)

Foto: Screenshot


` `