Stefan Veith/Peter Fey: Zwischen Schokolade und Prothesen. Hörspiel in Songs und Szenen (SWR 2)

Toten- und Zotentanz

09.12.2019 •

Stefan Veith, selbstverliebter Anarchosatiriker und Chefmanager im von ihm geführten virtuellen Hotelharakiri.de, bemerkt in einer autobiografischen Studie über sich selbst in der dritten Person: „Man sagt, er sei schnell, immer der Zeit voraus, aber leider auch etwas unpräzise. Man sagt, wer sich an ihn dranhängt und ihm hilft, seine Visionen in die Tat umzusetzen, der begibt sich weg von dem Unter-dem-Scheffel-setzen. Und dessen Licht erstrahlt in hellem Glanze. So erging es vielen.“

Es sind hingeworfene Cerebral-Aphorismen wie diese, die auch das verkrampfte Ulk-Hörspiel „Zwischen Schokolade und Prothesen“ literarisch wie satirisch völlig entkräftet schmückten und damit als Bestandteil einer vor allem peinlichen Radiosendung dienten, rund 70 Minuten lang und platziert auf dem Sendeplatz „SWR 2 Hörspielstudio“. Zusammen mit dem Komponisten, Musiker und Produzenten Peter Fey hatte Stefan Veith das Stück konzipiert und realisiert. 

Und das Duo kalauerte sich hier in der bisweilen bis zur Kenntlichkeit abgekupferten Handschrift nach Helge Schneider, den man nicht mögen muss und ihm doch Witz und Esprit nachsagen wird, durch einen akustischen Toten- und Zotentanz, der umständlich vom Krankenhausmartyrium des Salonlöwen Gallus von Tabernagel und dessen vermeintlich unbeschwertem Gang durchs ewige Leben berichtet. In schrägen Intonierungen (in aller Regel unzulänglich choreografiert und abgemischt) trällern da Knabenstimmen, woraufhin ein Sprecher einem neuen Glaubensbekenntnis gleich die Sätze äußert: „Schicke deinen Sohn stolz in den Krieg, haben wir ihn zu Hause besonders lieb. Dann abgehackt sein linkes Bein, baut man ihm eine Prothese ein.“

Diese Radioübung, einschließlich ihrer musikalischen Versuchsanordnungen mit bemühten Bruchstücken und Kindersingsang, dürfte möglicherweise nicht einmal als Ausrutscher auf einem Abi-Ball durchgehen, es sei denn, dem Publikum würde zuvor kräftig mit Jägermeister, Korn und Bier eingeheizt. Das Grundgesetz mit seinem Artikel 1 („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) darf man ja gerne einmal verballhornen, aber die hier gebotene Niveaulosigkeit bereits im Auftakt des Hörspiels, die hat zumindest die Würde des Hörspielhörers in erhebliche Mitleidenschaft gezogen. Das war dann doch zu krachledern-primitiv und verkrampft-blödsinnig.

Und es sei belehrend, ganz von oben herab, hinzugefügt: Es war der Wiener Kabarettist Peter Wehle (1914-1986), der einmal gesagt hat: „Kabarett muss nicht sein.“ Es wäre schön gewesen, wenn die Humorkanonen Stefan Veith und Peter Fey diesen Satz in aller Ruhe einer selbstkritischen Würdigung unterzogen hätten – die Hörspielpleite unserer beiden Radiokomiker wäre uns erspart geblieben. Bleibt staunend zu fragen, warum die Hörspielabteilung des SWR dem akustischen Radiofiasko zumindest aus Gründen der Verantwortung und des notwendigen Schutzes für die Autoren Veith und Fey nicht schon im Vorfeld Einhalt geboten hat.

09.12.2019 – Christian Hörburger/MK

Print-Ausgabe 13-14/2020

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