Österreichische Produktion „Woyzeck“ ist Hörspiel des Monats Dezember

11.01.2020 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das Stück „Woyzeck“ zum Hörspiel des Monats Dezember gewählt. Bei dem knapp einstündigen Hörspiel nach dem Dramenfragment des Dichters Georg Büchner (1813-1837) handelt es sich um einen Autorenproduktion im Auftrag des Österreichischen Rundfunks (ORF). Stefan Weber erstellte die Hörfassung und führte dabei auch Regie.

Weber, geboren 1962 in Bern, war einige Jahre Tonmeister am Schauspielhaus Zürich und arbeitete dann im Bereich Musik und Sounddesign sechs Jahre lang mit dem Regisseur Benno Besson zusammen. Anschließend war er als freier Regisseur in Zürich und Bern, ab 1998 auch in Wien und Linz tätig. Heute arbeitet er als freier Autor, Regisseur und Sounddesigner, insbesondere für die Bereiche Feature und Hörspiel beim ORF-Radioprogramm Ö1. Die Erstsendung des Stücks „Woyzeck“ erfolgte am 21. Dezember 2019 bei Ö1 (14.00 Uhr). Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:

«Das Hörspiel „Woyzeck“ nach dem gleichnamigen Theaterstück von Georg Büchner beeindruckt im besonderen Maße als hochkonzentriertes und zur Konzentration zwingendes Kunstwerk. Dieses außerordentlich intensive Gestaltungsprinzip, ermöglicht durch die herausragende Leistung der Schauspieler (unter anderem Markus Meyer als „Woyzeck“, Matthias F. Stein als „Hauptmann“ und Katrin Thurm als „Marie“), fesselt vom Anfang bis zum Ende der Produktion.

Wenngleich es für das „Woyzeck“-Fragment bereits zahlreiche (Hör-)Inszenierungen gibt, überzeugt die von Stefan Weber verantwortete Dramatisierung durch einen originellen Umgang mit dem Stoff: Vom konsequenten Missbrauch einer deformierten Kreatur bis zum affektgesteuerten Mord am Ende einer Gewaltspirale ermöglicht das Hörspiel einen bewegend-empathischen Mitvollzug von Woyzecks Demontage bis hin zu seiner emotionalen Zerrüttung. Die nicht nachlassende Wirkung des Werks basiert auf einer Inszenierung, die auf allen Ebenen minimalistisch mit Feinschattierungen und Laut-Leise-Brüchen operiert. Webers Produktion ist reduziert, aber in ihrer Gestaltung höchst effektiv und gerade dadurch umso eindringlicher und wirkmächtiger. Die emotionalen Ausnahmezustände eines empfindsamen Menschen, dem das Menschsein unmöglich gemacht wird, erscheinen so für die Hörenden schmerzvoll nachfühlbar.»

Eine lobende Erwähnung sprach die Jury im Dezember für das Hörspiel „Zornfried“ aus. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Kurzroman von Jörg-Uwe Albig und wurde von der WDR-Dramaturgin Hannah Georgi, die auch Regie führte, für den Funk bearbeitet. Die Jury schreibt dazu: „Die scharfe Satire auf das Faszinations- und Verstörungspotenzial der Neuen Rechten arbeitet mit vehementen inszenatorischen Mitteln, vor allem mit beeindruckenden Rezitationen technisch hervorragend nachkomponierter Lyrik im Stefan-George-Stil als Mittel der sezierenden Ideologiekritik und handlungslenkenden Strukturierung. Entlarvend, burlesk, mahnend!“ Das Hörspiel „Zornfried“ wurde, vom Sender in je zwei rund halbstündige Blöcke gesplittet, am 2. und 3. Dezember 2019 im Programm WDR 3 urgesendet (jeweils 19.04 Uhr).

11.01.2020 – MK