Ein signalhaftes Ergebnis

Interview mit den Geschäftsführern von katholisch.de, David Hober und Matthias-Johannes Fischer

Von Dieter Anschlag
28.09.2012 •

Nach seinem Start im Jahr 2004 wurde das Internet-Portal katholisch.de jetzt einem vollständigen Relaunch unterzogen. Am 27. September 2012 (Donnerstag) drückten die Bischöfe Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), und Gebhard Fürst, Medienbischof der katholischen Kirche, auf der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda um 13.00 Uhr gemeinsam symbolisch auf den roten Knopf, um das neu konzipierte Portal freizuschalten. Anlässlich des Relaunches sprach Dieter Anschlag mit den beiden Geschäftsführern von katholisch.de, David Hober und Matthias-Johannes Fischer. Hober, 48, war von 1997 bis August 2011 bei der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn Leiter des Referats „Hörfunk und Fernsehen“. Außerdem war er Geschäftsführer der Publizistischen Kommission der DBK. Fischer, 53, war Geschäftsführer bei einer Kölner Fernsehproduktionsfirma der Tellux-Gruppe (München), bevor er 1990 Geschäftsführer der Allgemeinen gemeinnützigen Programmgesellschaft mbH (APG) wurde. Seit September 2011 sind Fischer und Hober gemeinsame Geschäftsführer der in Bonn ansässigen APG, die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz das Portal katholisch.de betreibt. • FK

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FK: Herr Hober, Sie waren vierzehn Jahre bei der Deutschen Bischofskonferenz im Bereich „Kirche und Gesellschaft“ Leiter des Referats „Hörfunk und Fernsehen“. Seit einem Jahr arbeiten Sie nun für die Internet-Plattform katholisch.de. Warum der Wechsel des Mediums? Hat das Internet für Sie inzwischen mehr Reiz als Hörfunk und Fernsehen?

Hober: Nein, das würde ich so nicht sagen. Es geht, was die Kirche und ihre Aufgabe betrifft, beim Internet doch letztlich um die gleiche Frage, nämlich die, wie heute und morgen Verkündigung an ein dem Christlichen weitgehend entwöhntes Publikum gelingen kann. Mit allen damit verbundenen Chancen und Grenzen. Unter dieser Perspektive sind Hörfunk, Fernsehen und Internet nicht gegeneinander auszuspielen. Das Reizvolle beim Internet ist doch, dass wir kirchlicherseits die enormen Möglichkeiten, die dieses Medium bietet, noch kaum ausgelotet haben. Das macht Mühen, verursacht Kosten und birgt nicht selten Risiken für die Kirche, die sie aber unbedingt, wenn sie den Anschluss nicht verpassen möchte, eingehen sollte. Katholisch.de auf diesem Weg zu begleiten, halte ich für eine herausfordernde Aufgabe.

FK: Herr Fischer, Sie haben bereits den Start von katholisch.de im Jahr 2004 miterlebt. Wie hat sich das Online-Portal der katholischen Kirche entwickelt?

Fischer: Genau genommen fing alles schon viel früher an. 2001 mit der ersten katholischen Videoplattform, noch bevor YouTube überhaupt startete. Da waren die Katholiken moderner als der Rest der Welt. 2004 kam es zur Fusion des offiziellen Portals katholische-kirche.de mit neuer Technik, neuem Design und professionellem CMS. Damals begannen wir mit einer Miniredaktion, viel Enthusiasmus und jeder Menge Überstunden. Ein Erfolg war auch die Zusammenarbeit mit der Katholischen Fernseharbeit in Frankfurt am Main, die mit unserer technischen Unterstützung ihr Portal kirche.tv betrieb. Deren Videos liefen auf unseren Servern. Die Mobile-App mit den aktuellen Bistumsvideos wurde bei uns administriert. Wir haben auch katholische Spitzen-Events begleitet wie den Weltjugendtag 2005 in Köln, die Wahl des deutschen Papstes und den Papst in Deutschland. Aber es fehlten Mittel und Mitarbeiter, um noch besser – gerade in der Zusammenarbeit mit Bistümern – präsent zu sein.

FK: Und das hat sich jetzt geändert?

Fischer: Ja, das hat sich nach einem entsprechenden Beschluss der Bischofskonferenz für „katholisch.de/neu“ verbessert. Wir konnten unseren redaktionellen und technischen Stab auf 14 Mitarbeiter ausbauen.

FK: Gehen Sie davon aus, dass für die Anliegen der katholischen Kirche das Internet als Verbreitungsmedium in nicht allzu langer Zeit wesentlich wichtiger sein wird als Radio und Fernsehen?

Fischer: Das Internet ist ja kein Konkurrenzmedium zu den alten Bekannten Radio und Fernsehen. Es wird diese Medien jedoch transformieren. Wir erleben das ja jetzt schon. Jugendliche sehen als Pausenfüller in der Schule oder an der Bushaltestelle Filme und Videos auf dem Handy. Warum sollten sie nicht auch unsere kurzen Spots anschauen? Das eigentliche Problem für die Kirche ist, dass sie von jeher auf ein noch älteres Medium gesetzt hat, nämlich Print. Es ist traurig, aber kennen Sie einen Jugendlichen, der freiwillig eine Kirchenzeitung liest? Hier müssen wir mit neuen medialen Angeboten einspringen und uns am heutigen Nutzerverhalten orientieren. Wer die Frohe Botschaft verkünden will, da sind wir sehr traditionell, muss in der Wahl seiner Mittel flexibel sein.

FK: Könnte es sein, dass die rundfunkgesetzlich garantierten kirchlichen Sendeplätze in Hörfunk und Fernsehen langfristig in Gefahr geraten, wenn die Kirche selbst zum Inhalte-Produzenten und via Internet quasi zu einem eigenen Programmanbieter wird?

Das Selbstbewusstsein der Öffentlich-Rechtlichen

Hober: Das ist wirklich kurios. Der Kirche wird doch immer vorgeworfen, sie investiere zu wenig in ihre Medienarbeit. Wenn sie sich engagiert, wie jetzt bei katholisch.de, werden von den gleichen Leuten Drohszenarien an die Wand geworfen, dass jetzt der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine „Gunst“ von den Kirchen abziehen könnte. Wir hatten diese Diskussionen verschärft, als die katholische Kirche vor einigen Jahren darüber nachdachte, möglicherweise einen eigenen digitalen Spartenkanal auf den Weg zu bringen. In diesem Zusammenhang darf man vielleicht einmal daran erinnern, dass das solidarfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunksystem über weite Teile auch von den gut 50 Millionen Christen in diesem Land mitfinanziert wird. Man darf ebenfalls daran erinnern, dass es einen Grundversorgungsauftrag gibt und aus guten Gründen ein sogenanntes Drittsenderecht. Und trotzdem gibt es immer wieder einzelne Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen, die gegenüber den Kirchen hin und wieder so tun, als würden Sie großherzig persönliche Geschenke verteilen, wenn sie, schlicht gesagt, ihrem Programmauftrag nachkommen. Gewendet auf das, was katholisch.de jetzt vorhat, darf ich so viel Selbstbewusstsein bei den Öffentlich-Rechtlichen unterstellen, dass nicht damit zu rechnen ist, dass hier irgendjemand kurzfristig vor katholisch.de in die Knie geht. Interessanter wäre doch vielleicht, die seit vielen Jahren stagnierende Formatdiskussion im Fernsehen zwischen den Kirchen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten über innovative gemeinsame Wege im Internet anzuschieben.

FK: Wie würden Sie denn die Philosophie von katholisch.de, also der zentralen Internet-Plattform der katholischen Kirche, beschreiben?

Hober: Um es in einem Satz auf den Punkt zu bringen: Katholisch.de möchte eine Überzeugungsofferte für die Welt des Glaubens und der Kirche sein.

FK: Welche Rolle spielt katholisch.de künftig im Rahmen der Medienarbeit der katholischen Kirche hierzulande?

Hober: Der Relaunch von katholisch.de ist ja nicht nur eine inhaltliche, technische, strukturelle und ästhetische Rundumerneuerung, sondern auch eine wichtige Etappe auf dem Weg der Neuausrichtung der katholischen Medienarbeit insgesamt. Er steht sicherlich auch im Zusammenhang mit einer Konzentration der Kräfte, die einhergeht mit der Stärkung einzelner Medienmarken. Nicht zuletzt aus diesem Grund war es der Wunsch der Bischöfe, dass die bekannten Marken wie zum Beispiel die Nachrichtenagentur KNA, die „Funkkorrespondenz“, der „film-dienst“ und eben auch katholisch.de in ein Katholisches Medienhaus zusammenziehen, wie es im vorigen Jahr in Bonn entstanden ist. Insofern ist der Neuaufschlag von katholisch.de auch ein signalhaftes Ergebnis der verbesserten technischen und inhaltlichen Umsetzung von katholisch.de. Ein mit dem Relaunch verbundenes Ziel ist natürlich, künftig die Marke katholisch.de viel stärker als bisher zu entwickeln und aus ihrem verschatteten Dasein an die Öffentlichkeit zu heben. Dabei soll katholisch.de unter anderem mit Blick auf die 27 Diözesen der katholischen Kirche in Deutschland auch eine Austauschplattform werden, über die alle Diözesen auf Inhalte Zugriff haben. In diesem Sinne stärkt katholisch.de die diözesane Medienarbeit und profitiert seinerseits von den unterschiedlichen Content-Offerten der Bistümer und anderer kirchlicher Content-Produzenten. Es ist für beide Seiten also eine Win-win-Situation.

Eine moderne Form von Evangelisierung

FK: Um in diesem Zusammenhang einmal einen großen historischen Bogen zu schlagen: 1622 entstand unter Papst Gregor XV. die „congregatio de fide propaganda“; es ist, wie jeder weiß, das Grunddokument der Missionspolitik, also im Grunde so etwas wie die Urmutter aller medienpolitischen Manifeste. Damit sollte damals dem Einflussverlust durch den sich ausbreitenden Protestantismus entgegengewirkt werden. Ist rund 500 Jahre später diese Art der Kommunikationsarbeit die Tradition, der sich auch katholisch.de verpflichtet fühlt?

Fischer: Tatsächlich geht es bei katholisch.de auch um eine moderne Form von Evangelisierung. Jedoch in einer ganz anderen Weise, als man sie bisher kannte. Nutzer von katholisch.de sind nicht nicht nur die Gläubigen, sondern auch die Suchenden. Bei katholisch.de trauen sich Letztere, Fragen in Mails zu stellen, die man nirgendwo anders mehr stellen kann: „Wie kann ich mit Jesus sprechen?“ – „Was ist, wenn ich tot bin?“ – „Gibt es wirklich ein ewiges Leben?“ – „Wie finde ich die Kraft zum Glauben an Gott?“ Es sind ganz zentrale Fragen, die aber in einer aufgeklärten Gesellschaft unter den Tisch fallen und tabuisiert werden. Sie bleiben quälend unbeantwortet. Wir bieten hier eine virtuelle Anlaufstelle mit ersten Antworten.

FK: Was waren vor dem Relaunch die am stärksten nachgefragten Angebote von katholisch.de?

Fischer: Interessanterweise das Kalenderblatt, also ein Angebot zu Namenstagen, Heiligen und Gebeten. Andererseits kamen viele Nutzer auch über die Prominentenspots der Videoplattform zu katholisch.de. Google war bisher unsere stärkste und einzige Marketingmaßnahme.

FK: Seit 2004 ist katholisch.de offiziell unter diesem Namen online. Wie waren in den vergangenen acht Jahren die Erfahrungen, wo lagen Stärken und Schwächen? Und welche Erkenntnisse konnten Sie daraus für den jetzigen Relaunch von katholisch.de ziehen?

Videos, Livestreams, Gottesdienste und ein tägliches Magazin

Fischer: Fangen wir mit den Schwächen an: Katholisch.de war in den zurückliegenden Jahren nicht ausreichend finanziert. Es fand, wie schon angedeutet, keine Werbung für das Angebot statt – auch nicht innerkirchlich. Der Wert einer Marke im Internet wurde nicht erkannt. Das Portal war in der Vergangenheit inhaltlich zu sehr innerkirchlich organisiert. Es konjugierte katholische Strukturen, übernahm fast alle Nachrichten von der KNA, hatte kein eigenes journalistisches Profil. Aber so etwas wird im Internet nicht gesucht. Überraschenderweise, und das gehört dann zu den Stärken, erreichte das Portal in den katholischen Momenten des Lebens, an den Festtagen, bei Papstbesuchen und ähnlichen Gelegenheiten hohe Klickzahlen. Wir haben daher jetzt bei der Gestaltung eine stärkere Orientierung an den Interessen der Nutzer vorgenommen, bieten mehr Spiritualität und Beratung.

FK: Für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, den Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, zählt die Neugestaltung von katholisch.de „aktuell zu den wichtigsten Projekten“ des Katholischen Medienhauses. Was sind die Kernpunkte beim Relaunch von katholisch.de? Was sind die wichtigsten neuen Angebote und Funktionen?

Hober: Informations-, Wissens -und Glaubensvermittlung sind ja bekanntlich nicht nur eine Sache des Wortes, sondern auch der Bilder. In kirchlichen Kreisen spricht man von „Bewegtbildern“ meint aber „Video“. Dieser Bereich sollte deutlich im Vergleich zum alten katholisch.de-Portal ausgebaut werden. Das neue katholisch.de bietet Video nicht nur im Video-on-Demand-Bereich, sondern auch in einem Livestream, der wie ein Sender funktioniert. Zu festen Zeiten starten Gottesdienste, Andachten oder Events, bei denen der Zuschauer „live“ dabei sein kann. Kernstück des laufenden Programmangebots ist das täglich neu produzierte Magazin von katholisch.de. Ein junges Moderatorenpaar greift Themen aus der katholischen Kirche auf, fragt nach, liefert Hintergrundinformationen, die woanders fehlen.

Fischer: Wir nennen unsere Videoplattform dabei übrigens nicht „Mediathek“, denn dieser mit anderen Anbietern konnotierte Begriff könnte unsere Zielgruppe der unter 49-Jährigen abschrecken. Wir versuchen, unsere Technik zu verbergen und lieber großformatige Bilder zu zeigen. Tatsächlich ermöglicht die Upload-Funktion erstmalig für kirchliche Partner eine große Arbeitsersparnis. Wir übernehmen – falls gewünscht – die weitere Verteilung des katholischen Videocontents in die ganze Welt. Bis in den YouTube- und Facebook-Accounts der Partner. Wir sind jetzt noch stärker auf Reichweite konzentriert.

Die virtuelle Klammer für die Vielfalt kirchlicher Angebote

FK: Welcher Linie hat sich katholisch.de bei Design und Optik verschrieben?

Hober: Einerseits war uns schnell klar, dass wir Mut zur Reduktion haben müssen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass man wirklich neu denkt. Die Konzentration auf das Wesentliche war leitend in diesem Prozess. Zugleich haben wir uns gefragt: Wie kann man so etwas wie eine katholische Grundstimmung, eine katholische Beheimatung ästhetisieren, zu der sowohl die Traditionskatholiken ja sagen können wie auch diejenigen, die der Kirche nicht so nahe stehen? Es ging um den Spagat, einerseits katholisches Sentiment und andererseits konsequent die Nutzerperspektive in ein Verhältnis von Inhalt und Form zu bringen. Mit der Hamburger Agentur Jung von Matt haben wir einen Partner gefunden, der diese Überlegungen sehr gut auf- und umgesetzt hat. Das moderne Erscheinungsbild wird durch eine warme Farbgebung abgestützt. Große, bühnenartige Bildformate auf der Startseite sollen den Nutzer emotional in die Site ziehen. Eine bewusst eingesetzte Typografie unterstreicht die Wertigkeit und den magazinischen Charakter des Portals und schließlich war uns eine intuitiv angelegte Navigation wichtig. Mit dem neuen Look-and-Feel von katholisch.de setzen wir auch ein bewusstes Zeichen gegen die Informationsüberflutung auf vielen anderen Online-Seiten. Zugleich ist unsere Botschaft: So ausdrucksstark, so modern, so attraktiv kann Kirche sein.

FK: Sascha Lobo formuliert in seinem „Internet-Manifest“ unter anderem den Grundsatz: „Das Netz verlangt Vernetzung.“ Welches Vernetzungskonzept hat katholisch.de?

Hober: Um Reichweitenverbesserung und eine Verschränkung der unterschiedlichen Online-Angebote geht es uns bei der Idee der verbundenen kirchlichen Partnerportale. Statt einfacher Links werden geeignete Portale sowohl gestalterisch als auch über eine gemeinsame Navigation mit dem Hauptportal katholisch.de verbunden. Das ist mehr als eine simple Verlinkung. Dadurch sind die Partner von katholisch.de schneller erreichbar. Außerdem verbessert sich für den Nutzer der Zugang zu noch mehr Content, ohne extern über Suchmaschinen danach suchen zu müssen – katholisch.de wird zur virtuellen Klammer für die Vielfalt kirchlicher Angebote und Akteure. 

Fischer: Wir haben im Internet inzwischen über 5000 katholische Einzelpräsenzen gezählt. Wenn die sich alle vernetzen würden, gäbe es immer noch keinen Durchblick für den User. Am Ende geht es um die Qualität der Vernetzung. Und die entsteht nur durch besonderen Content, durch Alleinstellungsmerkmale und durch die Herausbildung einer erstklassigen Marke. Letzteres ist unser Kernziel, unser Konzept.

FK: Im Internet ist man bekanntlich nicht allein auf der Welt, im Gegenteil, katholisch.de ist ein Portal unter Tausenden, um nicht zu sagen: Hunderttausenden. Was ist angesichts dessen der spezielle Mehrwert, das Alleinstellungsmerkmal von katholisch.de?

Fischer: Wir haben einen guten, kurzen Markennamen. Wir heißen, was wir sind. Oder auch: Es ist drin, was draufsteht. Was heutzutage keine Selbstverständlichkeit ist, schon gar nicht im Internet. Wir bieten den Einstieg in die katholische Welt, wir sind das einzige echte katholische Portal hierzulande, weil wir viele bestehende Angebote bistumsübergreifend zusammenführen und damit gerade auch für die Bistümer einen großen Nutzen bieten.

FK: Welche Bedeutung haben insbesondere die sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter und deren Einbindung im Rahmen von katholisch.de?

Aus kirchlicher Perspektive ein gewisser Nachholbedarf

Hober: Dieser Bereich ist natürlich insbesondere für jüngere Zielgruppen wichtig, wird aber mitunter auch überschätzt. Klar ist uns, dass wir hier aus kirchlicher Perspektive einen gewissen Nachholbedarf haben. Gemeinsam mit den Bistümern arbeiten wir diesbezüglich an Konzepten und werden sicherlich in nächster Zeit Experimentierkurven ablaufen und die Ergebnisse dann bewerten.

FK: Was wissen Sie über die Nutzer von katholisch.de? Wie viele Aufrufe wurden zuletzt im Schnitt monatlich verzeichnet?

Fischer: Wir wissen, dass unsere Nutzer nicht nur Katholiken sind, dass sie überdurchschnittlich viel jünger sind als der durchschnittliche Gottesdienstbesucher. Wir verzeichnen in der Woche etwa 45 000 bis 50 000 Visitors. Bei Papstbesuchen schnellt die Zahl auf 75 000 hoch. In guten Monaten hatten wir über 350 000 Besucher. Aber das eben ohne Werbung und Marketing. Doch gerade hier hoffen wir, dass sich in der nahen Zukunft etwas zum Besseren ändert.

FK: Wie erhalten Sie Ihre Inhalte bei katholisch.de? Das heißt, wie viel Eigenproduktion ist möglich und wie weit greifen Sie zurück auf Material von Agenturen und anderen Content-Lieferanten? Mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen?

Hober: Wenn sie den Videobereich ansprechen, profitieren wir von einer Handvoll Bistümern, die hier Kompetenz aufgebaut haben. Mit diesen arbeiten wir gut zusammen und wir unterstützen und ermutigen die Kollegen in den Bistümern, die hier noch am Anfang stehen. Weitere Partner sind natürlich die Katholische Fernseharbeit, die Tellux-Gruppe und andere kirchliche Bewegtbild-Produzenten, mit denen wir gemeinsam Formate entwickeln oder Kooperationen eingehen. Und schließlich haben wir eine ganze Reihe von Inhouse-Formaten, die wir selbst in Bonn produzieren. Hinzu kommen für die einzelnen Web-Seiten eigene Artikel, Hintergrundberichte, Reportagen und Erklärstücke der Redaktion. Beim nachrichtlichen Teil von katholisch.de stützen wir uns stark auf die KNA ab.

FK: Gibt es auch eine Zusammenarbeit mit den offiziellen Publikationsorganen
des Vatikan?

Hober: Wir kooperieren mit der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan und sind hier in der Entwicklung eines Formats, das die römisch-weltkirchliche Perspektive einfängt.

FK: Katholisch.de und domradio.de aus Köln übertragen seit kurzem gemeinsame Gottesdienste im Internet. Wie ist die Resonanz auf dieses Angebot?

Kein Maulkorb und kein Schweigegelübde

Hober: Die Resonanz ist gut, da offensichtlich hier dem Bedürfnis vieler Katholiken nach einer täglichen Gottesdienstübertragung entgegengekommen wird. Und dies auf einem mittlerweile respektablen Übertragungsniveau.

FK: Wie kritisch kann katholisch.de sein in Debatten wie denen über die aktuellen Affären im Vatikan oder die Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche?

Hober: Es gibt keinen Maulkorb noch hat man über uns ein Schweigegelübde verhängt. Wir werden in der gebotenen Form auch über solche Dinge weiter berichten und werden uns hier um Objektivität und Transparenz bemühen. Wir sind aber weder ein investigatives Nachrichtenportal der Kirche noch eine Plattform, auf der Kirchenpolitik betrieben werden sollte. Wir berichten aus der katholischen Welt und erklären die katholische Welt in all ihren Facetten. In guten wie in weniger guten Zeiten.

FK: Ist katholisch.de auch der neue Ort, um jüngere Menschen für kirchliche Themenfelder zu interessieren und diese Menschen, die bisher kaum erreicht werden konnten, wieder näher an die Kirche heranzuführen?

Fischer: Dies könnte durchaus eine Folge unseres neuen Ansatzes sein. Es wäre für die Kirche sehr zu wünschen. Im Übrigen haben wir eine sehr junge Redaktion, praktisch alle Mitarbeiter sind unter 30.

FK: Es soll nun auch Subportale bei katholisch.de geben. Für welche haben Sie sich entschieden?

Fischer: Wir sprechen von Partnerportalen. Die Idee daran ist, über die bloße Verlinkung hinauszugehen und in der katholischen Welt eine eigene Partner-Navigationsleiste einzuführen, die mich direkt zwischen unterschiedlichen Angeboten wählen lässt und mich auch wieder zurückführt. Insgesamt wird das die Reichweite der Einzelportale erhöhen. Diese Partnerportale können in einer besonderen Nähe zum Hauptportal stehen, indem sie sich auch dem neuen Design von katholisch.de annähern. Müssen sie aber nicht zwingend. Wir bieten jedenfalls Hilfe und Unterstützung beim Design und auch bei der Technik an. So muss sich zum Beispiel nicht jeder Partner eigene Web-, Video- oder SQL-Server oder sein eigenes CMS anschaffen oder mieten. Ab Start sind die Weltkirche, die Clearingstelle Medienkompetenz, die katholische Fernseharbeit und der Pfarrbriefservice dabei.

Medienkompetenz – eine wichtige Funktion

FK: Dass die Clearingstelle dabei ist, lässt darauf schließen, dass katholisch.de gerade auch bei der Schaffung von Medienkompetenz eine Rolle zugedacht ist, denn Medienkompetenz liegt der Kirche bekanntlich besonders am Herzen. Insofern dürfte die Einbindung geradezu logisch sein.

Fischer: Wir halten die Aktivitäten der Clearingstelle Medienkompetenz in Mainz für ausgesprochen wichtig. Zugleich kommt hier – Sie haben es schon angesprochen – auch eine wichtige Funktion von Kirche zum Tragen, die in immer unübersichtlicher werdenden Medienwelten notwendige Hilfestellungen gibt. Wir haben die Clearingstelle Medienkompetenz deshalb als Partnerportal aufgenommen und deren Homepage mitentwickelt und technisch unterstützt.

FK: Sicherlich beobachten Sie kontinuierlich evangelisch.de. Wodurch unterscheidet sich katholisch.de von der direkten Konkurrenz?

Hober: Ich sehe keine direkte Konkurrenz zu evangelisch.de. Die Kollegen gehen einen etwas anderen Weg der Ansprache und in der Themensetzung, als wir das tun. Beide Portale haben letztlich die gleichen Herausforderungen zu bewältigen, nämlich die, wie es gelingen kann, in einem nahezu abstandslosen Unterhaltungs- und Erregungsmilieu, das durch Medien erzeugt wird, einem dezidiert christlichen Blick auf das Leben zur Aufmerksamkeit zu verhelfen. Und das tut jeder aus seiner spezifischen Erfahrung und publizistischen Kultur heraus.

FK: Evangelisch.de hat sich auf die Fahnen geschrieben, eine Themenauswahl „nahe am Menschen“ zu bieten. Themen, über die die Gesellschaft diskutiere, würden sich auf evangelisch.de wiederfinden, heißt es dort in der Eigenbeschreibung. Was ist das entsprechende Leitmotiv von katholisch.de?

Hober: Wer möchte nicht „nahe am Menschen“ sein? Der ADAC möchte das, die AOK, die Deutsche Bank und viele andere mehr. Wer im Internet Relevanz beansprucht, muss dieser Adressatenlogik folgen. Und klar, auch katholisch.de möchte natürlich nah am Menschen sein. Aber mit einer spezifischen Perspektive. Wenn Sie schon nach einem Leitmotiv unserer Arbeit fragen, dann doch vielleicht so: Wer katholisch.de anklickt, muss eine Ahnung davon bekommen, dass der Glaube das Leben prägt und das Leben den Glauben. Diese Spannung würde mir gut gefallen.

Eine starke Marke

FK: Wir sehen derzeit wieder, dass gerade auch in dieser Zeit der Globalisierung religiöse Fragen die Welt bestimmen, religionspolitische Fragen beherrschen die geopolitische Debatte, denken wir nur an jüngste Ereignisse: Ein Anti-Mohammed-Film aus den USA wird über YouTube verbreitet, daraufhin brennen das amerikanische Konsulat in Bengasi in Libyen und die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Und es gibt weitere blutige Unruhen gegenüber westlichen diplomatischen Vertretungen in der aufgebrachten arabischen Welt. Wie ist auf diesem Feld die journalistische Position von katholisch.de?

Fischer: Wir führen keine Glaubenskriege. Wir haben Respekt vor jedem, der an Gott glaubt. Aber wir wissen, wofür wir stehen und was unser Auftrag ist. Insofern bieten wir Orientierung, sind Leuchtturm in einer Welt des Zweifels. Wir sind eher die Samariter in dieser Zeit der globalisierten Unruhe. Und zwar im biblischen Sinne für jeden.

FK: Wie grenzen Sie sich ab gegenüber anderen, etwa ultrakonservativen katholischen Anbietern von Online-Portalen? Müssen Sie sich da abgrenzen?

Hober: Als das Internet-Portal der katholischen Kirche in Deutschland reagieren wir in der Regel nicht redaktionell auf private Internet-Initiativen, schon gar nicht, wenn es sich um kirchlich konnotierte Angebote aus dem Ausland handelt. Bei den einschlägig bekannten Portalen erübrigt sich ohnehin jede weitere Kommentierung, da diese sich durch den inhaltlichen Zugriff auf Themen und Personen ausreichend selbst kommentieren.

FK: Was wäre Ihr Wunsch, wo katholisch.de in fünf Jahren stehen soll?

Fischer: Der Bekanntheitsgrad hat sich verfünffacht…

Hober: …und die Kirche hat eine starke Marke.

Interview aus Ausgabe Nr. 39-40/2012 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

28.09.2012/MK

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