Hörspiel des Monats Juni: „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“

22.07.2016 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das Stück „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ zum Hörspiel des Monats Juni gewählt. Bei der Produktion des Bayerischen Rundfunks (BR) handelt es sich um die Hörspieleinrichtung des gleichnamigen Buchs von Frank Witzel, der den Text gemeinsam mit Regisseur Leonhard Koppelmann für den Funk bearbeitete. Die Ursendung des Hörspiels erfolgte am 25. Juni von 15.05 bis 16.45 Uhr im Programm Bayern 2. Frank Witzel, geboren 1955 in Wiesbaden, ist Autor, Essayist, Musiker und Zeichner. Zu dem Hörspiel – das auf der Website von Bayern 2 weiterhin zum Nachhören abrufbar ist – steuerte er auch die Musik bei. Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Akademie:

«Es ist eine Kunst, den mehr als 800 Seiten umfassenden Roman von Frank Witzel, der im vergangenen Jahr überraschend mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden ist, in ein nicht mehr als eine Stunde und 40 Minuten dauerndes Hörspiel zu verwandeln, ohne die Substanz dieses ausschweifenden „hybriden Konstrukts aus Pop, Politik und Paranoia“ (Begründung der Buchpreis-Jury), einer Collage aus unterschiedlichen literarischen Verfahren, anzutasten. Dieses kleine Wunder ist der Tatsache geschuldet, dass der Autor gemeinsam mit dem versierten Hörspielregisseur Leonhard Koppelmann an der akustischen Umsetzung des Textes gearbeitet hat und außerdem für die Komposition des Soundtracks verantwortlich zeichnet. Entstanden ist ein unglaublich frisches, lebendiges, den Hörer geradezu anspringendes Hörspiel. Weit davon entfernt, eine „akustische Fassung“ zu liefern, gelingt es diesem Hörspiel, den Roman über einen 13-jährigen Schulversager in Wiesbaden-Biebrich, der sich mit Freunden im Sommer 1969 – vor dem Hintergrund der Kaufhausbrandstiftung der späteren Rote Armee Fraktion (RAF) – eine paranoide Welt zusammenzimmert, auf ganz eigenständige Weise neu zu erschließen. Wesentlichen Anteil daran hat die durchgehend mitlaufende zweite Tonspur: eine spannende Mixtur aus Tönen, Geräuschen, Musikfetzen und von Witzel komponierten (und gesungenen) Songs, die einen zusätzlichen atmosphärischen Hörraum für „Die Erfindung der RAF“ schafft.»

Alle bisherigen Hörspiele des Monats im Jahr 2016

Januar

Ich dachte, in Europa stirbt man nie (RBB Kulturradio)

Autorin: Sarah Schreier, Regie: Alfred Behrens

Februar

Gadji Beri # 2016. Eine DADA-Radio-Oper (Deutschlandfunk/NDR/SWR/WDR)

Realisation (nach dem Lautgedicht von Hugo Ball): Wittmann und Zeitblom

März

Eugénie Grandet (Deutschlandradio Kultur)

Funkeinrichtung des Romans von Honoré de Balzac: Helmut Peschina, Regie: Marguerite Gateau.

April

The Tower of Babel (HR/NDR/RBB/SWR/BBC)

Autor/Regie: Robert Wilson

Mai

Manhattan Transfer (HR/Deutschlandfunk)

Funkeinrichtung des Romans von John Dos Passos: Leonhard Koppelmann und Hermann Kretzschmar, Regie: Leonhard Koppelmann

Juni

Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 (Bayern 2/BR)

Autor: Frank Witzel, Realisation: Frank Witzel und Leonhard Koppelmann

22.07.2016 – MK

Print-Ausgabe 23/2019

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