David Zane Mairowitz: Albanien fressen (NDR 4)

Zerklüfteter Zynismus

06.03.1998 •

Die Exposition stellt Bezugsbruchstücke kantig nebeneinander. Die formale Kargheit des Aufbaus weicht im Verlauf der Geschichte abgestuften Anreicherungen. Das jetzt von NDR 4 ausgestrahlte Stück „Albanien fressen“ wurde von Ursula Grützmacher-Tabori ins Deutsche übersetzt. Es ist vorrangig die Geschichte des Scheiterns eines Ehepaars, das sich zu zweifelhaften Investitionen in Albanien verlocken lässt und dort zwischen Anarchie, Ausgetrickstwerden und Geldmangel allmählich verkommt: „Albanien fressen“ mutiert zum „von Albanien gefressen werden“.

Das Hauptthema bleibt zunächst weniger ein westlicher Überdünkel, sondern die Übermacht balkanisch eingefärbter Lock- und Betrugstechnik. Erst am Schluss erscheint die amerikanische Geldübermacht und versklavt die Protagonistin, die durch vorangehende Schwängerung und finanzielle Enteignung ohnehin erledigt ist, nun endgültig. Das ist bissig-böse formuliert, erweckt permanent den Eindruck, dass es zwischen Women’s Lib, Glücksspielerei, archaischen Bräuchen und verzweifelter Selbstausbeutung wahllos hin- und hergehe. Die mediale Überebene, hergestellt durch die fiktive Anwerbekassette und die verschrägten Telefongespräche der Ehepartner mit den Agenten, hilft zwar bei der Gliederung des Stückes mit, stiftet aber Verdunklungen: Die Stimme des Agenten wird immer langsamer und fremder und gerät so zur Metapher für den Untergang aller Verheißungen. Die tönen am Schluss nur noch aus dem Sumpf.

Dieses vom Schweizer Radio DRS produzierte Hörspiel von David Zane Mairowitz präsentiert ein im Stil eher undeutliches ironisch-zynisches Tableau. Die Regie verließ sich sehr auf das attraktive Timbre albanischer Sprecher (zum Beispiel: Faton Topalli als Mehmet und Henryk Nolewajka als Astrachan); daneben wirkten die schweizerischen Protagonisten (Barbara Falter als Trixi, Ueli Jäggi als Hein) übermäßig blaß und hölzern. Erst gegen Schluss der Veranstaltung konnte Barbara Falter einigermaßen sprecherisches Talent ausleben.

• Text aus Heft Nr. 10/1998 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

06.03.1998 – Waldemar Schmid/FK

` `