Neue Organisationsstruktur im WDR-Hörfunkbereich

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) in Köln hat die Organisationsstruktur innerhalb seiner Hörfunkdirektion geändert. Anfang April wurde der Bereich „Breitenprogramme“ eingeführt, dem nun die Wellen 1Live und WDR 2 zugeordnet sind. Am 1. August dieses Jahres kommt dann noch WDR 4 als drittes Programm dazu. Die Leitung des neu geschaffenen Bereichs hat am 1. April Jochen Rausch übernommen. Der 59-Jährige war zuvor (ab dem Jahr 2000) Chef der Jugendwelle 1Live, die vor 20 Jahren am 1. April 1995 auf Sendung gegangen war.

Angelica Netz, bisher WDR-2-Programmchefin und zusätzlich Hörfunkchefredakteurin des Senders, verantwortet seit Anfang April die neue, wellenunabhängige Chefredaktion. Zu dieser Hauptabteilung gehören neben der Nachrichtenredaktion, dem Auslandskorrespondentennetz und dem Hauptstadtstudio Berlin zusätzlich die zentrale Informationseinheit des aktuellen Desks und die crossmedial arbeitenden Redaktionsbereiche Wirtschaft und Sport. Die 61-jährige Angelica Netz hatte Anfang April 2003 die Leitung von WDR 2 übernommen. Am 1. November 2009 war sie zusätzlich Hörfunkchefredakteurin des WDR geworden.

Duale Flottenstrategie

WDR 4 wird seit dem Jahr 2000 von Rena Pieper geleitet. Sie werde die Integration des Programms in den neuen Bereich „in den kommenden Monaten mit ihrer Expertise intensiv begleiten und sich nach der erfolgten Strukturreform anderen Aufgaben widmen“, teilte eine WDR-Sprecherin dazu auf MK-Nachfrage mit. Was Rena Pieper, 63, ab August dieses Jahres machen wird, will der WDR „zu gegebener Zeit“ bekannt gegeben.

Von der aktuellen Strukturreform in der Hörfunkdirektion sind die Programme WDR 3, WDR 5 und Funkhaus Europa nicht betroffen. Geleitet werden diese Programme weiterhin von Karl Karst (WDR 3), Florian Quecke (WDR 5) und Thomas Reinke (Funkhaus Europa). Zur Begründung für den organisatorischen Umbau verwies WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber auf die geänderte Mediennutzung im digitalen Zeitalter. „Beweglichere Strukturen sind ein erster, wichtiger Schritt auf dem Weg hin zu einem modernen Medienunternehmen. Die Vielfalt unserer Hörfunkmarken und Angebote besser abzustimmen sowie die Verbreitung der eigenen Inhalte über neue Plattformen im Netz schneller zu koordinieren, das ist das Ziel dieses wellenübergreifenden Prozesses“, erklärte Weber laut einer Pressemitteilung des WDR, in der die Umbaumaßnahmen offiziell bekannt gegeben wurden.

Im Februar hatte Valerie Weber, nachdem die Pläne den Mitarbeiter präsentiert worden waren, von einer „dualen Flottenstrategie“ gesprochen, die der WDR künftig im Hörfunk umsetzen wolle: Neben den drei Sparten- und Kulturprogrammen sollten die drei an ein breites Publikum gerichteten Wellen unter eine gemeinsame Führung gestellt werden. Dadurch solle auch die programmliche Abstimmung untereinander verbessert werden. Weber sagte damals, alle Wellen sollten ein individuelles, klar voneinander abgegrenztes Profil behalten. Die neuen Organisationsstrukturen sollten ferner dabei helfen, den beschlossenen Abbau von 80 Stellen innerhalb des Hörfunkbereichs umzusetzen. Im Juni vorigen Jahres hatte WDR-Intendant Tom Buhrow bekannt gegeben, bis 2020 zur Kostensenkung insgesamt rund 500 Planstellen im Sender abzubauen.

Mit konstruktiv-kritischem Blick

Die Strukturreform im Hörfunkbereich und die damit verbundenen personellen Änderungen hatte am 27. März der WDR-Rundfunkrat gebilligt. Zuvor hatte bereits der WDR-Verwaltungsrat dem Umbau zugestimmt. In seinem aktuellen Newsletter verwies der Rundfunkrat darauf, man lege „besonderen Wert auf die Vorgabe, dass die einzelnen Wellen auch nach der Reorganisation in ihrem jeweiligen Profil weiter geschärft werden müssen“. Der Rundfunkrat unter der Leitung von Ruth Hieronymi kündigte an, das Gremium werde „die Entwicklung des WDR-­Hörfunks konstruktiv-kritisch begleiten und sich über die programmlichen Fortschritte durch die Reorganisation unterrichten lassen“.

Die Details der Reorganisation wollen die Verantwortlichen innerhalb der Hörfunkdirektion nun mit den Mitarbeitern der jeweiligen Bereiche erarbeiten. „Eine Strukturreform ist nur so gut, wie sie die Mitarbeiter auch mit Leben füllen. Deswegen bin ich gespannt, wenn in den kommenden Wochen gemeinsam mit den Mitarbeitern die konkrete Umsetzung erarbeitet wird“, erklärte Hörfunkdirektorin Weber weiter. Die 49-Jährige leitet seit Mai 2014 die WDR-Hörfunkdirektion, zuvor war sie Programmdirektorin und Geschäftsführerin des Privatsenders Antenne Bayern. Als die damalige Privatradiomanagerin im Jahr 2013 vom Rundfunkrat zur Hörfunkdirektorin des öffentlich-rechtlichen Senders gewählt worden war, hatte dies für erhebliche Unruhe gesorgt (vgl. FK 47/13 und 48/13).

04.05.2015 – MK