Hörspiel des Monats Februar: Ein Stück in Auseinandersetzung mit Texten von Thomas Brasch“

15.03.2021 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das Stück „Woanders. Ein Hörspiel in Auseinandersetzung mit Texten von Thomas Brasch“ zum Hörspiel des Monats Februar gewählt. Das Stück stammt von Diana Näcke, Christina Runge und Masha Qrella. Die drei Autorinnen haben bei dem Hörspiel gemeinsam auch Regie geführt. Masha Qrella, Sängerin und Songwriterin, war zudem für die Komposition verantwortlich.

Das rund 50-minütige Hörspiel „Woanders“ wurde am 24. Februar um 22.03 Uhr bei Deutschlandfunk Kultur gesendet (Dramaturgie: Barbara Gerland). Die Autorinnen machen in ihrem Stück die Lyrik des Schriftstellers Thomas Brasch (1945-2001) zu Songtexten. „Im musikalischen Zwiegespräch folgen sie seinem Beispiel, sich mit der Welt und der eigenen Existenz in ihr auseinanderzusetzen“, hieß es bei Deutschlandfunk Kultur zu dem Hörspiel. Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste schreibt zur Begründung ihrer Entscheidung:

«Unser Hörspiel des Monats Februar ist „Woanders. Ein Hörspiel in Auseinandersetzung mit Texten von Thomas Brasch“. Von Diana Näcke, Christina Runge und Masha Qrella. Thomas Brasch, der von der Geschichte zu Unrecht scheinbar verschluckte Schriftsteller, bekommt eine neue Chance. Zwanzig Jahre nach seinem Tod legt das Hörspiel „Woanders“ die in jedem einzelnen Wort seiner Dichtkunst gespeicherte Kraft frei. Dafür haben Diana Näcke, Christina Runge und Masha Qrella einen bemerkenswerten musikästhetischen Weg gewählt, der die Lyrik neu zum Leben erweckt: Thomas Brasch goes Techno (nicht nur).

Die Sätze hallen keineswegs wie Relikte aus einer fernen Vergangenheit nach, sondern treffen mit den Sounds der Berliner Sängerin Masha Qrella auf verblüffend geschmeidige Weise mitten hinein in gegenwärtige Befindlichkeiten und gesellschaftspolitische Fragestellungen (sie hat daraus erfreulicherweise ein ganzes Album gemacht). Das ist einerseits einer konzisen Textauswahl geschuldet, die jeden Satz für uns Hörerinnen und Hörer fruchtbar macht. Denn auch wir sind Formen der Entpersonalisierung und Vereinsamung ausgesetzt, wie sie Brasch immer wieder thematisiert hat. Einmal heißt es: „Die Arbeit ist auch ein Mittel geworden, im Zeitalter der Automatisierung seine Zeit zu verbringen. [...] Mich interessiert ein arbeitsloses Land, durch das zwei Frauen reisen.“

Andererseits glückt die Wiedererweckung dieser Literatur vor allem dank der musikalischen Erzählweise. In der strengen, aber leichthändig wirkenden Partitur stehen Braschs Texte in mehreren „Seinszuständen“ nebeneinander: als von Qrella gesprochenes Zitat, als von ihr, Andreas Bonkowski und Chris Imler vertonte Lyrik oder als Originalton Braschs aus dem Archiv. Sie spiegeln sich effektvoll ineinander. Die Arbeit gibt den Sätzen Raum – Raum, den Lyrik kaum je zugesprochen bekommt.

Das Tonstudio und seine Geräusche sind dabei immer nur leicht aus der Ferne wahrnehmbar. Wir hören also ein vom Produktionsgrund emanzipiertes Hörspiel, das „woanders“ spielt, in einer ganz eigenen, unabhängigen und berückenden Tonwelt.»

15.03.2021 – MK

Print-Ausgabe 7/2021

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