Die Diversität der Genres: Das Webradio ByteFM besteht seit zehn Jahren

12.02.2018 • Vor zehn Jahren, am 11. Januar 2008, ging der damals neuartige Radiosender ByteFM auf Sendung. Es handelt sich dabei um ein vornehmlich per Livestream über das Internet verbreitetes Musikprogramm, das auf computergesteuerte Rotation verzichtet. Bei ByteFM gibt es keine Werbespots, der nicht-kommerzielle Sender finanziert sich über die Mitgliedsbeiträge des Fördervereins „Freunde von ByteFM“. Die Redaktion des Webradios hat ihren Sitz in Hamburg und in Berlin. Der Förderverein verfügt derzeit über rund 5000 Mitglieder, die pro Jahr jeweils 50 Euro als Mitgliedsbeitrag zahlen. Der jährliche Zuwachs beträgt laut ByteFM-Gründer und -Geschäftsführer und Ruben Jonas Schnell um die 500 Personen. ByteFM verfügt damit über eine stabile Crowdfunding-Basis. Dennoch ist das Aufrechterhalten des vielfältigen Programms bei dem Sender nur dadurch möglich, dass die meiste Arbeit ehrenamtlich erfolgt – besonders zu erwähnen sind hier die etwa 100 Autoren, die mit ihren Sendungen das Programm prägen.

Zum zehnjährigen Jubiläum lud die Redaktion am 13. Januar zum Tag der offenen Tür in ihre Räume im vierten Stockwerk des sogenannten „Medienbunkers“ auf dem Heiligengeistfeld im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Am Abend wurde der Geburtstag dann im Rahmen einer offiziellen Feier begangen, die im sogenannten „Resonanzraum“ stattfand, einem Veranstaltungsort in der ersten Etage des „Medienbunkers“.

Zum Tag der offenen Tür wurde den Besuchern die Gelegenheit gegeben, selbst live auf Sendung zu gehen. Mit einem Songwunsch konnte man neben einem ByteFM-Moderator Platz nehmen und nach einem kurzen On-Air-Gespräch das eigene Lieblingslied anmoderieren. Zu diesem Zweck gab es eine vierstündige Sonderausgabe der Sendung „ByteFM Freispiel“. In diesem Rahmen waren die Abläufe im Sendebetrieb für die Gäste einsehbar und die neue Studiotechnik wurde vorgeführt. Im August 2017 waren die Umbauarbeiten in einem der beiden Studios beendet worden. Neben der Umstellung von analoger auf digitale Technik fand auch eine effektive Modernisierung der Schalldämmung statt. Finanziert wurden die Maßnahmen neben den Mitgliedsbeiträgen von der Medienstiftung Hamburg/Schleswig-Holstein.

Ehrenamtliches Engagement

Die Abendveranstaltung am 13. Januar wurde mit einem Grußwort von Tim Angerer eröffnet, Leiter des Amtes ‘Medien’ der Behörde für Kultur und Medien in Hamburg. Es folgte eine Lobesrede von Oke Göttlich, Vereinsvorsitzender des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli, bevor ein musikalisches Programm begann, bei dem eine Streichquartett-Delegation vom Ensemble Modern und die Band ‘Die Sterne’ mitwirkten. Sänger und Gitarrist der Band ist Frank Spilker, der bei ByteFM die Sendereihe „Frank-A-Delic“ präsentiert. Autoren des Senders gestalteten auch als DJs den weiteren Verlauf des Abends und spielten dabei so unterschiedliche Genres wie Funk, HipHop und elektronische Musik.

Diversität der Genres prägt auch das musikalische Konzept von ByteFM, das keiner Musikfarbe verpflichtet ist. An dem Umstand, dass den für die Aufrechterhaltung dieser Vielfalt maßgeblich verantwortlichen Autoren bisher kein Honorar gezahlt werden kann, soll sich nach Auskunft von Ruben Jonas Schnell zukünftig etwas ändern. Ohne sich auf eine genaue Zeitangabe festzulegen, stellte er in Aussicht, dass bei einer weiterhin positiven Entwicklung der Mitgliederzahlen des Fördervereins in absehbarer Zeit den Autoren zumindest eine Art Aufwandsentschädigung gezahlt werden solle.

ByteFM hebt sich nicht nur hinsichtlich des ehrenamtlichen Engagements der dort arbeitenden Musikjournalisten von anderen Radiostationen ab. Auch die Distributionsstrukturen unterscheiden sich von denen anderer Sender. Ins Auge sticht hier vor allem, dass ByteFM keine Podcasts betreibt. Dafür gibt es ein kontinuierlich um die aktuellen Sendungen ergänztes Archiv, auf das eingeloggte Mitglieder des Fördervereins zugreifen können. Den Mitgliedern wird auch ein Zugriff auf den Livestream in höherer Klangqualität ermöglicht. Der Livestream in herkömmlicher Qualität steht hingegen jedem kostenlos zur Verfügung.

In Hamburg und Berlin ist das Programm zum Teil auch über UKW zu empfangen. Ein tägliches Sendefenster für ByteFM gibt es von 19.00 bis 22.00 Uhr auf der Hamburger Frequenz 91,7 MHz. Es handelt sich dabei um eine seit 2010 bestehende Frequenzkooperation mit dem Hamburger Musiksender 917xfm (der vom Privatsender Alsterradio veranstaltet wird). In Berlin, dem anderen Sitz von ByteFM mit Studio und Redaktion, kann man das Programm seit 2012 über UKW hören, und zwar montags bis freitags von 10.00 bis 12.00 Uhr über die von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) initiierte Frequenz 88,4 MHz und im angrenzenden Potsdam über die Frequenz 90,7 MHz.

12.02.2018 – Rafik Will/MK