Teddy gönnt dir! Spielshow mit Tedros Teclebrhan (Pro Sieben)

Spar die Show

20.12.2020 •

Diese neue, an zwei Donnerstagabenden im Advent gesendete Show hat eine Vorgeschichte. Und zwar eine ruhmlose, wie Pro Sieben respektive Steven Gätjen, der Moderator der Show, nicht müde wurden zu betonen: Es war der 21. September 2019, als Tedros Teclebrhan, der Comedian aus dem YouTube-Fernsehen und kurz Teddy genannt, auf selbigem Sender in der XXL-Bespaßung „Schlag den Star“ zum Zweikampf antrat gegen den Musiker Max Mutzke und krachend verlor. 4:62 war der finale Punktestand zu Teclebrhans Ungunsten. So eine Blamage, ach was, so ein Waterloo hatte in der bis dato zehnjährigen Geschichte dieses Evergreens, den einst Stefan Raab als „Schlag den Raab“ mit vollem Körpereinsatz erfand, noch niemand hinbekommen. Andererseits ging es bei der Variante „Mutzke macht den Teddy platt“ so lustig zu wie schon lange nicht mehr. Statt mit Raabschem Biss unterhielt der 1,87 Meter große TV-Napoleon mit schier endloser Leidensfähigkeit und mit Comedy-Potenzial, aus dem sich ja Material für weitere Unterhaltung schöpfen lässt.

Der – man kann schon sagen: legendäre – Auftritt bei „Schlag den Star“ hat Teclebrhan wie zu erwarten eine Reihe von Anschlussprojekten bei Pro Sieben eingebracht. Sie sind allesamt von Raab TV produziert – aber allesamt bislang kein Ruhmesblatt für Produzent und Gönner Raab und auch nicht für Entertainer Teddy. Weder die von Teddy im Mai moderierte „schnellste Entertainment-Show der Welt“ namens „1:30“ (weil jeder Auftritt von Teddys Gästen exakt eine Minute und 30 Sekunden dauerte). Noch Teddys Jury-Tätigkeit in der Musikshow „Fame Maker“ (vgl. hierzu diesen MK-Artikel). Noch die jetzige neue Spielshow, die Teddys Namen in sich trägt.

„Teddy gönnt dir!“ geht von der Annahme aus, dass es noch nie so einfach gewesen sei, im Fernsehen Geld zu verdienen, weil Teddys Herausforderer es mit dem „fleischgewordenen Loser jeder Gameshow“ zu tun haben: „Scheitern wäre eine Schande, Siegen ist Pflicht“, lässt Pro Sieben die Kandidaten wissen. Der Sieg sei ihnen quasi sicher, verspricht der Sender also mit Blick auf die beschämende Bilanz des geschlagenen Stars.

Das Spielprinzip ist ähnlich dem von „Schlag den Star“, nur kommt alles, wirklich alles in einer Sparversion daher: angefangen von der reduzierten Backstein-Optik des Studios mit Mobiliar wie aus dem Billig-Baumarkt über das mickrige Preisgeld von „nur“ 10.000 Euro bis hin zum Sponsoring durch einen Verkäufer von E-Bikes (früher konnten anrufende Zuschauer noch Autos gewinnen, ohne E, insofern gut, wenn’s jetzt Elektrofahrräder sind, das tut immerhin dem Klima gut). Das Sparkonzept gilt ebenso für die Spielanordnungen: Für Kartoffel-Wettschälen, Weitschuss mit Strandball oder Weitwurf mit zerknülltem Papier fallen einem alle möglichen Adjektive ein, nur nicht spektakulär oder sensationell. Zumindest gönnt sich die Show eine Live-Band.

Für Primetime-Verhältnisse fällt „Teddy gönnt dir!“ mithin arg bescheiden aus. Am Vorabend würde man sich so viel Understatement, sprich Sparsamkeit, vielleicht eher gefallen lassen, aber natürlich nur in kompakter und knackiger Form. Aber hier zieht es sich über mehr als zwei Stunden und diverse Werbeblöcke. Gespielt werden insgesamt zehn Runden pro Folge. Teddy wählt für jede Runde einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus. Diese zehn Personen bilden, oh Corona, auch das einzige Publikum im Studio. Entscheidet die jeweilige Person, die gegen Teddy antritt, das Duell für sich, darf sie sich über mindestens 1000 Euro freuen. Gewinnt Teddy das Spiel, wandern 1000 Euro in den Jackpot für die nächste Runde. Das ist dann auch der einzige Kitzel der Chose.

Weil für manche Spiele keine Zeitbegrenzung eingeplant ist und wenn sich dabei beide Spieler schlicht blödstellen, muss Moderator Gätjen hin und wieder eingreifen und die Regeln vereinfachen. Seine Hauptaufgabe ist indes eine andere: nämlich so garstig wie möglich zu Teddy sein. Ihn, natürlich alles nur gespielt, immer wieder auf sein Loser-Sein reduzieren, so nach der Art: „Teddy hat viele Stärken – die eine ist mir entfallen.“ Doch Gätjens Spitzen treffen nicht die Spielrealität von „Teddy gönnt dir!“, denn so schlecht schneidet Teddy tatsächlich gar nicht ab. In der ersten Showfolge gehen acht von zehn Siegen an ihn, in der zweiten Runde ist es immerhin die Hälfte. Wie blitzschnell er etwa die in einem Foto zusammengemorphten Gesichter von Prominenten entziffert, nötigt Gätjen dann doch Respekt ab.

Überhaupt und Chapeau, welche Stärken in diesem vor 37 Jahren in Eritrea geborenen Schlacks schlummern, aber in „Teddy gönnt dir!“ zu selten hervorblitzen. Vor zehn Jahren begann er, sich als schwäbelnde Comedy-Figur Antoine Burtz durch die Weiten von YouTube in die erste Fernsehsenderliga hochzuklamauken bis hin zu Raabs damaliger Late Night „TV total“. In diesem Corona-Jahr schenkte Antoine alias Teddy dem Land den Song „Deutschland isch stabil“. Und wenigstens diese (Gesangs-)Stärke lässt ihn die Show ausspielen, mit Unterstützung der Live-Band. In der aus „Schlag den Star“ übernommenen Rubrik „Song Battle“ duelliert sich Teddy also per Ton mit Profis, mit Nico Santos (Show 1) und Rae Garvey (2). Letztere dürfen brav ihre neuen Platten bewerben, während der frühere Musical-Darsteller Teddy als passabler Sänger und Entertainer überrascht. Der „Lauch“ bringt endlich mal Stimmung in die Bude. Er tänzelt umher, nimmt die komplette Weite des Studios und auch das Dahinter in Beschlag. Für Kameraleute muss Teddy eine Zumutung sein, das ermüdete Auge daheim bringt er dafür wieder in Spannung.

Und so bleibt die Frage: Lässt sich aus Teddys Talenten wirklich nicht mehr machen als dieser kleine Spielshow-Versuch, dem kaum eine Million Zuschauer folgten?

20.12.2020 – Senta Krasser/MK

Print-Ausgabe 1/2021

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