Susanne Bohlmann: Blick in die Ewigkeit? Der Tod und das Danach (ZDF)

Mit dem Bestatter durch den Film

29.04.2020 •

Da ist nichts, jedenfalls nichts, das man beweisen könnte. Und doch gibt es ungezählte Theorien, Thesen und Hypothesen, lange Literaturlisten. Gibt es ein Leben nach dem Tod? Und wenn ja, was denn – vielleicht oder sicher? Und wenn nein – warum nicht? Ist das gut oder schlecht? Was bedeutet das für das aktuelle Leben jedes Einzelnen? Und überhaupt: In der heutigen Zeit geht es doch viel mehr um das Leben vor dem Tod, mit allen Möglichkeiten und Einschränkungen, in beglückenden und verstörenden Momenten. Und dann beschäftigt sich ausgerechnet an Ostern zur Coronazeit (was für den Ausstrahlungstermin des Films nicht absehbar war) eine ZDF-Dokumentation mit der Frage nach dem Leben nach dem Tod. Nun feiern Christen Ostern als das Fest der Überwindung des Todes und insofern ist ein Film, der sich über ein ewiges Leben Gedanken macht, zu einem solchen Zeitpunkt durchaus passend.

Der Mann, der Dokumentation „Blick in die Ewigkeit? Der Tod und das Danach“ präsentiert, heißt Eric Wrede. Er führt den Zuschauer durch den Film und stellt dabei nicht nur Fragen, sondern bringt auch eigene Zweifel mit in die Diskussion ein, wobei er auf seine Erfahrungen als Bestatter zurückgreift. Er war erfolgreicher Musikmanager. Heute führt der 39-Jährige in Berlin-Pankow sein eigenes Beerdigungsinstitut unter dem Label „Lebensnah“.

Eric Wrede befragt für den Film (Buch/Regie: Susanne Bohlmann) Wissenschaftler, die Nahtod-Erlebnisse erforschen, und Menschen, die selbst solch einen Nahtod erlebt haben. Er spricht mit einem protestantischen Geistlichen und einem buddhistischen Mönch. Mit einem Neurologen der Berliner Charité und mit einer Psychologin, die bei ihren Klienten virtuelle Realität einsetzt. Zwischendurch werden Ausschnitte gezeigt aus dem animierten Kurzfilm „Ente, Tod und Tulpe“ von Matthias Bruhn. Der Kurzfilm entstand im Jahr 2010 nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Wolf Erlbruch.

Viel Material für 45 Minuten, kaum Zeit zum Atemholen. Aber dennoch bleibt der Film (Produktion: Gruppe 5) stets in gewisser Weise unterhaltsam, zumindest befriedigt er die Neugierde bei dem, der sich mit solchen existentiellen Fragen ernsthaft auseinandersetzt. Und viele der Aussagen gerade im Umfeld der Nahtod-Erlebnisse sind geradezu tröstlich.

Die Aussagen sind indes sehr unterschiedlich – überzeugt und skeptisch. Und sie sind ein Angebot an die Zuschauer, dem einen Experten oder der anderen Zeugin zu folgen. Nicht im Sinne eines Gemischtwarenladens, sondern als Einladung, sich mit den verschiedenen Aussagen auseinanderzusetzen und sich – vielleicht – die eine oder andere zu eigen zu machen. Und das unabhängig davon, dass ja keine der Aussagen beweisbar ist, sondern höchstens eine gewisse Plausibilität beanspruchen kann. Wenn im Film (1,81 Mio Zuschauer, Marktanteil: 7,4 Prozent) ein Wissenschaftler von dem Fall berichtet, dass ein komatöser Patient nach seiner Wiederbelebung einem Pfleger genau beschreiben konnte, wo dieser die Zahnprothese des Patienten deponiert hatte, so stellt der Neurologe dies elegant in Frage: „Das muss man jetzt mal so stehen lassen.“

Eine in London arbeitende Lehrerin für Parapsychologie wiederum sieht keinen Beweis für ein Leben nach dem Tod. Nach allem, was „wir wissen“ über das Universum, gebe es da nichts weiter. Festzustellen sei höchstens, dass es eine Hyperaktivität des Gehirns gebe, die dem Tod vorangehe. Und Nahtod-Erlebnisse gebe es in jeder Kultur. Der Neurologe spricht von einem „Hirn-Tsunami“. Der hinterlasse in jedem Fall beim Betroffenen ein gutes Gefühl, sei aber, so der Arzt, seiner Ansicht nach wissenschaftlich nicht belegbar.

Und dem Buddhisten scheint es gleich zu sein, ob es ‘eine Welt dahinter’ gibt. Wichtig sei, die Gegenwart zu leben, hier Liebe und Zuneigung zu entwickeln. Wer an die Wiedergeburt glaube, der bekomme das dann „im nächsten Leben gutgeschrieben“. Vielleicht ist das der plausibelste Rat der für diesen Film Befragten. (Die Dokumentation steht in der ZDF-Mediathek weiterhin zum Anschauen bereit.)

29.04.2020 – Martin Thull/MK

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