Reformpläne für Radioprogramm WDR 5: Weniger aktuelle Informationssendungen

25.11.2020 •

Beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) soll es im Hörfunkprogramm WDR 5 künftig weniger eigenproduzierte aktuelle Informationssendungen geben. Geplant ist, dass WDR 5 ab Januar 2021 um 13.05 Uhr nur noch ein 35-minütiges Informationsformat ausstrahlt – anstelle der bisherigen 55 Minuten langen Sendereihe „Mittagsecho“ (montags bis samstags; sonntags ist die Sendung bisher 25 Minuten lang). Außerdem soll Ende 2020 die halbstündige Reihe „Berichte von heute“ eingestellt werden, die von montags bis freitags ab 23.30 Uhr bei WDR 5 zu hören ist (und zusätzlich auch bei WDR 2). Der WDR bestätigte auf MK-Nachfrage die Pläne, bei WDR 5 die mittägliche Informationssendung um 20 Minuten kürzen und die Reihe „Berichte von heute“ aus dem Programm nehmen zu wollen.

Hintergrund für diese geplanten Maßnahmen ist laut WDR die Entscheidung des Norddeutschen Rundfunks (NDR), aus Spargründen mehrere Hörfunkkooperationen mit dem WDR bei Informationssendungen zum 31. Dezember 2020 zu beenden. Dazu gehört die Zusammenarbeit zwischen beiden öffentlich-rechtlichen Sendern bei den Sendungen „Mittagsecho“ und „Berichte von heute“. NDR und WDR kooperieren außerdem bei der abendlichen Informationssendung „Echo des Tages“, die bei WDR 5 zwischen 18.30 und 19.00 Uhr ausgestrahlt wird. In der Produktion dieser drei Informationsformate wechseln sich WDR und NDR wöchentlich ab (beim Norddeutschen Rundfunk sind die Sendungen bis Jahresende noch im Programm NDR Info zu hören).

Sparzwang wegen auslaufender Kooperationen

Gekündigt hat der NDR zum Jahresende 2020 darüber hinaus die Kooperation mit dem WDR bei der 15-minütigen Sendereihe „Zeitzeichen“, die täglich bei WDR 5 (um 9.45 Uhr) und zusätzlich bei WDR 3 (um 17.45 Uhr) sowie auf NDR Info (um 20.15 Uhr) ausgestrahlt wird. Die Sendung „Zeitzeichen“ will der WDR auch nach dem Ausstieg des NDR im Programm halten. Um dafür dann noch ausreichende finanzielle Mittel zu haben, steht allerdings das auf WDR 2 gesendete tägliche Format „Stichtag“ (vier Minuten) zur Disposition (vgl. MK-Meldung).

WDR-Kulturchef Florian Quecke hatte Ende September erklärt, um nach dem Ausstieg des NDR aus der „Zeitzeichen“-Kooperation diese Reihe erhalten zu können, werde der „Stichtag“ auf WDR 2 „ab April 2021 durch einen kurzen täglichen Geschichtsbeitrag abgelöst“. An diesem Format, einer Kooperation mehrerer ARD-Anstalten, arbeite federführend die Geschichtsredaktion von Radio Bremen, so Quecke. Gegen die Abschaffung der bisherigen „Stichtag“-Reihe und zusätzlich für den Erhalt der „Zeitzeichen“-Reihe im WDR-Hörfunk hatten sich Ende September 100 Personen des öffentlichen Lebens ausgesprochen und hierzu einen offenen Brief verfasst, adressiert an WDR-Intendant Tom Buhrow und an Valerie Weber, WDR-Programmdirektorin NRW, Wissen, Kultur (vgl. MK-Dokumentation

Was nun die Informationssendungen von WDR 5 anbelangt, sehen die Reformpläne des WDR derzeit vor, anstelle des bisherigen 55 Minuten langen „Mittagsechos“ ab Januar 2021 eine neue 35-minütige Informationssendung auszustrahlen, die den Hörern „weiterhin aktuelle Informationen“ bieten, „dabei aber auch noch stärker als bisher einzelne Themen vertiefen“ solle, wie der WDR gegenüber der MK erklärte. Zudem sollten „auch vermehrt lösungs­orientierte Ansätze im Sinne des konstruktiven Journalismus eine Rolle spielen“. Vorgesehen sei, im Anschluss an die neue Sendung, die derzeit entwickelt werde, ab 13.40 Uhr „ein 20-minütiges aktuelles Feature“ auszustrahlen.

Übernahme der „ARD-Info-Nacht“

Auch die abendliche WDR-5-Sendung „Echo des Tages“ soll dem WDR zufolge im kommenden Jahr „durch eine neue aktuelle Informationssendung“ ersetzt werden, die weiterhin von 18.30 bis 19.00 Uhr zu hören sein soll. Diese Sendung werde ebenfalls zur Zeit entwickelt, so der WDR. Anstelle der kurz vor Mitternacht gesendeten Reihe „Berichte von heute“ wird es auf WDR 5 ab Januar 2021 die „ARD-Info-Nacht“ geben, die bis Ende 2020 noch vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) produziert wird. Mit Beginn des neuen Jahres wechselt die Zuständigkeit dafür zum NDR.

Die „ARD-Info-Nacht“, die ab Januar 2021 in der Zeit von 22.00 bis 6.00 Uhr morgens laufen wird (bis Ende 2020 noch 23.00 bis 6.00 Uhr), soll nach Angaben des WDR künftig neben aktuellen und Hintergrundberichten auch längere Programmelemente wie Features enthalten. Wenn der WDR ab Januar 2021 die „ARD-Info-Nacht“ bei WDR 5 für die Zeitspanne von 23.00 bis 6.00 Uhr übernimmt, sollen innerhalb dieser Programmstrecke weiterhin bestimmte Sendungen aus dem Tagesprogramm von WDR 5 wiederholt werden.

Der WDR hält die Einstellung von Sendungen und die Umschichtung von Ressourcen bei WDR 5 als Folge der auslaufenden Kooperationen mit dem NDR für notwendig. So gelinge es, einen Großteil der bisherigen Informationsangebote für die Hörer zu erhalten, erklärte der Sender: „Um Informationssendungen künftig allein zu produzieren, müssen wir Mittel sparen und Ressourcen umschichten. Dadurch kommt es zu Anpassungen im Programmschema.“

Kritik aus dem WDR-Rundfunkrat

Die geplanten Änderungen im Programmschema beim WDR-Hörfunk, vor allem bei WDR 5, werden seit einigen Wochen auch im WDR-Rundfunkrat und dessen Programmausschuss beraten. Bevor die Modifikationen umgesetzt werden können, müssen sie vom Rundfunkrat genehmigt werden, was bisher noch nicht geschehen ist. Vielmehr stoßen im Rundfunkrat die Programmpläne für den WDR-Hörfunk auf teilweise deutliche Kritik. Nach seiner letzten Sitzung am 9. Oktober hatte der Rundfunkrat etwa in seinem Newsletter erklärt, zahlreiche Mitglieder forderten, den „Stichtag“ in der bewährten Qualität auf WDR 2 zu erhalten. Das Argument, der WDR müsse Kosten sparen, weil sich der NDR aus langjährigen Kooperationen zurückziehe, sei nicht ausreichend, hieß es.

„Gemessen am Budget des WDR wären die Einsparungen sehr gering“, erklärte Petra Kammerevert, die Vorsitzende des Programmausschusses, mit Blick auf die „Stichtag“-Reihe: „Die Streichung eines so wichtigen und beliebten Programmteils scheint nicht angemessen.“ Gegen eine Kooperation mit anderen ARD-Anstalten, wie sie nun angedacht würden, sei nichts einzuwenden. Voraussetzung sei jedoch, dass die Marke „Stichtag“ mit dem bisherigen Tiefgang und in der vierminütigen Dauer erhalten bleibe, sagte Kammerevert. Hierzu solle Programmdirektorin Valerie Weber dem Programmausschuss des WDR-Rundfunkrats eine Lösung vorschlagen.

Es ist in der Tat schon merkwürdig, dass der WDR im Fernsehbereich für diverse Sendungen auch in der ARD Millionenbeträge zur Verfügung stellt, etwa zur Mitfinanzierung von Unterhaltungs- und Krimiformaten, Fußball-Übertragungsrechten (Bundesliga, Nations League) und Polit-Talkshows, darunter auch die beiden WDR-Sendungen „Hart aber fair“ und „Maischberger. Die Woche“ – aber beim Informationsbereich im WDR-Hörfunk, wo es um deutlich geringere Geldbeträge geht, kleinteilige programmliche Einsparungen umsetzen will, um hier die Finanzierung zu sichern.

25.11.2020 – Volker Nünning/MK

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