So war’s! Das Quiz der Jahrzehnte. 10-teilige Quizshow mit Michael Antwerpes (ARD/BR)

Preisfragen am Nachmittag

03.07.2017 •

Die Tiere aus den Sendereihen wie „Eisbär, Affe & Co.“ oder auch „Elefant, Tiger & Co.“ dürfen für eine Weile unbehelligt von Kameras ihr Dasein in den jeweiligen Gehegen fristen. Die ARD lässt in ihrem Ersten Programm vorerst ab von der nachmittäglichen seriell-dokumentarischen Begleitung des Zoolebens, die bislang den Sendeplatz zwischen 16.15 und 17.00 Uhr, also zwischen der Nachmittags-Soap „Sturm der Liebe“ und einer „Tagesschau“-Ausgabe sowie dem folgenden Boulevardmagazin „Brisant“ überbrückte. Vom 1. bis zum 15. Juni zeigte der Sender stattdessen werktäglich zehn Ausgaben des Ratespiels „So war’s! Das Quiz der Jahrzehnte“, das im Anschluss abgelöst wurde von der Unterhaltungsreihe „Schätzen Sie mal!“.

Bei der Show „So war’s!“ (Produktion: Constantin Entertainment) handelt es sich um die Adaption eines Formats des irischen Fernsehens Raidio Teilifís Eireann (RTE) und von ADARC Productions mit dem Originaltitel „Play It By Year“. Wobei schon fast erstaunt, dass hier von einem eigenständigen Konzept gesprochen wird, denn die basale Spielidee existiert international seit langem in vielerlei Ausprägungen, als Segment in anderem Rahmen oder als eigenständige Sendung. Im Kern basiert sie auf dem keineswegs verwerflichen Gedanken, Archivmaterialien der Sender im Kontext einer Unterhaltungsshow zu verwerten.

In der von Michael Antwerpes moderierten deutschen Version treten drei Paare gegeneinander an – Verwandte, Freunde, Lebenspartner. Eine Schätzfrage entscheidet über das Vorrecht, das erste Jahrzehnt auszuwählen – zur Verfügung stehen die 1980er, 1990er und 2000er Jahre. Die folgenden Runden gleichen sich im Ablauf. Die Kandidaten wählen ein Jahrzehnt, es wird eine (meist recht unscharf formulierte) Kategorie genannt, dann folgt ein Einspielfilm, aus dem sich die anschließende Rätselfrage ergibt. Gezeigt wurde beispielsweise ein Ausschnitt aus einem Fußballspiel zwischen Borussia Dortmund und dem Hamburger SV. Die Bundesliga-Begegnung, die 1987 standfand, wäre damals beinahe ausgefallen, nachdem in der Nacht zuvor mit wasserfester Farbe „Boykottiert und sabotiert die Volkszählung“ auf den Rasen geschrieben worden war. Die Frage dazu: Was hat die Stadt Dortmund gemacht? Die angebotenen Lösungen: a) Spruch verlängert, b) grün übermalt, c) weggemäht. Richtig war Antwort a), die Stadt verlängerte den Spruch mit dem Wort „nicht“.

Oder: Ein Nachrichtenausschnitt erinnert daran, wie der Staatsminister Ludger Volmer (Grüne) von Polizisten gegen übergriffige Demonstranten geschützt werden musste. Was zu der Frage führt, welcher Grünen-Politiker auf einem Parteitag mit einem Farbbeutel beworfen wurde. Wieder gibt es drei Antworten als Vorgabe. Die Antwort des Teams kommt prompt und ist korrekt: Joschka Fischer. Der Ablauf gewinnt an Tempo, wenn im sogenannten „Countdown“, nach dem ein Kandidatenpaar ausscheiden muss, in direktem Wettstreit 100 Sekunden lang Frage auf Frage folgt. Wer zuerst auf den roten Knopf schlägt, darf antworten. Auffällig ist, dass hier (Buch: Jens Teutsch-Majowski) auch Fragen ohne konkreten Zeitbezug gestellt werden, zum Beispiel „Wie heißt der Hobbit, der in ‘Herr der Ringe’ den Ring zerstört?“

Im mittleren Part spielen dann noch zwei Paare gegeneinander und im Finale muss sich das bis dahin siegreiche Team nochmals zwei Minuten lang einem Fragenfeuerwerk stellen. Nur wenn innerhalb der vorgegebenen Zeit ausreichend richtige Antworten gegeben werden, winkt der Gewinn – eine Urlaubsreise mit einem Kreuzfahrtschiff aus der ARD-Doku-Soap „Verrückt nach Meer“. Die Schlussrunde ist von allen die spannendste, besonders dann, wenn die Ratefüchse die Zeit bis auf wenige Sekunden ausreizen.

RTE hat gezeigt, dass man aus dieser vergleichsweise simplen Formatidee ansprechendes Unterhaltungsfernsehen machen kann. Moderator Mike Murphy, Jahrgang 1941, ein weißhaariger Veteran des irischen Rundfunks, führt mit viel Selbstironie, Zugewandtheit und Charme durch die Show. Qualitäten, denen es seinem deutschen Kollegen Michael Antwerpes spürbar fehlt. Antwerpes, dessen Hauptmetier der Sport ist, scheint sich noch nicht in die Show-Moderation eingefunden zu haben, obwohl er im Dritten Programm SWR Fernsehen schon seit 2003 das Ratespiel „Sag die Wahrheit“ präsentiert, das seit dem 21. April 2017 auch im Ersten ausgestrahlt wird.

Mutmaßlich sieht Antwerpes seine Aufgabe darin, möglichst schnell und viel zu reden –stets eine Spur zu laut, oft ungeduldig im Umgang mit den Kandidaten, ohne Gespür für Spannungsdramaturgie. Dabei unterlaufen ihm nicht selten schale Witze in der Art von „Die Frau hat das letzte Wort, so ist das immer“. Mit Antwerpes’ Sportreportervokabular – „Das ist ’ne enge Kiste heute, das merke ich schon […]“ – und seinen häufig wiederholten Plattitüden – „Knapp daneben ist auch vorbei“ – ließe sich eine ganze Herde von Phrasenschweinen füllen.

Nach den gesichteten Sendungen von „So war’s! Das Quiz der Jahrzehnte“ gewinnt man den Eindruck, dass Antwerpes sich bereits in einer gewissen Routine eingerichtet hat. Auch scheint er nicht immer so ganz bei der Sache, wenn man etwa kühne Unterstellungen hört wie: „Wer ‘Die drei ???’ kennt, der kennt sich auch mit Asterix ein bisschen aus, oder?“ Wobei die nachfolgende Frage einem prominenten Nebendarsteller der Real-Kinoverfilmung galt. Ein Thema also, das mit dem Comic-Kosmos um Asterix und Obelix nur peripher und mit zeitgeschichtlichem Wissen gar nichts zu tun hat.

Dieses ARD-„Quiz der Jahrzehnte“ wirkt wie eine Sparausgabe des deutlich liebevoller gestalteten Originals. Dort, wo mit Thin Lizzys „The Boys are Back in Town“ ein Rocksong den Ton vorgibt, spielen Dreier- statt Zweiergruppen gegeneinander, die Dekors sind aufwändiger und werden von einer geschmeidigen Kamera ins Bild gerückt. Und – nicht der geringste Faktor – der irische Moderator tritt wohlpräpariert auf und widmet seinen Kandidaten die gebotene Aufmerksamkeit. Die deutsche Variante macht demgegenüber den Eindruck einer eilig heruntergekurbelten Fließbandproduktion. Das ist selbst für den beiläufigen TV-Konsum des nachmittäglichen Publikums zu dürftig.

03.07.2017 – Harald Keller/MK

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