Die seltsame Länge von 30 Minuten: WDR reformiert sein Hörspielprogramm

28.12.2017 • Zum 1. Januar 2018 reformiert der Westdeutsche Rundfunk (WDR) sein Hörspielprogramm. In seiner Kulturwelle WDR 3 werden auf der Programmschiene um 19.04 Uhr von Montag bis Donnerstag nur noch halbstündige Formate laufen. Anschließend soll ein neues, rund 25-minütiges Magazinformat namens „WDR 3 Foyer“ auf die um 20.04 Uhr beginnenden Konzertsendungen einstimmen. Von Freitag bis Sonntag ist dann von 19.04 bis kurz vor 20.00 Uhr Platz für Hörspiele im Standardformat von rund 55 Minuten. Einen langen Hörspieltermin von 90 Minuten gibt es beim WDR schon seit der letzten Programmreform nicht mehr. Da künftig auch samstags und sonntags Hörspiele laufen, ergeben sich ab 2018 in der Nettoaddition keine Einbußen in der Gesamtsendezeit für das WDR-Hörspiel im Vergleich zum derzeitigen Status.

Formatentscheidungen sind immer auch ästhetische Entscheidungen und in der Hörfunkdirektion des WDR setzt man auf die innerhalb der ARD bisher sehr unübliche, um nicht zu sagen: seltsame Hörspiellänge von 30 Minuten. Den einzigen Sendeplatz, auf dem dieses Kurzformat bisher stattfindet, gibt es beim Südwestrundfunk (SWR). Es ist der Sendeplatz „SWR 2 Tandem“ am Dienstagabend um 19.20 Uhr – doch der wird zum 1. Januar nächsten Jahres gestrichen. Also wird man beim WDR Hörspiele dieser Länge selbst produzieren müssen. Man wolle sich deshalb „stärker dem seriellen Erzählen widmen und für das On-Demand-Hören im Internet ein attraktives und vielfältiges Angebot schnüren“, so WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber. Den Auftakt macht im Januar 2018 der Dreiteiler „Eingeschlossene Gesellschaft“ von Bestsellerautor Jan Weiler, gefolgt von der Science-Fiction-Serie „Die drei Sonnen“ nach dem gleichnamigen Roman des chinesischen Autors Cixin Liu.

Stücke werden ins Programm eingepasst

Auf Nachfrage der MK teilte WDR-Hörspielchefin Martina Müller-Wallraf schriftlich mit, dass für das neue Format von Montag bis Donnerstag so oft wie möglich „eine inhaltliche/thematische Mottoklammer“ konzipiert werden solle, um „verschiedene Blickwinkel oder Zugriffe“ zu ermöglichen. Außerdem würden aber auch in der Standardlänge produzierte Hörspiele für den Halbstunden-Termin „konfektioniert“ (das heißt als Mehrteiler gesendet), allerdings unter der Bedingung, dass „die Stücke sehr erzählerisch/literarisch aufgebaut sind und es zulassen, ohne dass Ästhetik oder Inhalt Schaden nehmen“. Als Beispiele dafür ins Feld geführt werden die Krimis „Volksfest“ und „Nachtmahl“ von Rainer Nikowitz aus den Jahren 2015 und 2016, die statt wie seinerzeit als Zweiteiler nun als Vierteiler ins Programm eingepasst werden.

Die Hörspielkooperation des Kulturprogramms WDR 3 und der Jugendwelle WDR 1Live, die bisher bedeutet, dass dienstags dasselbe Hörspiel in beiden Programmen gesendet wird (um 19.04 Uhr auf WDR 3 und um 23.04 Uhr auf 1Live), wird auch nach der Reform fortgesetzt. Die Sendetermine werden sich im nächsten Jahr allerdings ändern; dann erfolgt die Ausstrahlung bei WDR 3 am Sonntag- und bei 1Live am Montagabend.

28.12.2017 – jm/MK

Print-Ausgabe 25-26/2017

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