Stücke von Deutschlandfunk, MDR und SWR für Hörspielpreis der Kriegsblinden nominiert

04.06.2020 •

Die drei Nominierungen für den diesjährigen Hörspielpreis der Kriegsblinden sind am 28. Mai bekanntgegeben worden. Wie die Film- und Medienstiftung NRW in Düsseldorf mitteilte, sind von der 15-köpfigen Jury des Wettbewerbs die Produktionen „Audio.Space.Machine. Ein Bauhaus-Konzeptalbum“ (Deutschlandfunk), „Die Entgiftung des Mannes“ (MDR) und „Das Ende von Iflingen“ (SWR) nominiert worden. Insgesamt waren von den öffentlich-rechtlichen Sendern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz 22 Produktionen eingereicht worden. Die renommierte Auszeichnung wird am 24. Juni vergeben, und zwar coronabedingt nicht im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung, sondern als Podcast-Preisverleihung.

„Audio.Space.Machine“ ist ein Stück des Autorenduos Wittmann/Zeitblom zum 100-jährigen Bestehen des Bauhauses (vgl. MK-Kritik). In 18 Tracks beleuchteten Christian Wittmann und Georg Zeitblom in ihrer Radioarbeit 100 Jahre Maschine-Mensch-Beziehung, das idealistisch-utopische Denken der Bauhaus-Bewegung, ihre Mythen und Manien. Federführend produziert wurde das Hörspiel vom Deutschlandfunk; NDR und SWR waren als Koproduzenten beteiligt.

Preisverleihung als Podcast

Das MDR-Stück „Die Entgiftung des Mannes“ stammt von Holger Böhme. Er erzählt in seiner „Radiokomödie in 10 Szenen“ von den beiden Dresdnerinnen Steffi und Isa, die sich im Herbst 1989 bei den Dresdner Montags-Demonstrationen kennengelernt, doch in den Nachwendewirren bald aus den Augen verloren haben. 30 Jahre später begegnen sie sich wieder, als Steffi in Isas Agentur für ihren Mann Jochen Plakate der rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung in Auftrag geben will. Die beiden Frauen versuchen, Jochen für Demokratie, Toleranz und Vielfalt zurückzugewinnen. Doch die „Entgiftung des Mannes“ gestaltet sich schwieriger als gedacht.

In dem SWR-Hörspiel „Das Ende von Iflingen“ (vgl. MK-Kritik) beschreibt Autor Wolfram Lotz finster, komisch und leise melancholisch den Tag des Jüngsten Gerichts, von dem auch das fromme Örtchen Iflingen in der südwestdeutschen Provinz nicht verschont bleibt. Als Erzengel Michael mit flammendem Schwert und loderndem Arbeitseifer dessen Einwohner „zu Asche schlachten“ will, kommt sein Engelskollege Ludwig angeflattert, mit Posaune statt mit Schwert, und meldet Zweifel an dem Vorhaben an – und damit an Gottes Plan! Entnervt schreitet Erzengel Michael voran, den verzagten Posaunenengel im Schlepptau, um die göttliche Anweisung energisch in die Tat umzusetzen.

Der Hörspielpreis der Kriegsblinden wird seit 1952 jährlich an ein für einen deutschsprachigen Sender konzipiertes Originalhörspiel verliehen, „das in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert“. Die Auszeichnung wird getragen von der Film- und Medienstiftung NRW und vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), der in diesem Jahr die Mitträgerschaft vom Bund der Kriegsblinden Deutschland (BKD) übernommen hat, der den Preis begründete. Die von Ute Soldierer moderierte Preisverleihung wird als Podcast ab dem 24. Juni unter www.filmstiftung.de abrufbar sein. Ursprünglich war geplant, dass die Verleihung beim Deutschlandfunk in Köln stattfindet. Der „Hörspielpreis der Kriegsblinden – Preis für Radiokunst“ wird nun zum 69. Mal vergeben.

04.06.2020 – da/MK

Print-Ausgabe 13-14/2020

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren