100 Jahre Bauhaus: „AUDIO.SPACE.MACHINE“ ist Hörspiel des Monats Januar

06.02.2019 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das Stück „AUDIO.SPACE.MACHINE“. Ein Bauhaus-Konzeptalbum“ zum Hörspiel des Monats Januar gewählt. Es handelt sich um eine Produktion des Autorenduos Christian Wittmann und Georg Zeitblom (die sich selbst kurz wittmann/zeitblom nennen). Das Hörspiel entstand im Auftrag von Deutschlandfunk, NDR und SWR in Zusammenarbeit mit der Interactive Media Foundation (IMF); redaktionell verantwortlich war Sabine Küchler vom Deutschlandfunk. Die Ursendung des 60-minütigen Stücks erfolgte am 12. Januar um 20.05 Uhr im Programm des Deutschlandfunks (vgl. MK-Kritik). Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Akademie:

«100 Jahre Bauhaus in Weimar – nur ein historisches Datum? Das Autorenduo wittmann/zeitblom widerspricht. In ihrem Hörspiel „AUDIO.SPACE.MACHINE“ mit dem Untertitel „Bauhaus-Konzeptalbum“ unterziehen die Autoren die Idee des Konzepts „Bauhaus“ einer radikalen Reflexion: In siebzehn Modulen und Fragestellungen entfalten wittmann/zeitblom die Vielschichtigkeit des „Bauhaus“-Stils und derjenigen Gegensatzpaare, für die er scheinbar bis heute steht: „Simplicity versus Complexity“, „Reduktion versus Abstraktion“, „Luxusbedarf versus Volksbedarf“, „Hat Kunst eine politische Dimension?“. Die Autoren stellen dabei die Frage: Was bedeutet „Bauhaus“ gerade in unserer heutigen digitalen Welt für die Individualität des Menschen?

Über eine anregende Balance zwischen O-Tönen, rhythmisierten, grooveanimierten Textstrecken, Soundscapes und erstaunlich experimentellen Spielelementen reflektieren wittmann/zeitblom die Ideologie des „Bauhaus“ in einer beeindruckend variablen Fülle der eingesetzten akustischen Mittel. In genussvoll-kulinarischen Sequenzen werden die Zuhörerinnen und Zuhörer in das widersprüchliche Verhältnis zwischen Funktionalität und Individualität hineingezogen – durchaus auch mit dem wirksamen Mittel der Ironie. Über die Methode einer künstlerischen Dialektik erreicht das Hörspiel auf diese Weise bei seinem Publikum eine neue, sich immer wieder selbst erneuernde Betrachtungsweise des Phänomens „Bauhaus“. „AUDIO.SPACE.MACHINE“ würdigt das Projekt „Bauhaus“ in dessen Jubiläumsjahr als Hörspiel in Form einer überaus lebendigen Klangarchitektur und bereitet damit große Lust, sich in dessen Komplexität zu vertiefen.»

Die Jury sprach im Januar zudem eine lobende Erwähnung aus für das Hörspiel „Der Reisende“ nach dem Roman von Ulrich Alexander Boschwitz. „Über hervorragende sprecherische Leistungen und in einer wirkungsvollen Balance zwischen Sprache und unterstützender akustischer Musik ermöglicht das Hörspiel einen Einblick in den beklemmenden Alltag der NS-Diktatur“, so die Jury zu dieser Entscheidung. Das 71 Minuten lange Stück „Der Reisende“, eine Produktion des Norddeutschen Rundfunks (Bearbeitung und Regie: Irene Schuck), wurde am 13. Januar um 21.05 Uhr im Programm NDR Info erstgesendet. Mitwirkende im großen Ensemble des Stücks sind unter anderem Patrick Güldenberg, Wolfgang Pregler, Felix von Manteuffel, Jens Wawrczeck, Oda Thormeyer und Anne Weber. Sowohl das Hörspiel „Der Reisende“ als auch die Produktion „AUDIO.SPACE.MACHINE“ sind bis Mitte Januar 2020 in den Mediatheken der beteiligten Sender zum Nachhören abrufbar.

Wettbewerb nun auch mit ORF und SRF

Für den von der Deutschen Akademie der Darstellende Künste seit 1977 veranstalteten Wettbewerb ‘Hörspiel des Monats’ gibt es turnusgemäß zu Beginn des Jahres eine neue Jury. Sie wird am Ende aus den zwölf Hörspielen des Monats auch das ‘Hörspiel des Jahres’ wählen. Gastgebender Sender für die Jury-Sitzungen ist 2019 der Saarländische Rundfunk (SR) in Saarbrücken. Der Jury gehören in diesem Jahr die folgenden drei Mitglieder an: Ruth Rousselange (freie Kritikerin, Rezensentin und Autorin, Mitglied der Redaktion des saarländischen Kulturmagazins „Opus“), Georg Ruby (Professor für den Bereich Jazz und Improvisierte Musik an der ‘Hochschule für Musik Saar’ in Saarbrücken und dort Leiter der die Jazz-Abteilung) sowie Torsten Mergen (Gymnasiallehrer und Fachberater für Deutsch bei der Schulaufsichtsbehörde im saarländischen Bildungsministerium, einer seiner Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Medien im und für den Deutschunterricht mit Schwerpunkt Hörspiel).

Jede der neun ARD-Landesrundfunkanstalten und das Deutschlandradio können monatlich ein urgesendetes Stück zum Wettbewerb „Hörspiel des Monats“ einreichen. Wie die Deutsche Akademie der Darstellende Künste mitteilte, gibt es 2019 eine Neuerung: Ab jetzt können sich auch der Österreichische Rundfunk (ORF) und das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) mit Einreichungen an dem Wettbewerb beteiligen.

06.02.2019 – da/MK