Das Stück „Teure Schwalben“ von Irmgard Maenner ist Hörspiel des Monats November

07.12.2019 •

Das Stück „Teure Schwalben“ von Irmgard Maenner wurde von der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats November gewählt. Bei dem Stück, das unter der Regie von Heike Tauch entstand, handelt es sich um eine Produktion von Deutschlandfunk Kultur (Redaktion: Stefanie Hoster). Urgesendet wurde das 57-minütige Hörspiel am 20. November um 22.03 Uhr. Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Akademie:

«Das Hörspiel „Teure Schwalben“ von Irmgard Maenner gestaltet die Geschichte der letzten Lebensphase einer 80 Jahre alten, an Demenz erkrankten Frau auf höchst innovative Weise: die allmählichen Wandlungsprozesse, den schleichenden Verfall an Bewusstheit und die einerseits ängstlichen, bisweilen aber auch humorvoll-offenen, ja, affirmativ wirkenden Reaktionen der Umgebung auf diese Entwicklungen. Dem hält das Hörspiel – vorrangig dank der herausragenden Schauspielerin Irm Hermann – Facetten von Komik und Humor entgegen: Gesellschaftliche Normen und Schranken fallen als Folge von Krankheit und Pflegeheim-Einweisung, dabei verwischen die Grenzen der Konventionen. Mit Bewunderung verfolgt man die spitzbübischen Eskapaden und makabren Geschehnisse um Heimflucht und Zaunüberwindung, die zeigen, dass Demenz einen fast bewundernswerten Phantasie-Raum eröffnen kann.

Unter der Regie von Heike Tauch beschreibt dieses Hörspiel die Neudefinition des Seins infolge einer Erkrankung, angereichert durch klug montierte Erinnerungsfragmente und neu servierte Kindheitserinnerungen. Herausragend wirken die inszenatorischen Gestaltungsmittel, Musik und Sounds sind in der Komposition von Janko Hanushevsky prägnant, sparsam und zugleich effektiv eingesetzt. Die Darstellungsweise von „Teure Schwalben“ setzt dem „Honig im Kopf“ die „flatternden Schwalben“ so kunstvoll dargeboten entgegen, dass die eskapistischen Ebenen der Demenz nahezu positiv konnotiert wirken. Bis hin zu den neologistisch anmutenden „Hutschwalben“ als Phantasiereservoir inszeniert Heike Tauch einen ästhetisch höchsten Kunstgenuss: Der Transfer von Erlebtem zu willkürlich Phantasiertem im Kopf der Hauptfigur ist großartig in Szene gesetzt.»

Eine lobende Erwähnungsprach die Jury im November für das Hörspiel „Wild ist scheu“ von Karen Köhler aus. In dem monologisch angelegten Stück geht es um eine Frau, die sich, durch den Tod ihres Partners aus allen Lebensbezügen herausgefallen, in die Waldeinsamkeit zurückzieht. „Die Trauer der Hauptfigur wird durch starke Naturmetaphern und die Zivilisationsflucht in den Wald als mythologischem Ort empathisch spürbar, nicht zuletzt dank des berührenden, poetisch-zarten Textes“, so die Jury, die Protagonistin werde „beeindruckend gespielt von Leonie Benesch“. „Wild ist scheu“ ist eine Produktion des Südwestrundfunks und wurde am 17. November von 18.20 Uhr im Programm SWR 2 erstausgestrahlt. Das gut einstündige Hörspiel basiert auf Karen Köhlers gleichnamiger Bucherzählung, die von Regisseur Kai Grehn für den Funk eingerichtet wurde.

07.12.2019 – MK

Print-Ausgabe 6-7/2020

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