10. Deutscher Radiopreis: Privatsender besonders erfolgreich

11.10.2019 •

Zum zehnten Mal wurde am 25. September in Hamburg der Deutsche Radiopreis verliehen. Zur Feier des Jubiläums war die Elbphilharmonie Ort des Geschehens und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hielt die Festrede. Rund 1400 Gäste waren bei der Verleihung dabei, die zum neunten Mal von Barbara Schöneberger moderiert wurde.

Der Preis für die beste Sendung des Jahres ging beim Wettbewerb 2019 erstmals an einen Lokalsender: Die Auszeichnung erhielt Radio Emscher Lippe aus Nordrhein-Westfalen für „Deutschlands tiefste Morgensendung“, die zum Abschied von der Steinkohle aus dem Bergwerk Prosper Haniel in Bottrop von 1200 Meter unter Tage gefahren wurde. „An diesem ungewöhnlichen Ort entstand eine beeindruckende Sendung“, so die Jury des Deutschen Radiopreises in ihrer Begründung: „Kompetente Gäste, ein ernsthafter, aber nie dramatisierender Moderator, ein informatives Quiz zum Bergbau und emotionale Live-Acts“ seien die Stärken der Sendung gewesen, die von Lennart Hemme moderiert wurde. Der Privatsender Radio Emscher Lippe ist die Lokalstation in den Städten Gladbeck, Gelsenkirchen und Bottrop; der überregionale Teil des Programms kommt von Radio NRW in Oberhausen.

Beim Deutschen Radiopreis wurde in diesem Jahr eine neue Kategorie eingeführt, der Preis für den besten Podcast. Das bedeutet, dass bei dem Wettbewerb ab jetzt insgesamt zwölf Auszeichnungen vergeben werden. In jeder Kategorie gibt es drei Nominierungen. Der Podcast-Preis ging zur Premiere an die vom Privatsender Antenne Bayern produzierte True-Crime-Serie „Geheimakte Peggy“ von Christoph Lemmer.

Bundespräsident Steinmeier redet Sendern ins Gewissen

Bundespräsident Steinmeier betonte in seiner Jubiläumsrede mit Blick auf die journalistische Funktion insbesondere auch des Hörfunks, dass eine freie Berichterstattung für eine offene Gesellschaft und die Demokratie unerlässlich sei. Gerade die deutsche Vergangenheit habe gezeigt, dass das keine Selbstverständlichkeit sei. „Das Radio hat Einfluss. Man kann ihn nutzen im Guten wie im Bösen. Das Radio kann ein kleiner brauner Volksempfänger sein, aus dem nur eine Stimme dröhnt“, so Steinmeier, „oder ein Medium, das jede und jeden zu Wort kommen lässt, das überall hingeht und überall gehört wird – ein Radio, das die ganze Vielfalt unserer Lebenswelten zu Klang und Sprache werden lässt.“

Das Radio dürfte sich dabei „nicht im Seichten verlieren“, sagte der Bundespräsident und redete den Sendern ins Gewissen: „Der reine Dudelfunk wird sich gegen Spotify und andere nicht behaupten, und wenn noch so viele Gewinnspielchen ins Programm eingestreut werden.“ Und so forderte Steinmeier die Senderverantwortlichen auf: „Muten sie den Hörern ruhig zwischendurch ein paar Sätze zu, die bei der Orientierung im unübersichtlichen Gelände des alltäglichen Wahnsinns helfen.“ Was den unterhaltenden Bereich des Radios angeht, waren bei der zehnten Verleihung des Deutschen Radiopreises die Sänger Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer, Mark Forster, Lena & Nico Santos, die Pianistin Khatia Buniatishvili und die britische Band Simply Red dabei.

Beim diesjährigen Wettbewerb waren im Übrigen die privaten Hörfunksender so erfolgreich wie noch nie. Sieben der zwölf Preise gingen an die Privatradios, fünf mithin an die öffentlich-rechtlichen Programme. In diesem Jahr hatten sich 154 Sender mit insgesamt 442 Einreichungen am Wettbewerb beteiligt. Die Jubiläumsgala wurde von 15 öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogrammen und 53 Privatradios live übertragen. Zusätzlich zur Radio-Live-Übertragung und einem TV-Livestream im Internet wurde die Preisverleihung zeitversetzt auch in den sieben Dritten Fernsehprogrammen der ARD und im Spartenkanal ARD-alpha ausgestrahlt.

Stifter des Deutschen Radiopreises sind die Hörfunkprogramme der ARD, das Deutschlandradio und die Privatradios in Deutschland. Zu den Kooperationspartnern zählen unter anderem das Grimme-Institut und die Stadt Hamburg. Das Grimme-Institut (Marl) ist für die Jury-Arbeit des Wettbewerbs zuständig. Die Federführung bei der Preisverleihungsveranstaltung liegt beim Norddeutschen Rundfunk (NDR). Die Jury hat elf Mitglieder, Vorsitzende des Gremiums war in diesem Jahr Nadia Zaboura, Moderatorin sowie Beraterin und Expertin für die digitale Gesellschaft und Wirtschaft. Mit dem Deutschen Radiopreis sollen die besten Leistungen eines Jahres im Medium Hörfunk und nun auch im Medium Podcast gewürdigt werden. Der Radiopreis ist wie der Grimme-Fernsehpreis nicht dotiert.

• Die Jury des Deutschen Radiopreises 2019 vergab die folgenden 12 Preise:

Beste Sendung

Deutschlands tiefste Morgensendung (Radio Emscher Lippe), zum Abschied von der Steinkohle eine Sendung von 1200 Meter unter Tage aus dem Bergwerk Prosper Haniel

Der Preis geht an Moderator Lennart Hemme und Chefredakteur Ralf Laskowski.

Beste Morgensendung

Die N-Joy Morningshow (N-Joy/NDR)

Der Preis geht an die Moderatoren Andreas Kuhlage und Jens Hardeland.

Beste Reportage

Unter Schlamm begraben – Spurensuche in Petobo (NDR Info)

Der Preis geht an den ARD-Südasien-Hörfunkkorrespondenten Holger Senzel (NDR)

Bestes Interview

Interviews mit Menschen aus dem Alltag, geführt im Rahmen der Sendereihe Gesprächszeit (Bremen Zwei/Radio Bremen)

Der Preis geht an den Moderator und Interviewer Mario Neumann und an „Gesprächszeit“-Redakteurin Nicole Ritterbusch.

Beste Comedy

Achtung Alexa (Hitradio FFH)

Der Preis geht an die FFH-Comedy-Redakteure Dirk Haberkorn und Boris Meinzer.

Beste Innovation

SWOP (104.6 RTL), bei „SWOP“ können sich Hörer bei der RTL-Morgensendung via App die Songs selbst aussuchen

Der Preis geht an Marc Haberland, Programmgeschäftsführer von 104.6 RTL, und an Vivian Pickelmann, Musikchefin von RTL-Radio.

Beste Programmaktion

Gong 96.3 Team Taxi (Radio Gong)

Der Preis geht an Johannes Ott, Programmgeschäftsführer von Radio Gong, und an Mike Thiel, Moderator der Morgensendung („Morningman“) von Radio Gong.

Bestes Nachrichten-/Informationsformat

Update (Deutschlandfunk Nova)

Der Preis geht an Ilka Knigge, Reporterin und Redakteurin bei Deutschlandfunk Nova, und an den Journalisten und Moderator Thilo Jahn.

Bester Podcast

Geheimakte Peggy (Antenne Bayern), True-Crime-Serie

Der Preis geht an den Autor und Rechercheur Christoph Lemmer und an Antenne-Bayern-Chefredakteur Ralf Zinnow.

Beste Moderatorin

Carmen Schmalfeldt (Radio Leverkusen) für die Moderation der Sendung Radio Leverkusen am Morgen.

Bester Moderator

Steffen Lukas (Radio PSR) für die Moderation seiner Sendereihe Die Steffen Lukas Show.

Bester Newcomer

Roger Rekless (Puls/BR) für seine Leistungen in der Sendereihe Bayern 3 Spätschicht präsentiert von Puls.

11.10.2019 – da/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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