WDR-Hörfunkreform vom Rundfunkrat genehmigt

29.12.2020 •

Beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) hat der Rundfunkrat die von der Geschäftsführung geplanten Reformen bei den Hörfunkprogrammen WDR 5 und WDR 2 genehmigt. Der Rundfunkrat stimmte in seiner Sitzung am 10. Dezember, die coronabedingt in der Köln-Messe stattfand, mehrheitlich zu, so dass die Programmänderungen zum 1. Januar bzw. 1. April 2021 in Kraft treten können. Der Genehmigungsbeschluss sei „nach ausführlichen und kritischen Diskussionen“ zustande gekommen, teilte der Rundfunkrat am 11. Dezember mit. Die für den Hörfunk zuständige WDR-Programmdirektorin Valerie Weber hat damit nun ihre Reformpläne durchbekommen, die in der Öffentlichkeit und auch in Teilen des Rundfunkrats auf teilweise deutliche Kritik gestoßen waren (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung).

Im Informationsprogramm WDR 5 wird es somit ab Januar 2021 signifikant weniger eigenproduzierte aktuelle Informationssendungen geben. Die Sendereihe „Mittagsecho“ wird von montags bis freitags nur noch 30 Minuten lang sein (13.00 bis 13.30 Uhr), sie wird mithin um 25 Minuten gekürzt (Sendezeit bis Ende 2020 ist 13.05 bis 14.00 Uhr). Im Anschluss an das verkürzte „Mittagsecho“ folgen künftig Nachrichten, bevor von 13.35 bis 14.00 Uhr eine Auslandsreportage (montags) bzw. ein Feature (dienstags bis freitags) zu hören sein wird.

Weniger aktuelle Information im Tagesprogramm von WDR 5

Die „Mittagsecho“-Ausgaben am Wochenende entfallen ab Januar sogar komplett. Die samstägliche Ausgabe der Informationssendung hat bis Ende Dezember noch eine Sendelänge von 55 Minuten (13.05 bis 14.00 Uhr), die Sonntagsausgabe ist 25 Minuten lang (13.05 bis 13.30 Uhr). Auf den bisherigen „Mittagsecho“-Sendeplätzen am Wochenende strahlt WDR 5 dann Hintergrundformate aus. Samstags sind die monothematische Sendung „Profit – das Thema“ (13.05 bis 13.30 Uhr) und Sendungen der Reihe „Tiefenblick“ (13.30 bis 14.00 Uhr) zu hören; sonntags wird ab 13.05 Uhr ein Feature gesendet („Dok 5 – das Feature“, bis Ende 2020 sonntags, 11.05 bis 12.00 Uhr). Am Samstag nimmt WDR 5 ferner die Sendung „Sport inside“ (18.10 bis 19.00 Uhr) neu ins Programm, die damit so heißt wie das im WDR Fernsehen ausgestrahlte Sport-Hintergrundmagazin. Eingestellt wird dagegen die bislang samstagmorgens laufende Sendung „Polit-WG“, in der Moderatoren und Redakteure von WDR 5 über ein Thema der Woche diskutieren (9.05 bis 9.45 Uhr).

Das bisher auf WDR 5 von 18.30 bis 19.00 Uhr ausgestrahlte Informationsformat „Echo des Tages“ bleibt ab Januar auf diesem Programmplatz. Die Sendung will der WDR aber neu konzipieren; gleiches gilt für das künftig gekürzte „Mittagsecho“, das dann einzelne Themen vertieft behandeln und „vermehrt lösungsorientierte Ansätze im Sinne des konstruktiven Journalismus“ enthalten soll. Eingestellt wird auf WDR 5 Ende 2020 außerdem die halbstündige Sendereihe „Berichte von heute“, die von montags bis freitags ab 23.30 Uhr bei WDR 5 zu hören ist (und zusätzlich auch bei WDR 2). Ab Januar läuft bei WDR 5 von 23.05 bis 6.00 Uhr die „ARD-Info-Nacht“, deren Produktion mit dem Jahreswechsel der Norddeutsche Rundfunk (NDR) vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) übernimmt. Die „ARD-Info-Nacht“ können die übrigen ARD-Anstalten übernehmen.

WDR-2-„Stichtag“ als ARD‑Kooperation

Bei WDR 2 führt die vom Rundfunkrat gebilligte Programmreform dazu, dass Ende März 2021 die tägliche vierminütige Sendung „Stichtag“ auf WDR 2 in der bisherigen Form ausläuft. Anschließend gibt es bei WDR 2, weiter unter dem Namen „Stichtag“, täglich einen Geschichtsbeitrag, der im Rahmen eines Kooperationsprojekts innerhalb der ARD entsteht, so dass hier nur noch zu einem geringeren Teil WDR-Autoren Beiträge zuliefern können. Die Federführung für das neue „Stichtag“-Format liegt bei der Geschichtsredaktion von Radio Bremen. Neben dem WDR machen weitere ARD-Sender bei dem Projekt mit.

Aus dem WDR-Rundfunkrat, der sich über mehrere Monate mit den Reformplänen befasst hat, war die Forderung erhoben worden, den „Stichtag“ in der bewährten Qualität auf WDR 2 zu erhalten. Gegen die Abschaffung der „Stichtag“-Reihe in der bisherigen Form hatten sich Ende September 100 Personen des öffentlichen Lebens (vgl. MK-Dokumentation) und vor der jüngsten WDR-Rundfunkratssitzung auch zahlreiche Historiker ausgesprochen. „Kooperationen sind wichtig und auch nötig, um kostengünstig Lücken im Programm auffangen zu können. Allerdings dürfen durch die geplanten Maßnahmen vor allem die Qualität und der Umfang der Informationssendungen insgesamt nicht leiden“, erklärte Petra Kammerevert, die den Programmausschuss des WDR-Rundfunkrats leitet, nach dessen Genehmigung der Reformpläne.

Der Rundfunkrat beschloss, die Hörfunkreform im Herbst 2021 zu evaluieren. Dabei werde das Gremium, wie es hieß, „auch die Weiterentwicklung der renommierten Geschichtssendungen ‘Zeitzeichen’ und ‘Stichtag’ besonders kritisch ins Auge fassen“. Der WDR hatte erklärt, die 15-minütige Sendereihe „Zeitzeichen“, die täglich bei WDR 5 (9.45 Uhr) und zusätzlich bei WDR 3 (17.45 Uhr) läuft, nach dem NDR-Ausstieg aus der Kooperation bei diesem Format fortzuführen, dafür aber aus finanziellen Gründen bei der „Stichtag“-Reihe von WDR 2 auf das Kooperationsmodell innerhalb der ARD zu setzen.

Auslaufende Kooperationen mit dem NDR

Abzuwarten bleibt, ob die Qualität der „Zeitzeichen“-Beiträge erhalten bleiben kann, da WDR-Autoren bisher Themen gleichzeitig für „Stichtag“ und „Zeitzeichen“ bearbeitet haben, um dadurch aus ihrer Sicht ein angemessenes Honorar zu erhalten. Aufgrund des neuen Kooperationsmodells beim „Stichtag“ werden WDR-Autoren künftig nur noch selten Aufträge erhalten, mit denen sie ein Thema sowohl für die Reihen „Stichtag“ als auch für „Zeitzeichen“ bearbeiten können.

Aus Spargründen hatte der NDR im Sommer mehrere Hörfunkkooperationen mit dem WDR bei Informationssendungen zum 31. Dezember 2020 gekündigt, was beim WDR nach eigener Darstellung zu finanziellen Mehrbelastungen im hohen sechsstelligen Bereich führt. Der NDR entschied, die Zusammenarbeit mit dem WDR bei der Reihe „Zeitzeichen“ und den drei Informationssendungen „Mittagsecho“, „Echo des Tages“ und „Berichte von heute“ zu beenden. In der Produktion der drei letztgenannten Formate wechseln sich WDR und NDR bis Ende 2020 noch wöchentlich ab. Der WDR hält wegen der auslaufenden Kooperationen mit dem NDR und eigener finanzieller Zwänge die Reformen bei WDR 5 und WDR 2 über die Einstellung von Sendungen und die Umschichtung von Ressourcen für notwendig.

29.12.2020 – Volker Nünning/MK

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