Fred von Hoerschelmann: Caro. Lustspiel (SWF)

Ein Lustspiel?

04.08.1954 •

In einem gottverlassenen italienschen Dörfchen tilgt ein Maler seine Wirtshausschulden, indem er eine Höhle mit Zeichnungen versieht, die eine Fremdenverkehrs-Attraktion werden sollen. Als das Werk beendet ist, verlässt er den Wirt und Liliana, das geliebte Mädchen; Caro, den Hund, darf sie zum Andenken behalten.

Der Betrug tut alsbald seine Wirkung: Ein Strom von Besuchern ergießt sich nach Roccanera, die Straße zur Bahnstation wird endlich gebaut, der Wirt ist ein gemachter Mann. Er heiratet Liliana, um sie als Mitwisserin des Geheimnisses ganz für sich zu gewinnen. Sie aber hält ihn sich vom Halse, findet, dass es nun genug des Betrugs sei –, und der Wirt, in süßer italienischer Faulheit, ist den Rummel auch schon leid, zerstört die Höhle und entführt Liliana im Auto. Der Wirt, um die Schande des verlassenen Ehemanns nicht auf sich sitzen zu lassen, lässt die Umwelt in dem Glauben, Liliana sei bei dem Einsturz der Höhle ums Leben gekommen. Denen, die ihn trösten wollen, entgegnet er mit dem zweideutigen Satz: „Gegen die Naturgewalten kann man eben nichts ausrichten!“ Unterdessen freut sich der Maler, dass Caro immer geknurrt hat, wenn der Wirt seine Gattin nächtlich besuchen wollte.

Wenn man den Wert eines Lustspiels nach der Tonstärke des laut werdenden Gelächters bemessen wollte, so wäre hier das Ergebnis gleich Null gewesen – denn zum Lachen war nichts da. Was etwa komisch gedacht war, wirkte eigentlich albern, wie der Dialog des Professors mit seinem Assistenten oder der vom Hund vertriebene Wirt vor der Tür seiner Gattin.

Suchen wir also den in den Zusammenhängen verborgenen Humor! Liegt er darin, dass Roccanera auf den Kopf und dann wieder auf die Füße gestellt werden muss, damit der Maler und das Naturkind endlich miteinander im Auto fortfahren können? Darin, dass die Gelehrten und die sensationsgierigen Fremden genasführt werden? Darin, dass eine unmoralisch scheinende Affaire dank dem knurrenden Caro zur Not einen moralischen Anstrich bekommt? In alledem ist nichts Erheiterndes zu finden oder auch nur etwas, was amüsieren könnte.

Bleibt ein gut und klar gebautes, ein feinfädiges und spannendes Stück, mit genau umrissenen Figuren, mit knappen, in der Technik des Understatements geführten Dialogen von einem Autor, der sein Handwerk versteht. „Bleibt“ also statt eines Lustspiels ein gutes Hörspiel.

• Text aus Heft Nr. 32/1954 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

04.08.1954 – sk/FK

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