ZDF-Kultursendung „Aspekte“ wird ab 23. Oktober zum Reportageformat

02.10.2020 •

Das ZDF beendet seine freitägliche Kultursendung „Aspekte“ in der bisherigen Form. Die Reihe werde in ein Reportageformat umgewandelt, gab das ZDF bekannt, mit der Sendung vom 23. Oktober trete die Neuerung in Kraft. Die Moderatoren Katty Salié und Jo Schück seien „fortan unterwegs, präsentieren Themen und treffen Kulturschaffende und andere Gesprächsgäste an den unterschiedlichsten Plätzen“, hieß es seitens des öffentlich-rechtlichen Senders weiter.

Am 16. Oktober findet die letzte Sendung im Studio in Form einer 75 Minuten langen „Aspekte-Literaturgala“ anlässlich der Frankfurter Buchmesse statt. In Zusammenarbeit mit der Messe würden dazu, so das ZDF, „hochkarätige nationale wie internationale Schriftstellerinnen und Schriftsteller eingeladen“, darunter Richard Ford, Olivia Wenzel, Joachim Meyerhoff und Bernhard Schlink. Außerdem werde im Rahmen der Gala der „Aspekte“-Literaturpreis 2020 verliehen.

Bereits in den vergangenen Monaten während der Corona-Pandemie wurde „Aspekte“ (reguläre Sendelänge: 45 Minuten) nur zum Teil noch aus dem Studio gesendet, in dem dann aber keine Zuschauer mehr saßen. Coronabedingt setzte die Redaktion vermehrt auf Reportagesendungen („Aspekte on tour“), die zum Teil auch monothematisch angelegt waren. „Auch wir mussten auf Corona reagieren: ‘Aspekte’ war ‘on tour’ und hat neue Formen der Präsentation gewagt. Statt Fernsehstudio mit oder ohne Publikum Erlebnis vor Ort“, erklärte Anne Reidt, Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Kultur: „Die positive Zuschauerresonanz in dieser Zeit hat die Redaktion darin bestärkt, diesen Weg nach der Frankfurter Buchmesse konsequent weiterzugehen.“

„Erlebnis vor Ort“

Ähnlich wie Anne Reidt äußerte sich Daniel Fiedler, ZDF-Redaktionsleiter ‘Kultur Berlin’: „Man muss sich verändern, um sich treu zu bleiben. Wir verlassen unser Fernsehstudio und gehen dahin, wo Kultur und Debatte entstehen – auch in der Präsentation.“ „Aspekte“ in der bisherigen Form wird in Berlin im ZDF-Hauptstadtstudio produziert. Die Sendung wird dort freitagabends live on tape aufgezeichnet (bis Mitte März mit Studiopublikum) und dann am späten Freitagabend um 23.00 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Ab dem Folgetag ist die jeweils aktuelle Ausgabe auch in der ZDF-Mediathek online abrufbar.

„Aspekte“ als künftiges Reportageformat wird weiterhin 45 Minuten lang sein, aber ab November nicht mehr um 23.00 Uhr, sondern erst um 23.30 Uhr im ZDF zu sehen sein. Im Oktober ist der Sendebeginn noch 23.00 Uhr. Ab dem 6. November startet „Aspekte“ dann eine halbe Stunde später und wird damit zur Mitternachtssendung. Den 23.00-Uhr-Programmplatz am Freitag erhält Jan Böhmermanns neue halbstündige Show „ZDF Magazin Royale“, die somit direkt nach der ab 22.30 Uhr ausgestrahlten und ebenfalls 30 Minuten langen „Heute-Show“ laufen wird.

Mit dem Formatwechsel von „Aspekte“ soll die jeweils neue Ausgabe der Reportagesendung künftig stets ab 21.00 Uhr am Freitag in der ZDF-Mediathek verfügbar sein – also zweieinhalb Stunden vor der linearen Ausstrahlung. 2020 erreichten die „Aspekte“-Ausgaben im ZDF bisher im Schnitt rund eine Million Zuschauer – ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Jahr 2019. Die Millionen-Zuschauer-Marke dürfte für „Aspekte“ auf dem neuen 23.30-Uhr-Sendeplatz aber wohl kaum mehr zu erreichen sein.

Sendeplatz zur Mitternachtsstunde

Im ZDF, dessen Programm am April 1963 startete, gibt es seit Oktober 1965 ein Kulturmagazin. Es trug zunächst den Namen „Kulturbericht“ und wurde alle zwei Wochen ausgestrahlt. Anfang 1966 wurde die Sendung in „Aspekte“ umbenannt. Später wurde der Ausstrahlungsrhythmus auf wöchentlich geändert, dann wieder zurück auf 14-täglich. Der Sendetag von „Aspekte“ war auch nicht immer der Freitag; ebenso variierte die Sendungslänge. Seit 1993 ist „Aspekte“ freitagabends zu sehen, wobei der Sendetermin im Lauf der Jahre immer weiter in den späten Freitagabend verschoben wurde; seit 2009 beginnt die Sendung um 23.00 Uhr.

Von „Aspekte“ als klassischem halbstündigen Kulturmagazin mit mehreren Beiträgen verabschiedete sich das ZDF dann Anfang Februar 2014. Damals wurde „Aspekte“ in eine Kultursendung mit Studiopublikum umgewandelt, in der es neben an- und abmoderierten Beiträgen auch Interviews, Gespräche und Auftritte von Künstlern gab. Die Sendung wurde um 15 Minuten verlängert und es wurde eine Doppelmoderation eingeführt (vgl. diesen FK-Artikel und diesen MK-Artikel). Nun, knapp sieben Jahre später, steht „Aspekte“ vor dem nächsten Formatwechsel – und einer weiteren Verschlechterung des Sendeplatzes, was auch als Hinweis gelesen werden kann, welchen Stellenwert das ZDF einer regelmäßigen Kulturberichterstattung in seinem linearen Programm noch beimisst.

02.10.2020 – vn/MK

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