BR-Produktion „Die Anhörerin“ von Andreas Unger ist Hörspiel des Monats Juli

28.08.2019 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das Stück „Die Anhörerin“ von Andreas Unger zum Hörspiel des Monats Juli gewählt. Es handelt sich um eine Produktion des Bayerischen Rundfunks (BR), Regie führte Teresa Hoerl (Komposition: Matthias Hauck und Nepomuk Heller). Andreas Unger, geboren 1977, lebt in München; er arbeitet als Sozialjournalist, Dokumentarfilmer und Autor. In diesem Jahr erschien sein Sachbuch „Vergebung. Eine Spurensuche“ (Herder-Verlag). In dem Buch geht es um Menschen aus der ganzen Welt, die die verschiedenen Seiten von Vergebung erfahren haben.

Die Ursendung des Hörspiels „Die Anhörerin“ erfolgte am 21. Juli von 15.05 bis 15.41 Uhr im Programm Bayern 2. Mitwirkende Schauspieler in dem Stück sind unter anderem Susanne Schroeder, Heinz Josef Braun, Markus Böker, Alexander Duda, Judith Toth und Stefan Hunstein. Redaktionell verantwortlich für die Produktion war beim Bayerischen Rundfunk Christine Grimm. Zur Begründung ihrer Entscheidung, das Stück zum Hörspiel des Monats zu bestimmen, schreibt die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:

«Das Hörspiel „Die Anhörerin“ (BR 2019, Autor: Andreas Unger) nimmt sich eines schwierigen Themenkomplexes in einer sehr kompakten Form an: In 36 Minuten Laufzeit werden grundsätzliche Fragen zu Themen wie Recht auf Asyl, Umgang mit Asylbewerbern sowie Wirkmächtigkeit der Funktion des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aufgeworfen.

Den narrativen Rahmen des Hörspiels bildet ein fiktives Entscheidungsverfahren innerhalb des BAMF, durchgeführt von der noch unerfahrenen Sachbearbeiterin Anne Schaller (gespielt von Susanne Schroeder), die vom Erstberuf der Schauspielerin in ein finanziell besser abgesichertes Berufsfeld gewechselt ist.

Das Hörspiel arbeitet zur Steigerung der Authentizität mit Zitationen bürokratisch entseelter Amtssprache, besonders durch Einsatz von Termini wie „Aufenthaltsstatus“, „subsidiärer Schutz“ oder „Ausreisehinderungsgrund“, was schnell kafkaeske Assoziationen hervorruft: Regelmäßig wiederkehrende, nüchterne Diktatszenen stellen die Macht der Bürokratie symbolisch dar, vor allem deren Fühllosigkeit und kalte Rationalität im Umgang mit menschlichen Schicksalen. Das Stilmittel des permanenten Wechsels von Innensicht der Hauptfigur, scheindokumentarischen Asylanhörungsszenen sowie privaten Disputen (mit plakativem Austausch von Stereotypen) verleiht dem Hörspiel spürbare Dynamik, Multiperspektivität und Eindringlichkeit, deren Ausgestaltung aber durchaus detaillierter und weniger episodenhaft sein könnte, um der Problematik respektive Diffizilität des Themas noch gerechter zu werden.

„Die Anhörerin“ zeigt exemplarisch das Leiden der Entscheiderin Anne Schaller am System des Aussortierens, an ihrer Platzierung auf der Schnittstelle zwischen Ankommen und Ablehnen. Empfindungen des Ausgeliefertseins werden mehr und mehr deutlich – sowohl bei den Asylbewerbern als auch bei der Entscheiderin. Ein Hörspiel, das nachdenklich stimmt und zur kritischen Reflexion über die Macht von Menschen über Menschen einlädt…»

28.08.2019 – MK