Führt NDR-Ausstieg zum Aus für die WDR‑2‑Sendereihe „Stichtag“?

25.09.2020 •

„Ob Staatsgründung oder Machtverfall, Lebensdaten großer Frauen und Männer, Wendepunkte der Menschheitsgeschichte, Friedensverträge und Katastrophen, Erfindungen und Entdeckungen – im ‘Stichtag‘ auf WDR 2 wird Geschichte lebendig.“ So beschreibt der WDR seine Sendereihe „Stichtag“, die täglich in einer Länge von rund vier Minuten gegen 9.40 Uhr im Radioprogramm WDR 2 ausgestrahlt wird. Nach der linearen Ausstrahlung ist die Sendung als Podcast abrufbar. Doch nun ist die „Stichtag“-Reihe aus Kostengründen vom Aus bedroht, wie aus einer Mitteilung des Deutschen Journalisten-Verbandes Nordrhein-Westfalen (DJV‑NRW) hervorgeht.

Grund dafür sind demzufolge die Budgetpläne des Norddeutschen Rundfunks (NDR), der in den nächsten vier Jahren rund 300 Mio Euro einsparen will. Deshalb will der NDR aus einer Kooperation mit dem WDR aussteigen, in deren Rahmen er dessen 15-minütige Sendereihe „Zeitzeichen“ (WDR 3/WDR 5) mitfinanziert und auch in seinem Programm NDR Info ausstrahlt. Um das durch den NDR bedingte finanzielle Minus zu kompensieren, wolle der WDR nun, schrieb der DJV‑NRW in seiner Mitteilung vom 22. September, die Reihe „Stichtag“ abschaffen, so dass das dadurch eingesparte Geld der Finanzierung der Sendung „Zeitzeichen“ zugutekommen solle. Letztlich gehe es dabei für den WDR um 58.000 Euro.

Der Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags

„Es darf nicht sein, dass eines der traditionsreichsten und erfolgreichsten Radioformate des WDR wegen eines Sparvolumens von weniger als 60.000 Euro vom Sender genommen wird. Und das bei einem Jahresetat des WDR von mehr als einer Milliarde Euro“, kritisierte Frank Stach, der Landesvorsitzende des DJV‑NRW die Pläne, den WDR-2-„Stichtag“ abzuschaffen.

Der tägliche „Stichtag“ gehört laut DJV‑NRW „nicht nur zu den renommiertesten, sondern auch erfolgreichsten Sendungen im Programm von WDR 2“. Mit fast einer Viertelmillion Downloads im Monat sei der Podcast zu (zeit)geschichtlichen Ereignissen auch online eines der erfolgreichsten Formate und erreiche so vor allem auch eine junge Zielgruppe. Mit seinen Beiträgen zu Nationalsozialismus und Rechtsextremismus sei der „Stichtag“ gleich dreimal unter den Top 5 der Downloads im Jahr 2020 vertreten, so der DJV-NRW. „Jung, erfrischend – und vor allem informativ: Genau solche Angebote sind der Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Gerade in Zeiten wie diesen braucht unsere Demokratie Beiträge wider eine wachsende Geschichtsvergessenheit“, erklärt Frank Stach weiter. Stach arbeitet als freier Hörfunk- und Fernsehjournalist, vor allem für den WDR. Er ist auch Mitglied im Personalrat des Senders.

25.09.2020 – MK

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