Und es blieb für einen kurzen Moment still: Zum Tod des Sportjournalisten Burkhard Weber

29.01.2020 •

Als am vorigen Samstag Michael Leopold die lange Strecke auf Sky zum Bundesliga-Spieltag inklusive der Zusammenfassung „Alle Spiele, alle Tore“ abmoderierte, wurde er, der an dieser Stelle gerne für einen Scherz gut ist, sehr ernst. Er wolle, sagte er, an dieser Stelle im Namen der Sky-Fußball- und Sportredaktion „unserem langjährigen Sportchef Burkhard Weber die letzte Ehre erweisen“, der am Tag zuvor nach langer schwerer Krankheit verstorben sei. Dann wurde das Licht im Studio abgeblendet und es blieb für einen kurzen Moment still, ehe der nächste laute Jingle die Rückkehr zur Normalität verkündete.

Burkhard Weber hatte beim Pay-TV-Sender Sky Deutschland von 2011 bis 2018 die Sportredaktion geleitet und in dieser Zeit eine Reihe von Neuerungen eingeführt, zu denen beispielsweise das große Studio gehört, aus dem die Bundesliga-Übertragen anmoderiert und nach Spielende ausführlich mit Fachleuten diskutiert werden. Weber, der 64 Jahre alt wurde, gehörte zur ersten Generation in Deutschland, die im privaten Fernsehen sozialisiert wurde. Nach einem Volontariat bei RTL noch in Luxemburg wechselte er mit dem Sender an dessen neuen Sitz nach Köln, wo er ab 1992 erst stellvertretend, dann bald als Leiter der Sportredaktion arbeitete.

Es war eine Zeit, in der RTL sich intensiv um attraktive Sportrechte bemühte. So moderierte Weber abwechselnd mit Ulrich Potofski die Fußballsendung „Anpfiff“, die sich von 1988 bis 1991 die Rechte der zusammenfassenden Berichterstattung aus der Fußball-Bundesliga mit der ARD-„Sportschau“ teilte. War das noch ein schwieriges Geschäft, wurde ein anderes zum großen Gewinn für den Kölner Privatsender: Die Berichterstattung von der Formel 1 wurde mit und unter Burkhard Weber zu einem Garanten für hohe Einschaltquoten und große Einnahmen.

Als Burkhard Weber bei RTL ausschied, wechselte er als Geschäftsführer und Mitinhaber zur TV-Produktionsfirma Probono von Friedrich Küppersbusch. Dort habe Weber, schrieb Küppersbusch am 27. Januar in einem persönlichen Nachruf, stets darauf bestanden, komplizierte Themen zu popularisieren, indem man etwa „das leidige Nischenthema privater Überschuldung mit gängigen Coaching-Formaten kreuzte“, was unter anderem zur RTL-Sendereihe „Raus aus den Schulden“ mit Peter Zwegat führte.

Im Jahr 2011 ging Weber dann nach München zu Sky, um sich wieder dem Sport zu widmen. Er stand für ein Fernsehen, das hohe Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollte, für Populäres und Unterhaltendes. Zugleich bestand er auf handwerklicher Präzision und journalistischer Genauigkeit. Die Worte von Michael Leopold und Friedrich Küppersbusch deuten an, dass Burkhard Weber viele Freunde in einem Metier hatte, das Freundschaften nicht unbedingt wohlgesinnt ist.

29.01.2020 – Dietrich Leder/MK

Burkhard Weber

Foto: Sky