Sechsteiler „Unterleuten“ ist Hörspiel des Monats Oktober

14.11.2018 • Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das Stück „Unterleuten“ zum Hörspiel des Monats Oktober gewählt. Bei „Unterleuten“ handelt es sich um die im Auftrag von RBB und NDR entstandene Hörspielversion des gleichnamigen Buchs von Juli Zeh; Judith Lorentz hat den 2016 erschienenen Roman als Sechsteiler für den Funk eingerichtet und dabei auch die Regie geführt (Redaktion: Juliane Schmidt/RBB). Die Erstausstrahlung von „Unterleuten“ erfolgte am 3. Oktober („Tag der Deutschen Einheit“) im Kulturradio des RBB, der an diesem Tag von 12.04 bis18.00 Uhr alle sechs Teile, die jeweils knapp eine Stunde lang sind, hintereinander sendete (vgl. MK-Kritik). Die Gesamtproduktion „Unterleuten“ ist in den Mediatheken von RBB und NDR weiterhin als Podcast abrufbar.

Die Jury der Akademie hat nun zum dritten Mal hintereinander kein Einzelstück, sondern einen Mehrteiler zum Hörspiel des Monats gewählt. Im September war es die zweite Staffel der Serie „Paartherapeut Klaus Kranitz – Bei Trennung Geld zurück“ (Radio Bremen/Saarländischer Rundfunk), im August der Vierteiler „Des Teufels langer Atem“ (WDR). Zu ihrer Entscheidung, den Sechsteiler „Unterleuten“ zum Hörspiel des Monats zu benennen, hat die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste die folgende, wie sie hervorhob, „Begründung in sechs Teilen“ geschrieben:

Teil 1: Deutet an, warum diese Jury der Umsetzung von Juli Zehs „Unterleuten“ von der Publikation zum Hörspiel/Podcast mit besonderem Interesse lauschte. Wurde doch die Romanvorlage seit 2016 zu Theaterstück, Hörbuch und Internetauftritt weiterverarbeitet, und die Dreharbeiten zum Film haben begonnen. Ist überbordendes Erfolgs- und Leistungsdenken nicht ein Schlüsselthema des Romans?!

Teil 2: Weist auf die Aktualität und zugespitzte Lebensnähe des Stoffes hin. Da geht es um ein Dorf in der Uckermark, an dessen Strukturen sich gesellschaftliche Phänomene ablesen lassen: Verwandtschaftliche Bindungen verknüpfen sich mit ökonomischen Abhängigkeiten. Ost- und westdeutsche Mentalität prallen hart aufeinander, Konflikte um Profitgier, Klimaschutz, Naturschutz wachsen durch Verrat und enden mit Gewalt. Menschen die Gutes wollen, erreichen das Gegenteil.

Teil 3: Berichtet, dass sich Judith Lorentz erfolgreich von der erzählenden Vorlage emanzipiert und den Text in vollendeter Dramaturgie zum dialogischen Hörspiel umgestaltet hat. Mit gleichberechtigten Stimmen, die aus ihrer Perspektive heraus erzählen, ohne den Beiklang von Papier. Erwähnenswert auch die konzise Zusammenfassung, die in jeder Folge den ungewohnt schnellen Wiedereinstieg ermöglicht.

Teil 4: Führt aus, dass Judith Lorentz eine ebenso überzeugende Regieleistung abliefert, die sich sowohl in der Arbeit mit dem Schauspieler-Ensemble als auch in der atmosphärischen Verdichtung von Klängen und Räumen abbildet. Ein starker Rhythmus entsteht zwischen interviewähnlichen Passagen, akustisch ausdifferenzierten Szenen und inneren Monologen.

Teil 5: Hebt die Leistung eines hochkarätigen Schauspieler-Ensembles hervor, das sich seine Rollen teils frei erzählend, teils vom Blatt gestaltend erarbeitet hat und dadurch eine Lebendigkeit und Echtheit erzeugt, die beeindruckt. Stimmfarben entfalten Wirkung hier, sowie eine hohe Dynamik an Ausdrucksmöglichkeiten und die Authentizität diverser Dialekte.

Teil 6: Würdigt die Arbeit von Tonmeister Peter Avar und Komponist Lutz Glandien, die dem dichten Gewebe von Klangebenen akustischen Glanz und Tiefenschärfe verleihen. Der virtuose Einsatz von extrem nah aufgenommener Sprache im Studio, die mit Vor-Ort-Aufnahmen in der Halbtotale kontrastieren und sich gestaffelt in die Panoramatotale einfügen – dazu klangprächtige Tieraufnahmen und abstrakt-realistische Musikakzente. Das lebt.

Eine lobende Erwähnung „im Sinne eines zweiten Preises“ sprach die Jury auch im Monat Oktober wieder aus, und zwar für das Stück „Bei Trost“. „Diese Hörspieladaption von Naema Gabriels Graphic Novel ‘Sinus’ zeichnet“, so die Jury, „in starker Bildsprache das kaum vorstellbare Achterbahnleben einer heranwachsenden Tochter mit ihrer manisch-depressiven Mutter nach. Stimmlich authentisch und beeindruckend wandelbar begleitet die Sprecherin Laura Maire das Mädchen Mo zwischen ihrem 6. und 16. Lebensjahr. Erkenntnisreich und emotional stark mit einer positiven Grundnote.“ Das Stück „Bei Trost“ wurde am 14. Oktober um 14.04 Uhr im Programm HR 2 Kultur erstausgestrahlt (vgl. MK-Kritik). Regisseurin bei dem rund einstündigen Hörspiel war Bernadette Sonnenbichler (Komposition: Tobias Vethake/HR).

14.11.2018 – MK

Print-Ausgabe 24/2018

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