„Breaking Bad“, „Lilyhammer“ & Co.: Über die Schwierigkeit, heutzutage Fernsehserien aus den USA zu besprechen

17.04.2015 •

17.04.2015 • Über Fernsehserien aus den USA zu schreiben, ist heute schwieriger denn je. Denn der hierzulande seit einigen Jahren existierende Hype um diese klassische Erscheinungs- und Erzählform des amerikanischen Fernsehens hat dazu geführt, dass Tageszeitungen wie die „FAZ“ oder die „Süddeutsche“ neue Serien oder selbst neue Staffeln bekannter Serien, schon lange bevor man sie in Deutschland zu sehen bekommt, von in den USA ansässigen Journalisten besprechen lassen, was aber nicht als Analyse des US-Marktes gemeint ist, sondern als eine Art Verheißung dessen, was uns bald erreichte, wenn die hiesigen Sender nur richtig reagierten. Das verleiht den Berichten den Unterton von Reklame wie auch deren Gestus dem von Fans ähnelt. Mit der Zuschauerwirklichkeit hat das kaum etwas zu tun, es sei denn für eben Fans, die sich mit manchen Tricks Zugang zu den Internet-Portalen in den USA verschaffen, wo sie diese Serien sehen können.

Doch auch bei einem Start in Deutschland ist die Berichterstattung nicht ohne Probleme. Soll man über eine neue Serie schreiben, wenn sie zunächst bei einem der diversen Pay-TV-Sender zu sehen ist, die nur eine sehr eingeschränkte Zuschauerschaft haben? Oder soll man erst dann über diese Serie schreiben, wenn sie in einem frei zugänglichen Programm ausgestrahlt wird? Oder nur in dem Fall, wenn es sich dabei um ein Vollprogramm handelt?

Diese Gemengelage führt zu manchen Absurditäten in der Berichterstattung. So wurde „Breaking Bad“ ab der dritten Staffel bereits beim US-Start hierzulande ausführlich besprochen, während anlässlich der Erstausstrahlung der deutschen Synchronfassung bei Sky Atlantic nur noch hier und da ein kurzer Hinweis dazu geschrieben und schließlich die Ausstrahlung bei Arte und also in einen frei empfangbaren Sender glatt unterschlagen wurde, was der Kultursender durch eine unverständliche Programmierung der letzten Staffel bestrafte. „Lilyhammer“ wiederum, dieser norwegisch-amerikanische Ableger der Mafia-Serie „Die Sopranos“, wurde umgekehrt erst beim Start der ersten Staffel im Oktober des vergangenen Jahres größere Anerkennung zuteil, als die Produktion bei Arte lief, obgleich zu dieser Zeit beim Pay-TV-Anbieter TNT Serie bereits die zweite Staffel zu sehen war.

Bei TNT Serie wurde in dieser Woche auch die letzte Folge der dritten Staffel von „Lilyhammer“ ausgestrahlt, die im Übrigen eine kleine Pointe enthielt, die man ruhig erzählen kann, da sie mit der Geschichte dieser Staffel an sich nichts zu tun hat. Denn in ihr tauchte erstmalig der Killer jener Mafiafamilie aus New York auf, der Frank „The Fixer“ Tagliano angehörte, eher er nach einem Deal mit der amerikanischen Polizei nach Norwegen abtauchte. Tagliano (die Hauptfigur wird von Steven van Zandt dargestellt) hat mittlerweile seinen Frieden mit den Verwandten gemacht und leitet nun, wenn man so will, deren Geschäft im Norden Europas. Doch da es Probleme gibt, schickt die Zentrale den erwähnten Killer los, den man zuvor in einer Leichenhalle gleichsam am Material arbeiten sah. Eine merkwürdige Figur, in der man den Darsteller erst gar nicht erkannte. Aber auf den zweiten Blick war man sich schnell sicher, dass es sich hier um den „Boss“ im doppelten Sinne handelt. Zum einen den Boss, also den Arbeitgeber, der Steven van Zandt jahrelang als Gitarristen seiner (realen) E Street Band beschäftigte. Und zum anderen um den Mann, den alle Welt mit Spitznamen „The Boss“ nennt. Kurzum: Bruce Springsteen in Personalunion. Dessen schauspielerische Leistung blieb allerdings überschaubar, so dass mit weiteren Auftritten nicht zu rechnen sein wird.

In Auftrag gegeben wurde die Serie „Lilyhammer“ zusammen mit dem norwegischen Fernsehen von dem US-amerikanischen Videostreaming-Anbieter Netflix, der seit Herbst vorigen Jahres auch in Deutschland einen Ableger gestartet hat, ein Online-Portal mithin, über das man als Abonnent auf eine Vielzahl von Serien zugreifen kann. Doch wie und wann soll man US-Serien besprechen, die man dort abrufen kann?

Zu besprechen und zu loben wäre derzeit zum einen „Fargo“, die serielle Fortschreibung und Weiterentwicklung des gleichnamigen Films der Coen-Brüder. Und zum anderen die Serie „Better Call Saul“, die von jenem Rechtsanwalt James „Jimmy“ McGill (Bob Odenkirk) handelt, der in „Breaking Bad“ mit dessen Protagonisten Walter White geschäftlich verbandelt war, wobei die neue Serie zeitlich vor der früher produzierten angesiedelt ist, also die Vorgeschichte des Anwalts erzählt. Beide Serien sind exzellent, bei Netflix kann man sie in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln sehen. Indes, sie zu besprechen, wenn man das Gefühl hat, das kaum andere Zuschauer sie auch wahrgenommen haben, scheint dann doch zu selbstbezüglich zu sein. Bleibt also abzuwarten, wann diese beiden Serien im hiesigen Pay-TV oder Free-TV auftauchen.

17.04.2015 – Dietrich Leder/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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