Will, Plasberg, Maischberger: ARD-Talkshows bis 2023 verlängert

30.10.2020 •

Die Verträge für die von der ARD ausgestrahlten politischen Talkshows „Anne Will“, „Hart aber fair“ und „Maischberger. Die Woche“ sind um weitere drei Jahre verlängert worden. Die beiden zuständigen Aufsichtsgremien des Senderverbunds, der NDR-Rundfunkrat und der WDR-Rundfunkrat, genehmigten im September die von den Sendern vorgesehene Fortführung der drei Talkshows im Ersten Programm. Die neue Vertragslaufzeit geht jeweils vom 1. Januar 2021 bis zum 31. Dezember 2023.

Für die Talkreihe „Anne Will“ ist der NDR verantwortlich. Die Federführung für die Sendungen „Hart aber fair“ und „Maischberger. Die Woche“ hat der WDR. Die drei Sendungen werden von den neun ARD-Landesrundfunkanstalten gemeinschaftlich finanziert. Da die Kosten der drei neuen Produktionsvereinbarungen beim NDR und WDR bestimmte finanzielle Schwellenwerte überschritten (vgl. hierzu auch MK-Meldung), mussten die Rundfunkräte der beiden Sender zustimmen, damit die Vertragsverlängerungen wirksam werden konnten. Genehmigungen von Aufsichtsgremien weiterer ARD-Anstalten waren nicht erforderlich. Die Budgets der einzelnen Produktionsverträge wurden nicht veröffentlicht.

Gremien von NDR und WDR stimmen zu

Der NDR-Rundfunkrat billigte den neuen „Anne-Will“-Produktionsvertrag in seiner Sitzung in Hamburg am 25. September „nach ausführlicher Diskussion“, wie das Gremium mitteilte. Der Rundfunkrat hat dem Vernehmen nach mehrheitlich zugestimmt. Im neuen Dreijahreszeitraum gibt es insgesamt 89 Ausgaben von „Anne Will“ im Ersten (sonntags, 21.45 bis 22.45 Uhr); pro Jahr gibt es somit rund 30 Ausgaben. Seit dem Start der Sendung im September 2007 wird „Anne Will“ von der Will Media GmbH produziert, die der Moderatorin und Journalistin gehört. Anne Will, 54, ist auch alleinige Geschäftsführerin der in Berlin ansässigen Firma.

Der WDR-Rundfunkrat hatte die Verlängerung von „Hart aber fair“ und „Maischberger. Die Woche“ bereits in seiner Sitzung am 11. September in Castrop-Rauxel gebilligt. „Hart aber fair“, moderiert vom 63-jährigen Journalisten Frank Plasberg, startete im Januar 2001, zunächst im Dritten Programm WDR Fernsehen. Im Oktober 2007 erfolgte der Wechsel ins Erste. Dort wird die Sendung seit September 2011 montags von 21.00 bis 22.15 Uhr ausgestrahlt. Von „Hart aber fair“ wird es auch künftig jährlich 34 Ausgaben geben. Produziert wird die Talkreihe von der in Düsseldorf ansässigen Firma Ansager & Schnipselmann. Deren Geschäftsführer und Gesellschafter sind Frank Plasberg und Jürgen Schulte.

Die von Sandra Maischberger präsentierte Talksendung gibt es seit September 2003 im Ersten Programm; sie lief dort zunächst unter dem Namen „Menschen bei Maischberger“. Anfang 2016 wurde der Sendetitel in „Maischberger“ geändert. Nach einer Konzeptänderung im Jahr 2019 heißt die Sendung „Maischberger. Die Woche“; seither werden dort mehrere Themen mit verschiedenen Gesprächspartnern diskutiert. Die Talksendung läuft seit Januar 2016 am späten Mittwochabend im Ersten (22.45 bis 0.00 Uhr). Wie im Fall von „Hart aber fair“ gibt es auch von Maischbergers Sendung weiterhin 34 Ausgaben pro Jahr. „Maischberger. Die Woche“ wird vom Unternehmen Vincent Productions hergestellt, das der Moderatorin gehört. Die 54-jährige Maischberger ist auch alleinige Geschäftsführerin der in Berlin angesiedelten Firma.

Ausgewogenere Gästeauswahl gefordert

Der WDR-Rundfunkrat habe, wie das Gremium im September mitteilte, nach intensiver Debatte die Beteiligung des WDR an „Hart aber fair“ und „Maischberger. Die Woche“ mehrheitlich genehmigt, dazu allerdings auch „klare Erwartungen“ formuliert. „Das Gremium appelliert an Sender und Redaktionen, auf eine deutlich ausgewogenere Gästeauswahl zu achten“, erklärte der WDR-Rundfunkratsvorsitzende Andreas Meyer-Lauber. Der Rundfunkrat verwies auf seine Stellungnahme vom Juni 2019, in der das Gremium zum wiederholten Mal Änderungen bei der Auswahl der Gäste in den beiden Talkshows gefordert hatte. „Frauen, jüngere Menschen sowie Experten sind weiterhin unterrepräsentiert, die Anzahl der Politiker in einzelnen Sendungen zu hoch. Eine noch pluralere Zusammensetzung der Gäste wird für die Diskussionskultur als sinnvoll erachtet“, hieß es in der Stellungnahme vom Juni 2019.

Im September legte das in Berlin ansässige „Progressive Zentrum“, das sich als linksliberale Denkfabrik versteht, eine Studie über die drei politischen ARD-Talkshows und die ZDF-Talksendung „Maybrit Illner“ vor. Das zentrale Ergebnis der Auswertung von insgesamt 1208 Ausgaben der Sendungen aus dem Zeitraum März 2017 bis März 2020 lautete: Zwei Drittel aller Gäste waren den Bereichen Politik und Medien zuzuordnen. Die Anteile anderer gesellschaftlicher Bereiche fielen somit deutlich geringer aus, darunter die Bereiche Wissenschaft (8,8 Prozent), Wirtschaft (6,4), Kultur (2,8), organisierte Zivilgesellschaft (2,7), Soziales (1,4), Religion (0,7) und Bildung (0,1 Prozent). Die beiden Autoren der Studie, Johannes Hillje und Paulina Fröhlich, kritisierten die „permanente Wiederkehr derselben Köpfe“ aus den Bereichen Politik und Medien in den Talkshows als „Cliquenbildung“ und plädierten ebenfalls für mehr Pluralismus bei der Gästebesetzung.

30.10.2020 – Volker Nünning/MK

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