Verträge für ARD-Talkshows von Will, Plasberg und Maischberger sollen um drei Jahre verlängert werden

31.07.2020 •

Die ARD will die Verträge für die politischen Talkshows „Anne Will“, „Hart aber fair“ und „Maischberger. Die Woche“ zur Ausstrahlung im Ersten Programm verlängern. Nach MK-Informationen geht es dabei für alle drei Sendungen erneut um eine Verlängerung um drei Jahre, und zwar konkret für den Zeitraum vom 1. Januar 2021 bis zum 31. Dezember 2023. Zum Jahresende 2020 laufen die bisherigen Verträge mit den Produktionsfirmen der drei Moderatoren aus. Vorgesehen ist, dass es auch im neuen Vertragszeitraum von „Anne Will“ pro Jahr 30 Ausgaben gibt. Bei „Hart aber fair“ und „Maischberger. Die Woche“ sind jährlich weiterhin jeweils 34 Ausgaben eingeplant.

Die Talkshow „Anne Will“ (sonntags, 21.45 bis 22.45 Uhr) wird von der in Berlin ansässigen Produktionsfirma Will Media hergestellt, die Anne Will gehört. Die Journalistin ist auch alleinige Geschäftsführerin der Firma. Die von Frank Plasberg moderierte Talkshow „Hart aber fair“ (montags, 21.00 bis 22.15 Uhr) wird von der Firma Ansager & Schnipselmann mit Sitz in Düsseldorf produziert. Deren Geschäftsführer und Gesellschafter sind Frank Plasberg und Jürgen Schulte. „Maischberger. Die Woche“ (mittwochs, 22.45 bis 0.00 Uhr) wird von Sandra Maischberger präsentiert und von deren Firma Vincent Productions GmbH hergestellt. Maischberger ist auch alleinige Geschäftsführerin der in Berlin angesiedelten Firma.

Wegen bestimmter Kostenhöhe: Gremiengenehmigung notwendig

Innerhalb der ARD ist für „Anne Will“ der Norddeutsche Rundfunk (NDR) federführend verantwortlich. Für „Hart aber fair“ und „Maischberger. Die Woche“ hat der Westdeutsche Rundfunk (WDR) die Federführung. Die drei Sendungen werden von den ARD-Landesrundfunkanstalten gemeinschaftlich finanziert. Der vorgesehenen Verlängerung der drei Produktionsverträge müssen auch die Rundfunkräte der beiden zuständigen Sender zustimmen. Weitere Gremien innerhalb der ARD müssen den drei Produktionsverträgen also nicht zustimmen, damit sie wirksam werden können.

Im Fall von „Anne Will“ müssen der NDR-Rundfunkrat und der WDR-Rundfunkrat grünes Licht geben. Bezüglich der beiden Talkshows „Hart aber fair“ und „Maischberger. Die Woche“ ist nur die Zustimmung des WDR-Rundfunkrats erforderlich. Der NDR-Rundfunkrat muss solche Programmverträge genehmigen, durch die der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Kosten von mehr als 2,5 Mio Euro entstehen. Dieser Schwellenwert wird beim neuen „Anne-Will“-Produktionsvertrag überschritten (was bereits auch bei den früheren Vertragsverlängerungen der Fall war). Die Zustimmung des WDR-Rundfunkrats ist erforderlich, wenn der Sender Programmverträge schließt, die beim WDR zu Ausgaben von mehr als 2 Mio Euro führen. Der Finanzierungsanteil des WDR liegt bei den Produktionsverträgen für „Anne Will“, „Hart aber fair“ und „Maischberger. Die Woche“ jeweils oberhalb dieses Schwellenwerts.

Fragen von WDR-Rundfunkratsmitgliedern

Wann der NDR-Rundfunkrat und der WDR-Rundfunkrat über die neuen Produktionsverträge befinden werden, ist offen. Möglicherweise geschieht dies in den September-Sitzungen der beiden Gremien, wobei damit zu rechnen ist, dass sie den Verträgen zustimmen werden. Beim WDR-Rundfunkrat befasst sich derzeit dessen Programmausschuss mit den Vertragsverlängerungen, wie auf der Internet-Seite des WDR-Rundfunkrats nachzulesen ist. Teil der Beratungen des Ausschusses sind dem Vernehmen nach auch die Antworten des WDR auf schriftlich gestellte Fragen von Rundfunkratsmitgliedern zu den Produktionsverträgen.

Die Fragen aus dem WDR-Rundfunkrat beziehen sich auf wirtschaftliche und programmliche Aspekte der Talkshows, beispielsweise ob es nicht mehr Sendungen pro Jahr geben sollte und ob die Talkformate nicht von den Anstalten selbst produziert werden sollten. Der WDR hält es demnach, wie zu erfahren war, zwar für wünschenswert, wenn es mehr Ausgaben von den Talksendungen gebe; doch das lasse sich nicht umsetzen, da andere ARD-Anstalten dies aus wirtschaftlichen Gründen nicht unterstützten. Dass die Talkshows nicht von den Sendern selbst produziert würden, betrachtet der WDR als Vorteil: Dadurch bleibe man flexibel, da dann bei den Sendern selbst kein entsprechendes Redaktionspersonal dauerhaft angestellt werden müsse, das weiterzubeschäftigen wäre, wenn die Sendungen einmal beendet werden sollten.

Anne Wills Format startete im September 2007 im Ersten am Sonntagabend als Nachfolgesendung von „Sabine Christiansen“. Als Günther Jauch mit seiner gleichnamigen Talkshow von September 2011 bis Dezember 2015 den Sonntagabend-Programmplatz belegte, wanderte „Anne Will“ auf den späten Mittwochabend. Im Januar 2016 kehrte die Sendung auf den Sonntagabend-Platz zurück. „Hart aber fair“ gibt es seit Januar 2001. Los ging es im Dritten Programm WDR Fernsehen, im Oktober 2007 erfolgte der Wechsel ins Erste. Sandra Maischbergers Sendung startete im September 2003 im Ersten, zunächst unter dem Namen „Menschen bei Maischberger“. Anfang 2016 wurde der Sendetitel in „Maischberger“ geändert. Nach einer Konzeptänderung im Jahr 2019 heißt die Sendung „Maischberger. Die Woche“; seither werden dort mehrere Themen mit verschiedenen Gesprächspartnern diskutiert.

31.07.2020 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 23/2020

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