Krimiserie „Alice“ zum Hörspiel des Monats Oktober gewählt

16.11.2021 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat die achteilige Krimiserie „Alice“ von Feo Frank zum Hörspiel des Monats Oktober gewählt. Es handelt sich um eine Produktion von Deutschlandfunk Kultur in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk (BR). Regie führte Eva Solloch, für die Dramaturgie zeichnete Jakob Schumann (Deutschlandfunk Kultur) verantwortlich.

Der Autorenname Feo Frank ist ein Pseudonym des Berliner Schauspielers und Autors Dorian Brunz, „Alice“ ist sein erste Hörspielarbeit. Es ist, so die Kurzbeschreibung von Deutschlandfunk Kultur, „eine moderne Tragikomödie über den Zusammenfall von Fake und Wirklichkeit und die Frage, wie wir reagieren, wenn die Realität unaushaltbar wird“. Mitwirkende Schauspieler in der Serie sind unter anderem Marleen Lohse (Hauptrolle), Fabian Busch, Hanna Plaß, Mira Partecke, Kathrin Wehlisch, Philipp Lind, Kim Riedle, Roman Knižka und Imogen Kogge.

Fake und Wirklichkeit

Bei Deutschlandfunk Kultur wurde die Serie (vgl. dazu die MK-Kritik) an den vier Tagen vom 25. bis 28. Oktober mit jeweils zwei Folgen hintereinander ausgestrahlt (22.03 bis 23.00 Uhr). Die Serie lief außerdem am 23. und 30. Oktober im Programm des Deutschlandfunks (DLF), der an diesen beiden Samstagen ab 20.05 Uhr jeweils vier der knapp 30-minütigen Folgen hintereinander sendete. Der achtteilige Hörspielkrimi ist seit dem 23. Oktober auch komplett in den DLF-Audiothek und in der ARD-Audiothek abrufbar. Der Bayerische Rundfunk strahlt in seinem Programm Bayern 2 die ersten zwei Folgen von „Alice“ am 17. November aus; weiter geht’s mit den anderen Episoden am 24. November und am 1. und 8. Dezember (jeweils zwei Folgen, Sendezeit: 20.05 bis 21.00 Uhr).

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste schreibt zur Begründung ihrer Entscheidung, „Alice“ zum Hörspiel des Monats zu benennen:

«Warum ist die Leiche aus einem Pool irgendwo in Deutschland plötzlich lebendig in Ecuador und kommt im Andenhochland bei einem Bergunfall ums Leben? In Feo Franks Hörspieldebüt „Alice“ gibt es darauf eine recht einfache Antwort – und doch ist diese Krimiserie alles andere als simpel gestrickt. Wir haben es hier mit Menschen zu tun, die profunde Schutzschilde und Lügengeschichten fürs tägliche Leben benötigen, so dass sie einander und auch uns, die Hörerschaft, permanent auf unsicheres Terrain führen.

Selten hört man derart subtil korrumpierte Stimmen, wie sie sich vorgeblich nett und verständnisvoll an andere wenden. In Wahrheit ist ihnen aber nicht zu trauen. Es sind höchst unzuverlässige Dialoge, die uns in das Beziehungsgeflecht der hier agierenden Menschen hineinziehen – die potenzielle Lüge schwingt vom ersten Moment an als Echo mit.

Allen voran ist da die Ich-Erzählerin Alice, die bei einer Agentur für die Überbringung schlechter Nachrichten arbeitet. Als Hiobsbotschafterin muss sie die Emotionen anderer Menschen kontrolliert abfangen und steuern, weil die Lebenspartner mit ihnen Schluss gemacht haben, weil sie gekündigt werden oder weil sie bankrottgegangen sind. In kurzer Zeit findet sie sich in einem tragischen, erpresserischen Wissensgefüge wider, in dem auch ihre Freundin Caro, eine Radiojournalistin, und deren Mann Youssef sowie ihre Kollegin Naomi und die Chefin Florence eine wichtige Rolle spielen. Der Polizeikommissar komplettiert die mysteriös miteinander verbundenen Personen.

Die hervorragenden Schauspielstimmen erzeugen ohne jedes Forcieren nuancierte Gefühlslagen. Sie klingen alle irgendwie nett, aber bei genauerem und längerem Hinhören erkennt man ihre verschleierten Abgründe. Wer angespannt spricht, kann dennoch zugleich berechnend vorgehen. Und dann tun sich unheimliche Räume auf und nehmen Gespräche denkwürdige Wendungen. Besonderen Gewinn schlägt die Arbeit aus der auch ineinander geschnittenen Doppelrolle von Alice als Hauptfigur sowie als intime Erzählerin der Geschichte, die die Hörerschaft konspirativ-wehklagend für sich einzunehmen versucht.

Der mysteriöse Drift von „Alice“ ist eine weitere Kraftquelle dieser Hörspielserie. Wir wissen nicht genau, in welcher Zeit wir uns befinden. In der Zukunft? Immerhin wird unauffällig, aber wiederholt darauf hingewiesen, dass man schon längst keinen Tabak mehr bekomme. Obendrein scheint die Hiobsagentur Bestandteil einer Outsourcing-Gesellschaft zu sein, die alles Leben über bezahlte Dienstleistungen managt. Für diese dystopische Gesellschaftskritik und ihre Mystery-Schlagseite gibt es Douze Points!»

16.11.2021 – da/MK

Print-Ausgabe 23-24/2021

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