Hörspiel des Monats Februar: „Die weite weite Sofalandschaft“ von Deutschlandfunk Kultur

05.03.2020 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das Stück „Die weite weite Sofalandschaft“ zum Hörspiel des Monats Februar gewählt. Das Stück stammt von dem 1988 in Hamburg geborenen Autor Malte Abraham, der auch Regie führte. Bei dem 56-minütigen Hörspiel handelt es sich um eine Produktion von Deutschlandfunk Kultur (Redaktion: Barbara Gerland). Der Sender strahlte das Stück am 5. Februar um 22.03 Uhr in seinem Programm erstmals aus. Mitwirkende Schauspieler sind Felix Goeser, Michael Hanemann, Esther Hilsemer, Lea Ostrovskiy, Nicolas Lehni und Aram Tafreshian.

Das Hörspiel „Die weite weite Sofalandschaft“ sei „ein Plädoyer gegen unser kapitalistisches Wirtschafts- und Wertesystem, das Sinnhaftigkeit und Anerkennung einzig an Erwerbsarbeit koppelt“, schreibt die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in ihrer Begründung zur Auszeichnung des Stücks, es sei eine „literarisch wie dramaturgisch hervorragend komponierte Radio-Groteske“.

„Die weite weite Sofalandschaft“ erzählt von mehreren Protagonisten, die sich zwischen Arbeit und Urlaub bewegen, wobei deren einziger Lebensinhalt die Arbeit ist. Der Ort der Arbeit ist sowohl das Büro als auch das zum Home-Office umfunktionierte Zuhause. Hierbei verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen privatem und beruflichem Raum wie auch zwischen privater und beruflicher Identität, so dass diese letztendlich nicht mehr zu unterscheiden sind. Am Ende bleibt als Flucht vor der Arbeit zu Hause nur, so lange wie möglich in der Badewanne zu verweilen.

Gleichzeitig begleitet das Hörspiel die Protagonisten im Urlaub. Doch auch der Ferienort ist so dystopisch wie der Arbeitsplatz: Er ist lediglich eine ideal temperierte Erholungskulisse mit konstanter und reservierungspflichtiger Meeresbrandung. „Was wie ein abstruser Alptraum anmutet, ist unserer Realität so nah, dass sich beim Hören ein zunehmendes Unbehagen einstellt“, so die Jury, die hinzufügt: „Auf subtile Weise stellt das Hörspiel dabei einen überraschenden und erhellenden Zusammenhang mit der Klimakrise her: Je überarbeiteter die Gesellschaft, desto dringender ihr Bedürfnis, durch möglichst weite Flugreisen wenigstens kurz der entgrenzten Arbeit zu entgehen.“

Bei alldem, so lobt die Jury, öffne Malte Abrahams Hörspiel „Räume, die nur innerhalb der Gattung erzeugt werden können – etwa, wenn das Rauschen in der Telefonleitung plötzlich das Rauschen des Ozeans wird –, und schöpft so gekonnt die Potenziale der Gattung Hörspiel aus“.

05.03.2020 – MK