Hörspiel des Monats April: „GEH DICHT DICHTIG! Hörspieldialog mit Elfriede Gerstl“

08.05.2019 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das Stück „GEH DICHT DICHTIG! Hörspieldialog mit Elfriede Gerstl“ zum Hörspiel des Monats April gewählt. Autorin des Stücks ist Ruth Johanna Benrath, Regie führte Christine Nagel. Das 42-minütige Hörspiel ist eine Koproduktion des Österreichischen Rundfunks (ORF) und des Bayerischen Rundfunks (BR). „GEH DICHT DICHTIG!“ (Komposition: Lauren Newton) wurde vom ORF im Programm Ö1 am 7. April um 23.00 Uhr ausgestrahlt. Im BR-Programm Bayern 2 war das Stück am 12. April ab 21.05 Uhr zu hören (vgl. MK-Kritik). Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Akademie:

«Worin liegt der Reiz am literarischen Dialog mit einer sprachmächtigen Autorin? Das Hörspiel „GEH DICHT DICHTIG!“ liefert eine ungewöhnliche Antwort. Konzipiert als Hommage an die 2009 verstorbene Wiener Dichterin Elfriede Gerstl, an deren Werk, vor allem ihren anarchischen Umgang mit Sprache, anlässlich des zehnten Todestages erinnert werden soll, gestaltet es einen imaginären Dialog von Gerstl (gespielt von Gerti Drassl) mit der Autorin Ruth Johanna Benrath (Dörte Lyssewski).

Die Lebendigkeit im fiktiven Dialog, der normalerweise nur live so entstehen könnte, wird wirkmächtig verstärkt durch eine zusätzliche Stimme in Form von Lautimprovisationen der US-amerikanischen Klangkünstlerin Lauren Newton. Diese neue Art eines Trialogs auf verschiedenen Gestaltungsebenen verleiht dem fiktiven Austausch ironischer Textfragmente und Gedankenketten eine besondere Note und große Intensität. Äußerst gelungen wirkt das Wechselspiel der drei Klangquellen, die im Endprodukt völlig assoziativ entstanden zu sein scheinen.

Dieses wechselseitige Durchdringen macht den Reiz von „GEH DICHT DICHTIG!“ aus. Auf diese Weise entsteht ein lautpoetisches Klangkunsthörspiel außergewöhnlicher Art: Der Klang der Sprache wird schillernd transportiert, die Geräusche irritieren im besten Sinne, die Mischung mit konkreter Sprache schafft Distanz und provoziert zugleich beim Zuhören. Das Zulassen des Assoziativen evoziert den dadaistischen Effekt des scheinbar Kindlich-Naiven, des bewusst Nicht-Reflektierten. Sprache wird gebraucht, um Sprache um- und aufzuschürfen und ihr eine neue Lebendigkeit durch die Freude am Wort und am Vokalisieren zu verleihen. Das anarchistische Zulassen von Sprachexperiment und phantasievollem Sprachwitz führt bei Ruth Johanna Benraths Hörspiel zu einem Feuerwerk der Töne: Wie sich Sätze und Worte auflösen, löst sich am Ende des sprachmusikalischen Hörspiels auch das Spiel der beiden Autorinnen auf.»

08.05.2019 – MK

Print-Ausgabe 15-16/2019

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