ORF-Stück „Flüstern in stehenden Zügen“ zum Hörspiel des Monats Juni gewählt

22.07.2021 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das Stück „Flüstern in stehenden Zügen“ von Clemens J. Setz zum Hörspiel des Monats Juni gewählt. Es handelt sich um eine Produktion des Österreichischen Rundfunks (ORF), die in einer Kooperation des Programms Ö1 mit dem Schauspielhaus Graz und dem ORF-Landesstudio Steiermark entstand. Das Hörspiel basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Clemens J. Setz. Regisseur des Hörspiels war Philip Scheiner, der auch die Funkbearbeitung besorgte. Für die Komposition zeichneten Stefan Martin Weber und Grilli Pollheimer verantwortlich. Die Sprecher in dem Stück waren Raphael Muff, Franz Solar und Evamaria Salcher. Das Hörspiel „Flüstern in stehenden Zügen“ wurde am 13. Juni um 23.03 Uhr bei Ö1 urgesendet.

In dem 55-minütigen Hörspiel geht es um Einsamkeit, Isolation und Entfremdung. Die einzige Verbindung zur Welt scheinen die digitalen Medien zu sein, in diesem Fall ist es vor allem das Telefon. In „Flüstern in stehenden Zügen“ ruft der in einem Computerladen arbeitende Protagonist C. (Raphael Muff) auf der Suche nach menschlichem Kontakt und nach ‘normalen’ Gesprächen bei Abzocker-Hotlines an, also bei Internet-Betrügern. Doch C. bekommt dabei nicht, was er sich wünscht, und deshalb liest er den Gesprächspartnern in den Fake-Callcentern die Leviten, ohne seine Sehnsucht nach Nähe zu verbergen. Raphael Muff spielte auch in der Theaterinszenierung am Schauspielhaus Graz die Hauptrolle. Dort hatte das Stück im Mai 2021 Premiere.

„Aufgeheizte Klangwüsten“

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste schreibt in der Begründung zu ihrer Entscheidung, Raphael Muff beeindrucke in dem Hörspiel als einsamer Protagonist mit einem „eindringlichen Audiomonolog“. Mit schwerer Zunge gehe er mit seinen betrügerischen Gesprächspartnern auf Tuchfühlung, „gewitzt versucht er menschliche Regungen beim stummen Gegenüber zu provozieren und erfindet sich dabei von Telefonat zu Telefonat neu“. In Philip Scheiners Bearbeitung des Theaterstücks von Clemens J. Setz würden „die kurzen Gesprächspassagen zu aufgeheizten Klangwüsten“. Und gerade der Umstand, dass die Antworten auf C.s Gesprächsbemühungen nicht zu hören seien, mache „das Radiostück zum emotionalen Hörspielabenteuer“. Das Zuhören werde zur „Achterbahnfahrt der Gefühle“. Dabei wechselten sich Ekel, Mitgefühl, Unverständnis und Schadenfreude genauso schnell ab wie die Namen der kontaktierten Callcenter-Mitarbeiter.

Weiter heißt es in der Begründung unter anderem: „Der dramaturgisch fein gewebte Text mit seinen raumgreifenden Pausen hat die Jury sofort in den Bann gezogen. Zusammen mit der nuancenreichen Stimme Raphael Muffs entfaltet die sphärische Klangkomposition aus metallischen Sounds ein wunderbares akustisches Kammerspiel. Muffs Stimme changiert zwischen Zärtlichkeit, unverhohlener Aggressivität und unendlicher Traurigkeit. Dahinter steht eine dichte Klangkulisse voller mysteriöser Geräusche, die durch die Leitungen vibrieren. Grilli Pollheimers Originalmusik fürs Theaterstück akzentuiert gemeinsam mit den Sounds von Stefan Martin Weber das Gesprochene.“

22.07.2021 – MK

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