Deutscher Hörspielpreis der ARD für das Stück „Einsteins Zunge“ von Christoph Buggert

04.12.2020 •

Der Deutsche Hörspielpreis der ARD geht in diesem Jahr an das Stück „Einsteins Zunge. Aus dem Nachlass meines Bruders“ von Christoph Buggert, eine Produktion des Saarländischen Rundfunks (SR) und des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Der mit 5000 Euro dotierte Preis wird von einer Fachjury vergeben, die traditionell während der ARD-Hörspieltage im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) über die zwölf Einreichungen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf offener Bühne diskutiert.

Wegen der Corona-Pandemie konnten die 15. ARD-Hörspieltage (geplant für den 4. bis 8. November) nur online stattfinden. Mitglieder der Jury, die dementsprechend per Videokonferenz tagte, waren die Filmregisseurin Doris Dörrie, die Filmautorin und Schauspielerin Maryam Zaree (beide Vorsitzende), die Schauspielerin Ulrike Kriener, die deutsch-senegalesische Regisseurin und Konzept-Künstlerin Anta Helena Recke und der Hörspielkritiker Rafik Will (der auch MK-Autor ist). Die Jury lobte bei Christoph Buggerts Stück „Einsteins Zunge“ (vgl. MK-Kritik) die Umsetzung des Textes durch das von Katharina Bihler und Stefan Scheib gebildete Liquid Penguin Ensemble: „Die verschiedenen Erzählebenen fügen sich dramaturgisch fein ineinander und schaffen ein Gesamtbild, das seine Tiefe auch beim zweiten und dritten Mal Hören nicht verliert.“

Carina Wiese für beste schauspielerische Leistung ausgezeichnet

Schon Buggerts Vorgängerstück „Ein Nachmittag im Museum der unvergessenen Geräusche“, eine vom Liquid Penguin Ensemble realisierte SR-Produktion, war bei den ARD-Hörspieltagen 2018 unter die Top 3 der Fachjury gekommen. Jury-Vorsitzender damals war Thomas Böhm, der in diesem Jahr jeweils etwa 15-minütige Videogespräche mit den Autoren der eingereichten Stücke führte. Diese Gespräche sind auf der Website der ARD-Hörspieltage abrufbar. Zu den Top-3-Stücken der Jury gehörten im Wettbewerb 2020 noch das Hörspiel „Hyperbolische Körper“ von Andrea Geißler und die im Auftrag des Bayerischen Rundfunks (BR) entstandene halbdokumentarische Produktion „Einsam stirbt öfter. Ein Requiem“ von Gesche Piening (vgl. MK-Kritik).

Der Preis für die beste schauspielerische Leistung in einem Hörspiel ging in diesem Jahr an Carina Wiese in der Rolle der Steffi in der zehnteiligen Radiokomödie „Die Entgiftung des Mannes“ von Holger Böhme, eine Produktion des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) unter der Regie von Stefan Kanis. Die jeweils fünfeinhalbminütigen Episoden wurden auch in einem rund 55-minütigen Zusammenschnitt ausgestrahlt.

Der mit 2500 Euro dotierte Publikumspreis der ARD-Hörspieltage 2020, der „ARD Online Award“, ging mit 17,2 Prozent der abgegebenen Stimmen an „Hyperbolische Körper“ von Andrea Geißler; das Stück entstand unter der Regie von Ulrike Haage für den Hessischen Rundfunk (HR). Für den Publikumspreis standen dieselben insgesamt zwölf Produktionen zur Wahl wie für den Jury-Preis. Auf Platz 2 landete mit 15,8 Prozent Gesche Pienings Requiem „Einsam stirbt öfter“, auf Platz 3 „Die Entgiftung des Mannes“ von Holger Böhme mit 13,6 Prozent.

Der Preis für freie Produktionen, der „ARD PiNball“, ging an das Autorinnenduo Vivien Schütz und Stefanie Heim für ihr aus telefonischen Sprachnachrichten zusammengesetztes 15-minütiges Kurzhörspiel „Re:Produktion“. Zwei Freundinnen, eine in Erfurt, die andere in New York, reagieren auf die aufgezeichneten Nachrichten, die sich um das in Amerika kontrovers diskutierte Thema Schwangerschaftsabbruch drehen. Der „PiNball“-Preis ist mit 1000 Euro dotiert.

Kinderhörspielpreis geht an Holly-Jane Rahlens

Traditionellerweise werden bei den ARD-Hörspieltagen auch die Kinderhörspielpreise vergeben, doch wegen Corona musste die Preisverleihung vor Ort in Karlsruhe ebenfalls ausfallen. Das Preisträgerstück des Deutschen Kinderhörspielpreises ist „Stella Menzel und der goldene Faden“ von der deutsch-amerikanischen Autorin Holly-Jane Rahlens, eine Produktion des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) und des Norddeutschen Rundfunks (NDR), bei der Leonhard Koppelmann Regie führte. Die fünfköpfige Jury (Frank Olbert, Kerstin Behrens, Eva-Maria Lenz, Karin Lorenz und Torsten Krug) lobte die Opulenz der Inszenierung des von Geschichten und Geschichte prall gefüllten Hörspiels. Der Preis wird von der Film- und Medienstiftung NRW zusammen mit den Sendern der ARD vergeben und ist mit 5000 Euro dotiert. Eine lobende Erwähnung der Kinderhörspiel-Jury erhielt das Stück „Kannawoniwasein! Manchmal fliegt einem alles um die Ohren“, die für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) produzierte Hörspielversion (Regie: Judith Lorenz) des gleichnamigen Jugendbuchs von Martin Muser.

Der in diesem Jahr von Schülern der Klasse 4a der Karlsruher Südendschule vergebene und mit 2000 Euro dotierte Kinderhörspielpreis der Stadt Karlsruhe ging zu gleichen Teilen an die Hörspiele „Wir nannten ihn Tüte“ von Frauke Angel (Regie: Friederike Wigger, Produktion: Deutschlandfunk Kultur) und „Das Wunder von Narnia“ des irischen Schriftstellers C.S. Lewis in der Bearbeitung und Regie von Robert Schoen (Übersetzung: Ulla Neckenauer), eine Produktion des Südwestrundfunks (SWR).

04.12.2020 – jm/MK

Print-Ausgabe 17/2021

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