TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga: Mehr Einnahmen für die Klubs, mehr Ausgaben für die Sender, mehr Kosten für die Zuschauer

24.06.2016 •

24.06.2016 • All diejenigen, die über einen gleichsam revolutionären Schritt der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bei der Vergabe des nächsten Rechtepakets der Fußball-Bundesliga für die Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21 spekuliert hatten, wurden enttäuscht. Denn die TV-Verträge, die von der DFL am 9. Juni 2016 bekannt gegeben wurden, schloss sie – abgesehen von einer Ausnahme – mit alten Bekannten ab. Die Bundesliga wird also ab Mitte 2017 live vor allem beim Pay-TV-Sender Sky zu sehen sein, während die Zusammenfassungen der Begegnungen am Samstagnachmittag weiterhin von der ARD-„Sportschau“ und die Berichte vom späten Samstagsspiel (Anstoß: 18.30 Uhr) auch künftig im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF gezeigt werden.

Von den vielen anderen Sendern, Internetportalen und Medienunternehmen, die sich im Vorfeld der Verhandlungen mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an den sehr kompliziert aufgesplitteten Übertragungsrechten interessiert gezeigt hatten, konnte sich nur ein Bewerber durchsetzen. Die US-Firma Discovery erwarb für ihren Sender Eurosport die TV-Rechte an den Live-Übertragungen der Bundesliga-Spiele vom Freitagabend (je eine Partie pro Spieltag, Anstoß: 20.30 Uhr) sowie an den neu angesetzten Begegnungen am Sonntagmittag und am Montagabend, also insgesamt 40 Spiele. Eurosport wird diese Begegnungen aber nicht in seinem frei empfangbaren Programm zeigen, sondern in einem seiner Pay-TV-Kanäle. Fans, die tendenziell alle Spiele ihrer Mannschaft im Fernsehen live verfolgen wollen, werden dann also zwei Abonnements abschließen müssen – mit Sky und Eurosport. Das Eröffnungsspiel der Saison, ein Spiel des letzten Spieltags der Hinrunde und die erste Begegnung der Rückrunde werden erstmalig im ZDF und damit im Free-TV empfangen werden können. Zwei dieser drei Spiele überträgt noch die ARD bis zum Ende der Saison 2016/17 (vgl. hierzu auch diese MK-Meldung).

Über eine Milliarde Euro pro Saison für die DFL

Die DFL vermeldete, dass sie aus den Verträgen für die genannten drei Jahre insgesamt 4,64 Mrd Euro erlösen wird, wobei in dieser Summe neben dem Geld aus den Fernsehrechte noch Einnahmen aus weiteren Rechten (Hörfunk, Internet) enthalten sind. Ihre Einnahmen pro Saison hat die DFL damit auf über eine Milliarde Euro gesteigert, was die Klubchefs wie Karl-Heinz Rummenigge (Bayern München) erfreut registrierten. Sie hatten während der laufenden Verhandlungen bitter darüber geklagt, dass sie mit den englischen Vereine künftig finanziell nicht mehr mithalten könnten, falls es nicht zu einer beträchtlichen Erhöhung der Einnahmen aus den Medienrechten für die Bundesliga komme. In England hatte die Premier League 2015 bei der letzten Rechterunde für drei Jahre (2016 bis 2019) umgerechnet 6,9 Mrd Euro erzielt (vgl. MK-Meldung).

Bleibt die Frage, wer hierzulande die Mehrkosten bezahlt? Zum einen sicherlich die Kunden von Sky, die angesichts der Beinahe-Verdopplung der Rechtekosten von jährlich 486 Mio auf 876 Mio Euro mit einer deutlichen Preissteigerung ihres Abonnements rechnen müssen – und die ja dann noch, wollen sie die Spiele ihres Lieblingsvereins auch am Freitag sehen, ein zweites Abonnement bei Eurosport abschließen müssen. Zum anderen muss das öffentlich-rechtliche System zahlen, das dann die Mehrkosten durch Einsparungen in anderen Programmfeldern erst noch erwirtschaften muss, da nicht davon auszugehen ist, dass die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) in die Berechnung des Rundfunkbeitrags derlei Fußballrechtekosten komplett als normale Kostensteigerung mit einbeziehen wird.

Insbesondere auf die ARD kommt ein beträchtlicher Kostenanstieg zu, da die Zahl der Spiele, von denen sie in der „Sportschau“ am Samstag berichten kann, ab 2017/18 durch die Partien am Sonntagmittag und am Montag weiter abnimmt. Berechnete man einen Preis pro Spiel, von dem die ARD-„Sportschau“ berichtet, dürfte dieser sich für die vier Spielzeiten, für die nun die neuen Verträge abgeschlossen wurden, mehr als verdoppelt haben. Andererseits zieht die „Sportschau“ trotz eines gewissen Quotenverlustes anders als viele andere öffentlich-rechtliche Sendungen ein deutlich jüngeres Publikum an. Die hohe Investition in den Bundesliga-Fußball wird deshalb als eine Investition in die Zukunft angesehen.

Zynisch könnte man ARD und ZDF zugutehalten, dass sie durch den Verlust der Rechte an den Qualifikationsspielen der deutschen Fußballnationalmannschaft, die an den privaten Konkurrenten RTL gingen, und der Rechte an den Olympischen Spiele 2018 bis 2024 ja in den nächsten Jahren viel Geld einsparen werden, das sie nun die Fußball-Bundesliga stecken können. Die Rechte an den Olympischen Spielen hatte im vorigen Jahr Discovery für Eurosport erworben. Der Sportsender, der in Paris beheimatet ist, baut mit den erstmals von ihm erworbenen Bundesliga-Partien sein Programm weiter aus. Was denn auch nur eine halbe Neuigkeit darstellt. Es bleibt summa summarum bei den Bundesliga-TV-Rechten alles beim Alten – nur doppelt so teuer.

24.06.2016 – Dietrich Leder/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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