Deutscher Radiopreis: NDR erhält in den ersten zehn Jahren die meisten Auszeichnungen

08.09.2020 •

Seit 2010 der Deutsche Radiopreis erstmals vergeben wurde, hat der Norddeutsche Rundfunk (NDR) die meisten Auszeichnungen erhalten. Das ergab eine Auswertung der Preisträgerliste der vergangenen zehn Jahre durch die MK. Die zweitmeisten Auszeichnungen gingen an den Westdeutschen Rundfunk (WDR). Insgesamt erhielten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bei dem Radiowettbewerb bisher 57 Preise, Programme der privaten Anbieter wurden 51 Mal ausgezeichnet.

Der NDR ist der einzige Sender, der beim Deutschen Radiopreis in jedem Jahr eine Auszeichnung bekam. Insgesamt gab es 15 Preise für NDR-Programme. So gingen sechs Auszeichnungen an die Jugendwelle N-Joy und jeweils vier Auszeichnungen an NDR Info und NDR 2. (Dabei wurden N-Joy und NDR 2 einmal im Rahmen einer gemeinsamen Programmaktion zusammen auch mit mehreren Hamburger Privatradios ausgezeichnet.) Bei der ersten Preisvergabe 2010 gab es eine Auszeichnung für das Nordwestradio, das damals gemeinsam von Radio Bremen und dem NDR betrieben wurde, der bei dem Programm inzwischen aber nicht mehr beteiligt ist. Seit August 2017 wird es von Radio Bremen alleine veranstaltet und hat den neuen Namen Bremen Zwei erhalten (vgl. MK-Meldung).

Noch nie ein alleiniger Preis für den Deutschlandfunk

Programme des WDR, der größten Landesrundfunkanstalt der ARD, erhielten bislang insgesamt 10 Auszeichnungen beim Deutschen Radiopreis. Dabei gab es unter anderem viermal einen Preis für WDR 2 und je zweimal einen für die Jugendwelle 1Live und das Kulturprogramm WDR 3.

Insgesamt jeweils sechs Preise gab es für Programme des Südwestrundfunks (SWR), des Bayerischen Rundfunks (BR) und des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Drei der RBB-Preise gingen an Radio Eins, drei der SWR-Auszeichnungen an SWR 3 (dabei einmal zusammen mit dem Sender Das Ding).

Programme des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), des Hessischen Rundfunks (HR) und von Radio Bremen erhielten insgesamt jeweils drei Preise. Der Saarländische Rundfunk wurde einmal ausgezeichnet (für eine Sendung von SR 1 Europawelle).

Für Programme des Deutschlandradios gab es insgesamt vier Preise, darunter keine einzige alleinige Auszeichnung für das Hauptprogramm Deutschlandfunk (DLF), das nur einen gemeinsamen Preis zusammen mit WDR, SWR, RBB und SR erhielt. Das war 2010, im ersten Jahr; seither ist der Deutschlandfunk beim Deutschen Radiopreis preislos. Jeweils zwei Auszeichnungen gingen an Deutschlandfunk Kultur (als das Programm noch Deutschlandradio Kultur hieß) und an Deutschlandfunk Nova (darunter einmal, als das Programm noch den Namen DRadio Wissen hatte).

Privatsender: RTL-Gruppe am erfolgreichsten

Da es im Bereich der privaten Hörfunkanbieter keine Gruppe gibt, die als homogene Gesamtheit vergleichbar ist mit einer mehrere Programme veranstaltenden öffentlich-rechtlichen Anstalt, gibt es dort keinen Sender, der beim Deutschen Radiopreis eine solch hohe Anzahl an Auszeichnungen hätte erhalten können wie etwa der NDR und der WDR. Am besten schneidet unter den privaten Anbietern die RTL-Gruppe mit insgesamt immerhin acht Preisen ab, davon vier für ‘104.6 RTL – Berlins Hitradio’, einer für ‘RTL – Deutschlands Hitradio’ und drei für das zu 100 Prozent der RTL Radio GmbH gehörende Spreeradio Berlin.

Zweitbestes Programm ist das sächsische Radio PSR mit insgesamt vier Auszeichnungen. Radio PSR gehört zum Hörfunkunternehmen Regiocast, ebenso wie Radio Schleswig-Holstein (RSH) und das 2014 eingestellte Fußballradio 90elf. Diese beiden Programme haben beim Deutschen Radiopreis jeweils einen Preis erhalten, so dass die Regiocast-Gruppe auf insgesamt sechs Auszeichnungen kommt.

Für Hitradio FFH gab es bislang drei Preise, eine Auszeichnung hat der FFH-Tochtersender Planet Radio erhalten, so dass für die hessische FFH-Radiogesellschaft zusammengerechnet vier Preise ergeben. Fünf Programme gibt es, die bisher drei Preise verbuchen konnten: Berliner Rundfunk, Radio FFN, Antenne Bayern, Radio Gong und Radio Hamburg (darunter einmal mit der gemeinsamen Aktion Hamburger Hörfunkprogramme).

In diesem Jahr wird der Deutsche Radiopreis nun zum 11. Mal verliehen, die Preisverleihung ist am 10. September wie stets in Hamburg. Stifter des Deutschen Radiopreises sind die Hörfunkprogramme der ARD, das Deutschlandradio und die Privatradios in Deutschland. Zu den Kooperationspartnern zählen unter anderem die Stadt Hamburg und das Marler Grimme-Institut. Bei der Ausrichtung der Preisverleihungsveranstaltung in Hamburg spielt der NDR eine tragende Rolle, also der Sender mit den meisten Preisen. Der frühere NDR-Hörfunkdirektor Joachim Knuth agierte viele Jahre, so die „taz“ im September 2019, „als einer der wichtigsten Macher beim Deutschen Radiopreis, für den der NDR innerhalb der ARD federführend ist“ (seit Mitte Januar 2020 ist Knuth Intendant des NDR; vgl. MK-Meldung).

Die Radiopreis-Veranstalter betonen im Übrigen jedes Jahr in ihren Mitteilungen zum Wettbewerb aufs Neue, dass „eine unabhängige Jury“ des Grimme-Instituts (das allerdings auch nicht mehr das zu sein scheint, was es einmal war) die Auszeichnungen vergebe. Nun darf man gespannt sein, ob auch in diesem Jahr wieder ein NDR-Programm ausgezeichnet wird. Unter den Nominierungen für 2020 ist der NDR jedenfalls dreimal vertreten: mit N-Joy, NDR Kultur und NDR Info.

Zumindest eines dürfte sich in diesem Jahr ändern: dass das Deutschlandfunk-Hauptprogramm weiterhin preislos bleibt. Denn das Programm ist im Wettbewerb 2020 plötzlich gleich mit fünf Nominierungen dabei.

08.09.2020 – da/MK

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